Das Wasser draußen im Swimmingpool mitten im Garten ist angenehm warm: 25,8 Grad – das zeigt drinnen im Technikraum des Hauses die Digitalanzeige an. Es ist Frühsommer, aber die Sonneneinstrahlung trägt dazu nur einen gewissen Teil bei. „Die gleiche Temperatur haben wir auch im Winter“, erklärt Hausbesitzer Kolja Rebstock. Und bevor sich der Besucher wundert, liefert der 52-jährige Ingenieur auch gleich die Erklärung für die auf den ersten Blick große Energieverschwendung: „Die Abwärme unserer Brennstoffzelle reicht nicht nur zum Heizen des Hauses, sondern auch zum Wärmen des Poolwassers.“ Elektrischen Strom liefert die schicke kleine Anlage im Keller des Hauses gleich mit: über 6.000 Kilowattstunden im Jahr. Deutlich mehr, als eine fünfköpfige Familie auf etwa 240 Quadratmetern Wohnfläche im Jahr an Energie benötigt.

Viel Grips, Zeit und natürlich auch Geld hat Rebstock in den Umbau und die energetische Sanierung seines 63 Jahre alten Hauses investiert, das er vor bald 15 Jahren gekauft hat. In reichlich desolatem Zustand, wie er andeutet: „Der Garten war stark verwildert.“ Und das Haus war mit einer Ölheizung, einfach verglasten Fenstern und einer Fassade ohne viel Wärmedämmung natürlich nicht mehr auf dem Stand der Technik. Für den langjährigen Daimler-Manager, ehemaligen Erprobungschef von Mitsubishi Motors und Leiter des Nutzfahrzeuggeschäfts von Daimler in Australien, wurde es nach der Rückkehr aus „Down Under“ ein „hausinternes Forschungsprojekt“ mit Vorzeigecharakter. Und dessen Ende ist noch lange nicht absehbar.

„Mit der Abwärme unserer Brennstoffzelle wärmen wir auch noch das Poolwasser.“

Rebstocks Haus ist inzwischen umgebaut und prächtig herausgeputzt. Ein Mansarddach wurde aufgesetzt und mit Schiefer gedeckt. Neue Fenster wurden eingebaut, die Fassade isoliert, Wände versetzt und ein kleiner Anbau in den Hang gebaut. Auch den Garten ließ Rebstock unter Wahrung des alten Baumbestandes neu herrichten und verwandelte ihn damit in ein Paradies – mit Schwimmbecken („Ich bin ein Wassermensch.“), aber auch mit mehreren kleinen Terrassen, von denen man aus herrliche Blicke auf den Kirchturm im Tal hat.

Die meiste Energie aber floss ohne Zweifel in die Haustechnik. Viele Abende brütete Kolja Rebstock über einen Ersatz für die Ölheizung und die Frage, wie man das Haus ebenso klimaverträglich wie effizient mit Wärme und Energie versorgen könnte. „Es muss doch etwas Pfiffigeres geben als einen Gas-Brennwertkessel etwas, das auch ingenieurtechnisch interessant ist“, dachte er damals und stellte seinen Architekten und Heizungsbauer vor eine Herausforderung.

Nicht nur schön anzusehen, sondern auch schön smart
Das Alter von 63 Jahren sieht man dem Haus nicht an. Es wurde mit großem Aufwand von Grund auf erneuert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Foto: Alok Paleri

Die erste Idee war der Einbau eines Blockheizkraftwerks, also eine Kraft-Wärme-Kopplung. Aber die Vorstellung, dass im Keller ein kleiner Einzylinder-Verbrennungsmotor vernehmlich „nageln“ würde, behagte dem Automanager ebenso wenig wie seiner Frau. Am Ende wurde es ein Brennstoffzellen-System.

Schon als Doktorand bei Dornier hatte sich Rebstock mit der Technik und keramischen Membranen auseinandergesetzt. Bei Niedertemperaturzellen, wie sie auch im Brennstoffzellenauto eingesetzt werden, wird Wasserstoff zur Stromerzeugung genutzt Das explosive Gas wollte der Ingenieur aber nicht im Haus haben. Eine oxidkeramische Brennstoffzelle (SOFC), die aus Erdgas ein Synthesegas aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Rest-Methan gewinnt und damit Strom erzeugt, war ihm deutlich lieber: Die entstehende Wärme wird genutzt, um Räume und das Wasser in den Leitungen und im Pool zu erwärmen. Rebstock: „Das war es.“

