„Bitte keine Anträge mehr stellen – die Förder­mittel sind erschöpft!“ In großen Lettern weist die Kreditanstalt für Wiederaufbau seit dem 27. Oktober auf der Website der Förderprogramms 440 darauf hin, dass keine neuen Anträge mehr angenommen werden für Zuschüsse zu Anschaffung und Montage privater Ladepunkte für Elektroautos an Wohngebäuden. Die 800 Millionen Euro, die das Bundes­ministeriums für Verkehr und digitale Infra­struktur (BMVI) zur Verfügung gestellt hatte, sind rein rechnerisch ausgegeben. Die letzte Tranche von 300 Millionen Euro hatte die Bundesregierung erst in diesem Sommer freigegeben. Wenn alle positiv beschiedenen Anträge umgesetzt werden, werden bis zum Frühjahr kommenden Jahres rund eine Million Ladepunkte neu entstanden sein. Das wäre gut für die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland – aber auch für die das Elektriker-Handwerk und die Hersteller von Wallboxen, die von dem Förderprogramm ebenfalls profitiert haben.

„Totalschaden verhindern“

Ob und in welcher Form das Programm fortgesetzt wird und die Fördermittel nochmals aufgestockt werden, ist derzeit völlig offen. Dies obliege der Entscheidung der kommenden Bundesregierung, heißt es im Ministerium. Dort verweist man auch auf weitere Förderrichtlinien, die den Aufbau der Ladeinfrastruktur im kommenden Jahr beschleunigen sollen – gemeint ist unter anderem das so genannte schnelle „Deutschlandnetz“. Allein dafür sind knapp zwei Milliarden Euro im Bundeshaushalt veranschlagt.

Das Thema Unterstützung für Wallboxen dürfte somit ein Thema in den Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP sein.  Die möglichen Regierungspartner haben sich in ihrem Sondierungspapier immerhin schon dazu bekannt, „Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität“ zu machen „und dafür den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur massiv zu beschleunigen“. Andererseits wird gerade heftig debattiert, welche Subventionen und Förderungen in Zukunft eingespart werden, um finanziellen Spielraum für Klimaschutzmaßnahmen zu bekommen.  

Wallbox Solo von Compleo
Wallbox mit Internet-Anschluss
Die neue, rund 1100 Euro teure „Solo Smart“ von Compleo kommt nicht nur mit einem langen Spiralkabel, sondern auch mit einer Ethernet-Schnittstelle zur Einbindung der Wallbox in das smarte Hausnetz. Foto: Compleo

Von Anbieterseite kommt bereits Druck. „Die kommende Bundesregierung darf keine Zeit verlieren, um als erste Amtshandlung Mittel freizusetzen, damit die entstehende Delle nicht in einem Totalschaden endet,“ sagte Benjamin Merle vom Solardachanlagenanbieter Enpal. Das Unternehmen will im kommenden Jahr auch Wallboxen anbieten. Aber auch die etalierten Hersteller von Ladetechnik haben sich inzwischen zu Wort gemeldet – immerhin bringen sie in diesen Wochen eine Reihe neuer Ladestationen auf den Markt und arbeiten daran, die Produktionskapazitäten zu erweitern.

„Private Ladestationen brauchen politischen Rückenwind“

„Die Errichtung von privaten Ladestationen müssen, wie die Elektromobilität insgesamt, politischen Rückenwind erhalten“, sagt etwa Checrallah Kachouh, Co-CEO von Compleo Charging Solutions – das Unternehmen aus Dortmund hat erst im Frühjahr den Wallbox-Hersteller Wallbe übernommen.

„Dass das Zuschussportal der KfW ausgeschöpft war, zeigt doch nur, dass die Bundesregierung mit der Förderung genau richtig lag“, argumentiert Kachouh. „Das Programm führt nicht nur dazu, dass viele Bürger eine Ladestation zuhause installieren. Es führt auch dazu, dass sie sich ernsthaft mit der Anschaffung eines Elektroautos befassen: Wenn jemand zuhause eine Wallbox hat, dauert es wahrscheinlich nicht lange, bis das passende Fahrzeug vor der eigenen Tür steht.” Kachou appelliert an die neue Bundesregierung, das Förderprogramm 440 fortzusetzen: „Nur mit politischem Rückenwind schaffen wir es, dass die Menschen auf klimafreundliche E-Autos umsteigen und wir die Elektromobilität vorantreiben.“ 

Strombezug per Fernsteuerung
Die neue Webasto „Next“ sieht nicht nur schick aus. Die Wallbox verfügt auch über ein Paket von digitalen Verwaltungs- und Steuerungsfunktionen. Nutzer und Verwalter haben darüber von überall Zugriff auf den aktuellen Status der Station, die Ladehistorie und den Energieverbrauch. Foto: Webasto

Ähnliche Töne kommen aus Bayern von Webasto. „Generell sehen wir, dass politische und monetäre Anreize gerade zum Hinführen an neue Technologien eine wichtige Rolle spielen“, sagt eine Unternehmenssprecherin. „Die Nachfrage nach Wallboxen – sei es gefördert oder nicht – erleben wir gerade aber generell als sehr stark. Und damit Ladekonzepte flächendeckend funktionieren, braucht es ein Zusammenspiel aus Politik und Wirtschaft“. Das gelte gerade für neue Technologien wie die Elektromobilität.

