Das Explorationsunternehmen Vulcan Energy hat die Baugenehmigung für eine kommerzielle Lithiumgewinnungsanlage in Landau (Rheinland-Pfalz) erhalten. Zusammen mit einem bereits genehmigten Geothermiekraftwerk soll die Finanzierung der ersten Projektphase noch in diesem Jahr erfolgen, wie das Unternehmen in Karlsruhe mitteilte. Die Anlage am Oberrheingraben kombiniert die Gewinnung von Strom und Wärme aus Geothermie sowie die Extraktion von Lithium aus der gleichen Bohrquelle. Es handelt sich laut Vulcan Energy um das größte Projekt dieser Art in Europa. Die Anlage soll den Plänen zufolge 275 Gigawattstunden (GWh) grünen Strom, 560 GWh klimafreundliche Wärme sowie Lithium für rund 500.000 Elektroautos jährlich produzieren. Die voraussichtlichen Investitionen für das Gesamtprojekt beziffert Vulcan Energy auf rund 1,4 Milliarden Euro.

Lithium für die Batterieproduktion

Die Anlage fördert die heiße Sole aus der Tiefe des Oberrheingrabens nach oben. Die Erdwärme der Sole wird laut Vulcan Energy dann zunächst über Wärmetauscher auf einen geschlossenen industriellen Wasserkreislauf übertragen, der sowohl für die regionale Fernwärmeversorgung als auch für die Stromproduktion genutzt wird. Im Anschluss wird das Lithium aus dem Tiefenwasser extrahiert. Die so verwertete Sole fließt danach wieder in die Tiefe des Bohrloches zurück, womit der Kreislauf geschlossen wird. Das in der Anlage entstandene klimaneutrale Lithiumchlorid soll anschließend in einer zentralen Lithiumanlage in Frankfurt-Höchst für die Fertigung von Batteriezellen zu Lithiumhydroxidmonohydrat weiterverarbeitet werden. Darüber hinaus hat Vulcan Energy Abnahmeverträge mit weiteren Partnern, darunter dem Rohstoffkonzern Glencore, abgeschlossen.

Lithiumgewinnung in Chile
In der chilenischen Salzwüste Salar di Atacama wird Sole aus dem Boden gepumpt und in Extraktionsbecken geleitet, um durch Verdunstung Kalium, Natrium, Magnesium und Lithiumchlorid zu gewinnen, aus dem nach Reinigung und Trocknung in einer Raffinerie Lithiumcarbonat oder das noch hochwertigere Lithiumhydroxid wird. Foto: SQM
Lithiumgewinnung in Chile
In der chilenischen Salzwüste Salar di Atacama wird Sole aus dem Boden gepumpt und in Extraktionsbecken geleitet, um durch Verdunstung Kalium, Natrium, Magnesium und Lithiumchlorid zu gewinnen, aus dem nach Reinigung und Trocknung in einer Raffinerie Lithiumcarbonat oder das noch hochwertigere Lithiumhydroxid wird. Foto: SQM

Das Leichtmetall Lithium gilt als wichtiger Grundrohstoff für die Energiewende. Bislang ist die deutsche Industrie noch weitgehend abhängig von den langen Transportwegen des Rohstoffes aus Südamerika, Australien und China. Erkundungen hatten in der Vergangenheit ergeben, dass im deutschen Tiefenwasser ausreichend Lithium vorhanden ist, um den heimischen Bedarf zu decken. Ein aussichtsreicher Standort ist dabei der pfälzische Oberrheingraben, wo die Tiefensole besonders reich an Lithium ist.

Lithiumförderung auch in Sachsen-Anhalt geplant

Das Fraunhofer-Institut für Energieinfrastruktur und Geotechnologie IEG hat aber auch große Reserven in Norddeutschland entdeckt. Dort sei oftmals durch bereits bestehende Bohrlöcher von der Erdgasindustrie der Zugang zum lithiumhaltigen Tiefenwasser einfach zu erschließen.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Mit Neptune Energy versucht sich noch ein weiteres Unternehmen an der kommerziellen Lithiumgewinnung. Die Tochter des italienischen Eni-Konzerns hat erst kürzlich im Norden Sachsen-Anhalts nach eigenen Angaben ein Lithiumvorkommen im Umfang von 43 Millionen Tonnen entdeckt. In der Region Altmark verfügt das Unternehmen über Aufsuchungs- und Explorationslizenzen.

(Quelle: energate)

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