Es muss doch etwas Pfiffigeres geben als einen Brennwertkessel.“

Das Hochtemperatur-System „Galileo“ des Schweizer Herstellers Hexis, der vorübergehend zur Viessmann-Gruppe gehörte und inzwischen beim Dresdner Brennstoffzellen-Spezialisten mPower gelandet ist, arbeitete vom ersten Tag an problemlos. Und es lieferte weit mehr Strom, als die Familie verbrauchen konnte. Damit ging das „hausinterne Forschungsprojekt“ in die nächste Entwicklungsstufe: die Erweiterung der Hausanlage um einen mobilen Stromspeicher und die Einbindung eines Elektroautos.

Technisches Wunderwerk im Keller
Das Brennstoffzellengerät „Galileo“ des schweizer Herstellers Hexis gewinnt Wasserstoff mit Hilfe von Erdgas und produziert damit Wärme und Strom, leise und effizient. Hausbesitzer Kolja Rebstock ist mehr als zufrieden. Foto: Alok Paleri

Es traf sich gut, dass Rebstock zwischenzeitlich die Geschäftsführung von Mitsubishi Motors Deutschland übernommen hatte. Einer der Bestseller des Autoherstellers ist der SUV Outlander. Und der kann als Plug-in-Hybrid nicht nur an einer Wallbox Strom laden. Bei Bedarf kann er auch den in seiner Batterie gespeicherten Strom zurück ins Hausnetz einspeisen. „Das Auto wird so zum mobilen Pufferspeicher“, erklärt Rebstock.

Zwei Antriebe wollen intelligent koordiniert sein, wenn das Auto sparsam und umweltverträglich unterwegs sein soll. Mitsubishi ist das sehr gut gelungen. Lehren aus einer faszinierenden Testfahrt, bei der nur die Fahrzeuggröße störte. Elektroauto

Im erdbebengeplagten Japan sind Elektroautos längst Teil eines dezentralen Stromversorgungskonzepts. Im Katastrophenfall sorgen sie dafür, dass in den Häusern nicht das Licht ausgeht. Der Mitsubishi-Mutterkonzern hat daraus das Geschäftsmodell Dendo House entwickelt und verkauft den Outlander PHEV im Paket mit Fotovoltaik-Anlage, Wallbox und Heimspeicher. In Deutschland wird seit langem schon über „Vehicle-to-Grid“ (V2G)-Lösungen debattiert. Aber aufgrund der Sorge der Energieunternehmen vor Schieflasten im Netz blieb es bislang nur bei Pilotprojekten.

Strom kann in beide Richtungen fließen

Ein Grund ist auch die Ladetechnik: Beim europäischen Ladestandard CCS ist das Laden in zwei Richtungen derzeit nicht möglich. Nur der asiatische CHAdeMO-Standard ist dazu in der Lage. Damit ist der Outlander PHEV prädestiniert für „Vehicle-to-Home“-Lösungen – und macht das Haus des Mitsubishi-Geschäftsführers zum Teil eines Feldversuchs, der gerade in Baden-Württemberg läuft. Unter dem Stichwort „Smart2Charge“ erforscht die Hochschule für Technik aus Stuttgart in Wüstenrot bei Heilbronn E-Mobilitätslösungen für den ländlichen Raum und will – mit sieben Plug-in-Hybridautos von Mitsubishi – herausfinden, wie das bi-direktionale Laden helfen kann, Energie zu sparen.

Nicht nur schick, sondern auch ganz schlau
Die „Quasar“ genannte Wallbox, die ehemalige Tesla-Ingenieure aus Spanien entwickelt haben, ist die bislang einzige ihrer Art, die ein bi-direktionales Laden erlaubt: Aus dem Hausnetz zum Auto – und wieder zurück. Foto: Alok Paleri.

Dazu beitragen soll eine neue smarte Wallbox, die ehemalige Tesla-Ingenieure aus Spanien entwickelt haben – unter Mitwirkung und auf Betreiben von Mitsubishi Motors Deutschland. Sie kann über eine CHAdeMO-Schnittstelle Strom in beide Richtungen laden. Freigeschaltet wird sie per Gesichtserkennung, gesteuert digital über das Mitsubishi Energy System. Und cool sieht die „Quasar“ genannte Box obendrein aus.
Es versteht sich von selbst, dass eines der ersten Exemplare in Rebstocks Haus montiert wird: Das „hausinterne Forschungsprojekt“ geht in die nächste Phase.

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