Die Ladekarte des Energieversorgers Maingau war unter Fahrern von Elektroautos einmal schwer angesagt. Jahrelang boten die Hessen die fairsten Stromtarife in Europa. Preise von anfangs 34 Cent pro Kilowattstunde Gleichstrom am Schnelllader trugen ganz wesentlich zur Verbreitung der Elektromobilität in unserem Land bei und sorgten dafür, dass der ehemalige Gasversorgungsverband Obertshausen bundesweit bekannt wurde.

Der Slogan „EinfachStromLaden“ gilt bei Maingau Autostrom zwar immer noch. Und die jüngste Mitteilung aus Obertshausen lässt auf den ersten Blick vermuten, dass es mit Maingau in Zukunft noch einfacher wird, den Akku seines Elektroautos mit Strom zu laden: Wie der Ladesäulenbetreiben und E-Mobility Provider ankündigt, wird er zum 13. August sein europaweites E-Mobilitätsangebot „vereinheitlichen“ und den Ladestrom für E-Autos in Deutschland und Europa künftig zu gleichen Konditionen anbieten.

Man achte auf das Kleingedruckte 
Die Ladestrompreise, die Maingau ab August aufruft, sind europaweit einheitlich, werden aber nach den Betreibern der Ladepunkte und Standorte unterschieden. Klarheit bringt letztlich nur der Blick auf die Tarife, die in der Lade-App angezeigt werden. Grafik: Maingau
Man achte auf das Kleingedruckte
Die Ladestrompreise, die Maingau ab August aufruft, sind europaweit einheitlich, werden aber nach den Betreibern der Ladepunkte und Standorte unterschieden. Klarheit bringt letztlich nur der Blick auf die Tarife, die in der Lade-App angezeigt werden. Grafik: Maingau

Tatsächlich aber wird er mit dem neuen Tarifmodell eher komplizierter – und noch einmal teurer. Im Schnitt um drei Cent pro Kilowattstunde, teilweise aber auch deutlich mehr. Je nachdem, wo der Strom gezapft wird. Und ob der Fahrer des Elektroautos Stammkunde von Maingau ist und einen weiteren Vertrag über die Lieferung von Haushaltsstrom und Gas abgeschlossen hat. Auch ein Mobilfunk- oder Internet-Vertrag mit Maingau bringt Vorteile. Dann nämlich kommt er in den Genuss eines „Vorteilspreises“, der bis zu zehn Cent pro Kilowattstunde Ladestrom günstiger ist als der Ad-hoc zu zahlende „Normalpreis“.

Verwirrung durch fünf Preise in zwei Kategorien

Erst jüngst hatte sich der Automobilclub ADAC über zu hohe Preise vom Ad-hoc-Laden beklagt – und die wachsende Diskrepanz zwischen den Strompreisen mit und ohne Vertragsbindung. Die neue Tarifstruktur von Maingau Autostrom ist da Wasser auf die Mühlen der Verbraucherschützer.

Eine Vereinfachung findet nur insofern statt, als an allen 650.000 Ladepunkten in Deutschland und Europa, auf die Maingau-Kunden Zugriff haben, ab Mitte August ein einheitlicher „Normalpreis“ von 62 Cent/kWh aufgerufen wird – sofern dort Wechselstrom fließt. Früher kostete die Kilowattstunde Wechselstrom in Deutschland 59 Cent, an den Standorten im Ausland 69 Cent. Auch der „Vorteilspreis“ für Europa wurde vereinheitlicht – und von von 49 auf 52 Cent/kWh angehoben. Der Preisabstand von zehn Cent immerhin bleibt.

Einfach und billig Strom laden war gestern 
Preise von anfangs 34 Cent pro Kilowattstunde Gleichstrom am Schnelllader trugen ganz wesentlich zur Verbreitung der Elektromobilität in unserem Land bei und sorgten dafür, dass Maingau bundesweit bekannt wurde.
Einfach und billig Strom laden war gestern
Preise von anfangs 34 Cent pro Kilowattstunde Gleichstrom am Schnelllader trugen ganz wesentlich zur Verbreitung der Elektromobilität in unserem Land bei und sorgten dafür, dass Maingau bundesweit bekannt wurde.

Komplexer wird die Preissituation, wenn ein mit Gleichstrom betriebener Schnelllader angesteuert wird. Denn für den Fall führt Maingau nun drei Tarife ein: Einen „Niedrigpreis“ von 62 Cent/kWh, einen „Standardpreis“ von 72 Cent/kWh sowie einen „Hochpreis“ von 82 Cent/kWh. Bislang waren dort maximal 79 Cent zu entrichten, in Deutschland sogar nur 69 Cent/kWh. Für Vertragskunden ist der „Hochpreis“ identisch, der Standard- und Niedrigpreis wiederum zehn Cent billiger.

Letztlich hilft nur der Blick auf die App

Fällig wird der Hochpreis an den Stationen von Aral, E.On, EnBW, Ewe.Go, von Lichtblick und der Pfalzwerke. In den Genuss des Niedrigpreises kommen Elektromobilisten mit der Ladekarte oder Lade-App von Maingau nur an den Ladepunkten von Autostrom Plus und der Handelskette EDEKA, bei EWE Go HOCHTIEF Ladepartner, Grid & Co. und den Hamburger Energiewerken, bei JET Strom und MVV, den Stationen der Pfalzwerke im Deutschlandnetz sowie den Stationen von Sachsen Energie, TankE und – man staune – bei Ionity. Mer und Allego, die Maingau zu den Hochpreisanbietern zählte, werden nicht mehr extra aufgeführt. Möglicherweise wird an deren Stationen nun der „Standardpreis“ fällig. Um das herauszufinden, bleibt vor dem Start des Ladevorgangs letztlich nur der Blick auf die Lade-App von Maingau.

Wirklich durchsichtig ist das neue Tarifmodell also nicht. Richard Schmitz, der Geschäftsführer von Maingau sieht dies freilich anders: „Durch die Anpassungen profitzieren unsere Kunden von einem attraktiven Preisniveau an allen Ladepunkten und genießen mehr Flexibilität.“ Der Werbeeffekt dürfte gleichwohl nur gering sein.

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2 Kommentare

  1. Rene

    Ok, ich hab nach dem lesen dieses Beitrags gleich mal meine MAINGAU App gelöscht.

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  2. Gerald

    Habe gestern deshalb meinen Hausstromvertrag zu einem anderen Anbieter umgezogen. Kostet etwas weniger und die Maingau-Ladekarte nutzt mir ja künftig eh nichts mehr.
    Maingau hatte vor ein paar Monaten den Preis für den Hausstrom angehoben, damals habe ich nicht gekündigt, weil ich weiterhin den Kundenpreis der Ladekarte nutzen wollte. Das hat sich nun erledigt.

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