In der EU zeichnen sich derzeit keine Mehrheiten für eine noch stärkere Aufweichung des sogenannten Verbrennerverbots ab 2035 ab. Nicht nur im Europaparlament, auch innerhalb der 27 Mitgliedstaaten gibt es Widerstand gegen die Pläne Deutschlands und Italiens, möglichst große Ausnahmen für Verbrennerfahrzeuge zuzulassen. Zuletzt warnten sieben EU-Staaten vor einem „strategischen Fehler“, die Elektrifizierung auszubremsen.

Einem Bericht der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge riefen die Länder Frankreich, Spanien, Portugal, Dänemark, die Niederlande, Luxemburg und Schweden in einem gemeinsamen Schreiben dazu auf, an „einem klaren und ehrgeizigen Kurs in Richtung Elektrifizierung“ festzuhalten. Es wäre ein strategischer Fehler, „die Integrität und Vorhersehbarkeit“ der EU-Vorschriften zur Senkung der CO2-Emissionen im Automobilsektor zu untergraben. Das Schreiben soll auf die Initiative der französischen Umweltministerin Monique Barbut zurückgehen.

Sperrminorität im Ministerrat

Von den sieben Ländern verfügen Frankreich, Spanien, Portugal und Schweden selbst über eine Automobilproduktion. Zuletzt kündigte VW an, die Produktion der kompakten Elektroautos in Spanien und Portugal zu konzentrieren. Die sieben Länder zusammen verfügen im EU-Ministerrat aufgrund ihrer Einwohnerzahl zudem über eine Sperrminorität und könnten daher die deutschen Pläne blockieren.

In dem Schreiben heißt es demnach unter Verweis auf die Auswirkungen des Irankrieges: „Die aktuelle Energiekrise zeigt deutlich, dass es absolut notwendig ist, die Abhängigkeit Europas von fossilen Brennstoffen zu verringern. Die Elektrifizierung ist nicht nur ein klimapolitisches Ziel, sondern auch für unsere Energiesicherheit notwendig.“

E-Fuels nicht für Pkw nutzen

Mit Blick auf die von Deutschland und Italien geforderte Nutzung von Biokraftstoffen wird auf die damit verbundenen „Unsicherheiten“ verwiesen. Diese Treibstoffe sollten vorrangig im Luftverkehr und der Schifffahrt zum Einsatz kommen, wo die Elektrifizierung nur eine begrenzte Rolle spielen könne.

Doch nicht nur die Mitgliedstaaten, auch das Europaparlament müsste einer Aufweichung der Verbrennerverbots zustimmen. Dort zeichnet sich einem Bericht der Automobilwoche (Paywall) zufolge aktuell keine Einigung unter den Fraktionen ab.

Einigung vor französischen Wahlen geplant

„Zum Ende des ersten Quartals 2027 muss das alles in trockenen Tüchern sein“, sagte der EVP-Abgeordnete Jens Gieseke (CDU) der Zeitung. Der Grünen-Abgeordnete Michael Bloss erläuterte: „Ziel ist, vor den französischen Präsidentschaftswahlen im Mai 2027 fertig zu sein.“ Es wird demnach befürchtet, dass populistische Parteien mit dem Thema im Wahlkampf Stimmung machen könnten.

Die Pläne der EU-Kommission sehen vor, dass von 2035 an statt der bisher vorgesehenen vollständigen Emissionsfreiheit eine Reduktion von 90 Prozent ausreichen soll. Die verbleibenden zehn Prozent an Emissionen müssen jedoch durch die Verwendung von CO2-armem Stahl aus der EU oder durch synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) sowie Biokraftstoffe kompensiert werden.

EVP zieht rote Linien

Darüber hinaus plant die Kommission, die CO2-Flottenvorgaben für 2030 zu ändern. Statt jährlicher Zielvorgaben sollen Autohersteller ihre Emissionen künftig über den Zeitraum von 2030 bis 2032 ausgleichen können, was als „Banking & Borrowing“ bezeichnet wird.

Die konservative EVP will das Verbrenner-Aus 2035 jedoch noch viel weiter aufweichen. EVP-Mann Gieseke sagte der Automobilwoche: „Die rote Linie für uns lautet: keine Quotenvorgaben aus Brüssel für Unternehmensflotten und echte 90 Prozent beim CO2-Ausstoß.“ Die EVP wolle zudem eine neue Klasse klimaneutraler Kraftstoffe schaffen. Die sozialdemokratische S&D-Fraktion im Europaparlament legte dem Bericht zufolge hingegen einen Entwurf zu Unternehmensflotten vor, der noch härtere nationale Quoten für die Elektrifizierung vorschlage und die bisherige Dienstwagenbesteuerung in Deutschland infrage stelle.

Bundesregierung auf verlorenem Posten

Die Bundesregierung liegt eher auf der Linie der EVP-Fraktion und will die europäischen Klimaschutzvorgaben im Verkehr weitgehend zu Fall bringen. Die Regierung lehnt auch die für 2027 vorgesehene Verschärfung bei den CO2-Werten der hybriden Fahrzeuge ab. Diese Verschärfung soll die Tatsache widerspiegeln, dass sich die CO2-Emissionen von Plug-in-Hybriden in der Praxis kaum von denen reiner Verbrennerfahrzeuge unterscheiden.

Allerdings zeigte die Zulassungsstatistik für Mai 2026, dass inzwischen chinesische Hersteller bei dieser Antriebsart stark vertreten sind. So konnte BYD 4.290 Plug-in-Hybride verkaufen und war damit nach eigenen Angaben Marktführer in diesem Segment in Deutschland. Im April 2026 lag noch VW mit 4.618 Fahrzeugen vorn, während BYD nur auf 2.830 Neuzulassungen kam.

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