Die weltweite Stromnachfrage wird 2025 und 2026 weiter stark ansteigen. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet in ihrem halbjährlichen Update mit Wachstumsraten von 3,3 (2025) und 3,7 Prozent (2026). Dies ist zwar immer noch beachtlich, aber ein leichter Rückgang im Vergleich zu den Prognosen des Februar-Reports. Anfang des Jahres prognostizierte die IEA noch ein jährliches Wachstum der Stromnachfrage von vier Prozent bis 2027.

Die leichten Einbußen erklärt die Energieagentur mit der unsicheren Wirtschaftslage hinsichtlich der Handelszölle und den damit einhergehenden gesunkenen Erwartungen an das weltweite wirtschaftliche Wachstum. Trotz dieser Risiken erwartet die IEA eine weiterhin hohe Stromnachfrage. So liegen die Prognosen für die Jahre 2025 und 2026 noch immer deutlich über den Jahresdurchschnitten zwischen 2015 und 2023. Die Gründe dafür sieht die Agentur in einer starken Zunahme der Stromnachfrage aus der Industrie, durch Klimaanlagen und Rechenzentren sowie der allgemeinen Elektrifizierung. Insgesamt werde die Stromnachfrage bis 2026 weltweit mehr als doppelt so schnell steigen wie die Gesamtenergienachfrage, heißt es in dem Bericht. Der weltweite Stromverbrauch steige in der Folge im Jahr 2026 auf über 29.000 Terawattstunden (TWh) an.

Erneuerbare decken Großteil der kommenden Nachfrage

Gedeckt wird dieser Anstieg des Stromhungers zu 90 Prozent aus Wind- und Solarenergie. Die IEA erwartet, dass Wind und PV 2025 voraussichtlich die Marke von 5.000 TWh installierter Leistung überschreiten werden. 2026 könnten dann schon über 6.000 TWh installiert sein, so die Prognose. Die Folge: Die Stromerzeugung aus allen erneuerbaren Quellen wird im Betrachtungszeitraum die Stromerzeugung aus Kohle überholen. Die IEA erwartet das Erreichen dieses Meilensteins für Ende 2025 bzw. Anfang 2026. Die Kohleverstromung fällt voraussichtlich zu diesem Zeitpunkt erstmals in diesem Jahrhundert unter 33 Prozent Anteil an der Gesamtstromerzeugung.

Wind- und Solarenergie setzen hingegen ihren Aufschwung ungehindert fort. Lag ihr Anteil an der weltweiten Stromerzeugung noch vor einem Jahrzehnt bei nur vier Prozent, wird 2026 beinahe die 20-Prozent-Marke geknackt werden.

Kernkraftwerk
Patrick Federi/unsplash

Bei den übrigen Erzeugungsquellen sehen die IEA-Prognosen unterschiedlich aus. So erwartet die Energieagentur einen leichten Rückgang von 1,3 Prozent bei der Kohleverstromung. Leichten Rückgängen in Europa und China stünden Zuwächse in den Vereinigten Staaten, Indien und in weiteren Ländern Asiens gegenüber. Deutliche Wachstumsraten sieht die IEA hingegen bei der Gasverstromung. Sowohl 2025 als auch 2026 könnte der Zuwachs bei 1,3 Prozent liegen. Die Zunahme sei auf die „anhaltende Umstellung von Öl auf Gas im Nahen Osten und das nachhaltige Wachstum der gasbefeuerten Stromerzeugung in Asien“ zurückzuführen.

Weltweit setzen weiterhin viele Länder verstärkt auf Kernenergie. Die IEA erwartet Wachstumsraten von zwei Prozent bis Ende 2026. Damit würde die weltweite Kernenergieerzeugung auf fast 3.000 TWh anwachsen. Die Gründe: die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken in Japan, die robuste Produktion in den USA und Frankreich sowie der Neubau von Reaktoren in China, Indien, Korea sowie weiteren Ländern auch in Europa.

China und Indien mit riesigem Strombedarf

Alleine China ist für 50 Prozent der weltweit steigenden Strom nachfrage verantwortlich. Zwar ist der Anstieg im laufenden Jahr mit fünf Prozent nicht mehr auf dem Niveau des Vorjahres (2024: 7 Prozent). Für 2026 erwartet die IEA jedoch wieder einen steigenden Bedarf und prognostiziert ein Wachstum von 5,7 Prozent. 2025 ist bislang in China durch ein langsameres Nachfragewachstum im Industriesektor geprägt. Die IEA erwartet jedoch, dass dieser Effekt im kommenden Jahr nicht anhalten wird. Ähnlich sieht es in Indien aus. Auch dort erwartet die IEA in diesem Jahr mit vier Prozent ein etwas schwächeres Wachstum im Vergleich zu 2024 (6 Prozent). 2026 prognostizieren die Experten aber einen Rebound auf 6,6 Prozent. Insgesamt sind China und Indien für 60 Prozent des weltweiten Nachfragewachstums verantwortlich.

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In den USA sorgt derweil der Rechenzentren-Boom dafür, dass die Nachfrage bis Ende 2026 voraussichtlich doppelt so schnell wachsen wird wie im vorangegangenen Jahrzehnt. Anders sieht es in der EU aus. Zwar wächst auch hierzulande die Stromnachfrage. Mit einer Rate von 1,1 Prozent für das Jahr 2025 liegt der Zuwachs aber deutlich unter dem der USA (2,3 Prozent).

Trend: immer mehr negative Preise

Die durchschnittlichen Großhandelspreise für Strom sind im ersten Halbjahr 2025 sowohl in den USA als auch in Europa gestiegen. Im Schnitt stiegen die Gaspreise um 30 bis 40 Prozent. Die Durchschnittspreise lagen somit zwar noch immer unter dem Niveau von 2023, aber über denen von 2019. In Indien und Australien sanken hingegen die Strompreise zwischen fünf und 15 Prozent. Auffallend: Die Anzahl der Negativpreise nahm zu. In Deutschland, den Niederlanden und Spanien erreichte der Anteil an Negativstunden auf dem Großhandelsmarkt Quoten von acht bis neun Prozent – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. „Der Anstieg negativer Preise unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer größeren Flexibilität bei Angebot und Nachfrage“, urteilt daher die IEA.

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