600 Euro Unterschied zwischen einfach und förderfähig

Das Förderprogramm kam der Industrie insofern auch entgegen, als der Zuschuss in Höhe von 900 Euro nur bei der Anschaffung und Installation von so genannten „netzdienlichen“ Wallboxen gewährt wurde. Netzbetreiber können darüber Ladeleistungen reduzieren oder den Stromfluss an der Ladesäule komplett kappen, wenn Versorgungsengpässe im Verteilnetz drohen.

Laden eines Elektroautos an einer Ladestation von Webasto Das Geschäft mit Wallboxen zum Laden von Elektroautos boomt dank staatlicher Förderung. Bei Webasto denkt Spartenchefin Anna-Lena Majer schon weiter. An Laderoboter, höhere Ladeleistungen und vollvernetzte Ladepunkte. Laden

Derartige fernsteuerbaren Wallboxen sind allerdings in der Regel deutlich teurer: Die preisgünstige Anlage von Webasto beispielsweise, die Webasto Pure mit einer maximalen Ladeleistung von 11 kW, ist bereits für 599 Euro zu haben – für die neue, intelligente wie förderfähige Webasto Next 11 kW werden wenigstens 999 Euro fällig. Ähnlich sieht es bei anderen Herstellern aus. Die preisgünstigste Wallbox von Heidelberg namens Home Eco gibt es – ohne Aussicht auf Förderung – bereits für unter 500 Euro. Die förderfähige Energy Control mit gleicher Ladeleistung und ähnlichen Features kostet bereits knapp 900 Euro. Bei Mennekes beträgt der Preisunterschied zwischen der einfachen Compact (678 Euro) und der förderfähigen Charge Control (1289 Euro) sogar über 600 Euro.

Vor dem Hintergrund relativiert sich der Zuschuss schnell. Zumal die Kosten für die Montage und Abnahme durch einen Elektriker noch hinzukommen – sowie die höheren Stromkosten durch die von der KfW geforderte Umstellung auf eine Versorgung von Wallbox und Haushalt auf Grünstrom.

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8 Kommentare

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    Ist nichts neues,seit ich vor 10 Jahren PV aufs Dach gemacht habe,hängt so ein blinkendes Teil …Rundsteuerempfänger…. Neben dem Schaltschrank,der kann wohl Strom regulieren,was bisher nicht passiert ist.Wallbox hab ich ohne Förderung,gerade wegen den Regularien ,bis 22 kWh ,da ZOE in der Garage.

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    Schade, daß in dem Artikel nur Wallboxen der oberen Preisklasse erwähnt werden. Es gibt auch Wallboxen die „netzdienlich“ sind, einen eingebauten Leistungszähler haben, und unter 750,- Euro kosten. Ach ja, und förderfähig sind sie auch.
    Beispiel: daheimladen.de

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    Soweit mir bekannt, sind neben der steuerbaren Wallbox auch ein „intelligenter“ Stromzähler erforderlich (der Rollout läuft ja gerade überall). Zusätzlich bedarf es jedoch noch einer Kommunikationsschnittstelle (Zusatzmodul) zwischen Stromzähler und Wallbox. Diese wird besonders in den innerstädtischen Regionen dann kommen, bzw. eingebaut werden müssen, wenn die Netzkapazitäten ausgeschöpft sind und ganze Strassenzüge ihre E-Autos laden wollen. DANN werden auch die örtlichen Netzbetreiber die Wallboxen entsprechend runterpegeln, damit:
    a) alle Wallboxen etwas laden können und
    b) ein Netzzusammenbruch verhindert wird.
    Wenn dann das bidirektionale Laden endlich auch regulatorisch umgesetzt wird (technisch gelingt dies bereits sowohl netzseitig als auch FZ-seitig, z.B. EV6 und Ioniq5), wird ein Schuh draus, denn dann können alle angeschlossenen FZ-Akkus als Pufferspeicher dienen und so das Netz entlasten. Dies vermeidet dann weiteren Netzausbau und weitere Kosten. Übrigens auch darüber hinaus mit Quartiersspeichern usw. Stichwort: DEzentrales Laden und DEzentrale Energieerzeugung – und zwar mit Strom aus Bürgerhand und nicht vom regionalen Monopol (sic.!).

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    Sind die Wallboxen tatsächlich vom Netzbetreiber steuerbar?

    Klar, grundsätzlich haben die steuerbaren Wallboxen dafür Schnittstellen. Können die Netzbetreiber darauf aber zugreifen? Machen das bereits Netzbetreiber?

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    • Franz W. Rother

      Ja, das ist so. Deshalb „netzdienlich“. Ob dies bereits passiert, ist nivht bekannt.

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        Doch, genau das macht der vnb Netze Bw.

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        • Franz W. Rother

          Interessant. Gute Info, danke

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      Die Förderrichtlinie sieht das vor. Es gibt in Deutschland aber m.W. keinen Netzbetreiber der das macht. Dazu fehlt dazu eine einheitliche Schnittstellentechnik. Nach der Haltezeit von einem Jahr ist das auch egal.
      Der Punkt mit den höheren Preisen für die smarten Wallboxen ist natürlich der Förderung geschuldet. Ein entsprechender Controller kostet in der Produktion sicher kaum mehr als 10 Euro.

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