So sieht heute noch der Alltag in den meisten Speditionen aus: In den frühen Morgenstunden kommt als erster der Disponent ins Büro, um Routen, Fahrer und Fahrzeuge für den Tag zu planen. Mittel der Wahl sind meist Excel-Tabellen, manchmal gar noch Magnettafeln, auf denen er die Namen der unterschiedlichen Akteure hin- und herschiebt. Eine analoge Steinzeit ist das, die viel Zeit, Geld und Ressourcen kostet.

Das Münchener Start-up Smartlane will die Transportbranche endlich aus dieser der Welt von gestern herausholen. Schließlich beanspruchen Lkw und Transporter immer mehr Platz auf den Straßen, ohne ihre Beteiligung gibt es keine Verkehrswende. Mit der Software des Münchener Unternehmens ist der Tagesablauf einer Spedition innerhalb von Minuten geplant. Das verlängert nicht nur die Nacht der Disponenten.

Keine Digitalisierung ohne Hoody
Die drei Gründer des Start-ups Smartlane Mathias Baur, Monja Mühling und Florian Schimandl (v.l.n.r.) haben sich an der TU München kennengelernt. Sie wollen mit smarter Software die Arbeit von Disponenten in den Speditionen erleichtern.
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Fällt der Fahrer aus, plant die Software automatisch um

Auch die Unternehmer dürften beruhigter schlafen. Denn ein Computer kann Routen und Einsatzzeiten viel besser und genauer berechnen als sein menschliches Pendant. „Wir bringen den Firmen eine optimale Auslastung“, sagt der 38-jährige Gründer Florian Schimandl. Das nützt auch der Umwelt. Er erzählt von einem Kunden, der seine Flotte heute mit Hilfe der schlauen Programme um ein Drittel effizienter einsetzen könne. Statt 24 benötige er deshalb nur noch 17 Fahrzeuge für dasselbe Auftragsvolumen.

Je größer eine Transportfirma ist, desto sinnvoller sind automatisierte Lösungen wie die von Smartlane. 5000 Aufträge für einen Tag auf 120 Fahrer zu verteilen – das ist logistische Schwerstarbeit, an der bislang eine ganze Abteilung tüfteln musste. Geht dann während des Tages etwas schief, müssen die Disponenten langwierig umplanen. Kranke Chauffeure, Verspätungen wegen Stau, Fahrzeugpannen: Solche Störungen bewältigt dagegen ein Computer blitzschnell. Und er passt dann auch gleich die Ankunftszeit für den Kunden an. Meist geht es dabei um lange Berechnungen, und da sind Maschinen dem Menschen eindeutig überlegen.

„Disponent ist ein stressiger Job. Auch deshalb herrscht Mangel an diesen Leuten“, weiß Schimandl. Er stellt deshalb „ein Rieseninteresse an Optimierungen“ in den Speditionen fest. Deren Prozesse werden auch deshalb besser, weil Analysen von Verkehrsmeldungen oder den Zustand der Fahrzeuge in Echtzeit in die Software einfließen.

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Ob Lasten-Bike oder Lkw spielt keine Rolle

Die Informatiker Schimandl und Mathias Baur haben gemeinsam mit der Betriebswirtin Monja Mühling Smartlane 2015 an der TU München gegründet. Dort hatten sich die drei bislang mit Verkehrsforschung beschäftigt. Heute zählen zu den Kunden des Start-ups kleine Kurierdienste ebenso wie der Handelsriese Metro. Die Planungs-Software kann vom gewaltigen Lkw bis zum Lastenrad jede Art von Fahrzeug disponieren. In Berlin und Hamburg sind derzeit Cargo-Bikes der Bahn in einem Testprojekt unterwegs. Auf ihnen fahren freie Kuriere Waren von Mikro-Hubs aus. Welche Route sie ansteuern, wann sie gemäß Kundenwunsch liefern, wer welches Viertel übernimmt: Das legt die Software von Smartlane fest.

Für die Zukunft könnten die aktuellen Berechnungen nur eine Vorübung sein. Denn autonome Fahrzeuge werden im Transportgewerbe besonders schnell kommen. Und Stadtlieferwagen, die sich selbständig bewegen, benötigen ein digitalisierte Routenplanung. Da sieht Schimandl dann besondere Vorteile für seine Firma: „Die Integration unserer heutigen Systeme in autonome Flotten ist sehr einfach.“ Anders als die Umstellung von der Magnettafel auf die Transporter der Zukunft.

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