Am 12. September treffen sich in Brüssel Vertretern der Autoindustrie und von Nicht-Regierungsorganisation wie Transport and Enviroment (T&E) mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu einem „Strategiedialog„. Konkret geht es um das für 2035 geplante Verkaufsverbot für Autos und leichte Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren – und mögliche Lockerungen oder aufschiebende Maßnahmen. Christian Hahn, CEO der Lade-Plattform Hubject, warnte jedoch davor, das sogenannte „Verbrennerverbot“ aufzuweichen oder gar aufzuheben. „Wir brauchen endlich Klarheit. Die Verunsicherung über den künftigen Kurs in den nächsten zehn Jahren muss weg“, sagte er im Gespräch mit EDISON. Nur dann könne sich die Elektromobilität in Europa im nötigen Tempo durchsetzen.

„Europa steht am Wendepunkt“

Hubject versammelt aktuell in Berlin auf der „Intercharge Network Conference“ (INC) die wichtigsten Akteure der Elektromobilitäts-Branche sowie Vordenker der Mobilitäts- und Antriebswende in Berlin. Die Konferenz hat auch bereits ein Manifest zu dem Thema verabschiedet, in dem sie die EU mahnt, bei dem vor zwei Jahren getroffenen Beschluss zu bleiben. „Europa steht an einem Wendepunkt: Entweder sichern wir uns bis 2035 die Führungsposition im Bereich der sauberen Mobilität oder wir überlassen den Markt für Elektrofahrzeuge, der nur noch wachsen kann, der Konkurrenz.“

Christian Hahn
Der Wirtschaftsingenieur leitet seit 2015 das anbieterübergreifende Ladenetzwerk Hubject, das über die eRoaming-Plattform Intercharge Ladeinfrastrukturbetreiber und E-Mobilitäts-Dienstleister vernetzt und so Zugänge zu einer Million Ladepunkten für Elektroautos in über 70 Ländern weltweit ermöglicht. Vor seiner Zeit bei Hubject war Hahn für ThyssenKrupp und Daimler tätig.

Auch Gastgeber Hahn warnt vor faulen Kompromissen: „Realistisch muss ich sagen, es wird leider dazu kommen, dass die Ziele diskutiert werden. Aber es führt nicht zu einem besseren Ergebnis, sondern erhöht das Risiko, dass es in wenigen Jahrzehnten keine europäische OEM-Industrie mehr gibt.“

Zwar sehe auch er, dass manche Hersteller auf Plug-in-Hybride, Range-Extender oder E-Fuels hoffen. Doch für Hahn sind das nur teure Umwege: „E-Fuels machen keinen Sinn. Sie sind ineffizient, teuer und in den benötigten Mengen gar nicht verfügbar.“ Investitionen müssten daher konsequent in die batterieelektrische Mobilität fließen: „Die Pionierzeit ist vorbei. Seit 2013 fahre ich elektrisch, und es funktioniert immer besser.“

Hubject als Strippenzieher im Hintergrund

Hubject versteht sich als neutraler Vermittler im Hintergrund der Elektromobilität. Das 2012 gegründete Unternehmen mit Sitz in Berlin – Gesellschafter sind die BMW Group, Bosch, Daimler, EnBW, innogy, Siemens und die Volkswagen Group – betreibt die weltweit größte B2B-Plattform für Ladeinfrastruktur, über die aktuell mehr als 2.000 Partner – von Energiekonzernen über Automobilhersteller bis hin zu Stadtwerken – vernetzt sind. Kern des Geschäfts ist das sogenannte „Roaming“: Elektroautofahrer können über die Verträge ihres jeweiligen Mobilitätsanbieters an Hunderttausenden Ladepunkten in Europa und darüber hinaus Strom tanken, ohne überall neue Kundenkonten anlegen zu müssen.

„Wir sind die Kollaborationsplattform im Hintergrund, die verschiedene Player zusammenbringt“, beschreibt CEO Hahn die Rolle von Hubject. Das Ziel sei es, das Laden einfacher, zuverlässiger und transparenter zu machen – und so den Durchbruch der Elektromobilität im Massenmarkt zu beschleunigen.

Laden muss einfacher – und günstiger werden

Bei der Ladeinfrastruktur erkennt der Hubject-Chef Fortschritte, sieht aber weiter Nachholbedarf. „Es gibt heute mehr als 175.000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland, dazu ein Vielfaches an privaten. Aber Laden ist für viele Kunden immer noch zu kompliziert“, so Hahn. Drei Dinge müssten dringend besser werden: Benutzerfreundlichkeit, Preistransparenz und Zuverlässigkeit.

Kritisch sieht er vor allem den „Tarifdschungel“: „Teilweise zahlen Kunden über einen Euro pro Kilowattstunde. Das hat mit fairen Preisen nichts mehr zu tun.“ Hier sei die Politik gefragt – ähnlich wie einst beim Mobilfunk-Roaming. Hahn fordert ein europaweites „Right to Plug“: Jeder müsse überall laden können, ohne Preisdiskriminierung.

Plug & Charge und Netzintegration

Als Hoffnungsträger sieht Hahn die automatische Abrechnung „Plug & Charge“, die bereits von Millionen Fahrzeugen unterstützt wird. Sie könne das Laden komfortabler machen, sofern Zuverlässigkeit und Preistransparenz gesichert seien. Zudem müssten Elektroautos künftig stärker ins Stromnetz integriert werden: „Die Speicher der Fahrzeuge können helfen, erneuerbare Energien zu stabilisieren. Aber dafür brauchen wir einheitliche Regeln.“

Klare Leitplanken statt politischem Zickzack

Für Hahn steht fest: Ohne eindeutige Zielvorgaben verlieren Industrie und Investoren das Vertrauen. „Die Diskussion über das Ob der Elektromobilität ist längst überholt. Entscheidend ist, wie schnell wir sie umsetzen. Wenn Europa jetzt zaudert, werden Lösungen in China entwickelt – und wir müssen sie später nur übernehmen.“

Hahns Appell an die Politik: „Es geht nicht um kleinliche Regulierung, sondern um den Rahmen. Wir brauchen verlässliche Leitplanken – und zwar über Legislaturperioden hinaus.“

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