Beton ist sehr durstig: Das Baumaterial verschlingt weltweit gut ein Zehntel des industriellen Wasserverbrauchs. Die Herstellung des Zements, eines der wichtigsten Ausgangsstoffe des Materials, ist äußerst energiehungrig. „Daher haben wir größere Emissionen, auch wenn die Industrie seit Jahren versucht, diese zu senken“, weiß Angelika Mettke. Und selbst der Sand, aus dem die Bauarbeiter den Beton anrühren, wird in manchen Regionen knapp. Sechs bis neun Prozent aller CO2-Emissionen weltweit verursacht die Betonherstellung.

Mettke, Professorin an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus­-Senftenberg, sucht daher nach Verfahren, Beton nach Abriss eines Gebäudes wiederzuverwenden – und das bereits ihre gesamte akademische Karriere. „In der DDR hatten wir eine Mangelwirtschaft und rissen Bauteile, die in der Braunkohleindustrie verwendet wurden, bereits nach zehn bis zwölf Jahren wieder ab“, was die Cottbuserin ärgerte. Und heute ist Beton noch immer das am häufigste verwandte von Menschenhand geschaffene Material. Würde es systematisch wiederverwertet, ließen sich Ressourcen- und Energieverbrauch massiv senken.

Die promovierte Ingenieurin Mettke konnte dies in einer Untersuchung zum Bau eines Laborgebäudes der Humboldt-Universität in Berlin zeigen. Dort sank der Kohlendioxidausstoß pro Kubikmeter Beton um gut ein Kilogramm, wenn ihm Recycling-Material beigemischt war. Insgesamt ließen sich pro Jahr in der Hauptstadt rund 100.000 Kubikmeter frischer Beton ersetzen, so die Studie.

„Beton auf bemerkswerte Weise umweltverträglicher gemacht“
Angelika Mettke, Professorin für Bauliches Recycling an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.
Foto: DBU / Rainer Weisflog

Mietskasernen zu Vereinsheimen

Die Verfahren zur Wiederverwendung sind mittlerweile so ausgereift, dass etwa in Würzburg die Stadt ihr vergangenes Jahr eröffnete Umweltinformationszentrum komplett aus Recycling-Beton hat errichten lassen (siehe Bild oben).

Es ist das erste öffentliche Gebäude dieser Art in ganz Bayern, bei dem zudem Teile der Fassade aus Sichtbeton bestehen, der optisch möglichst makelos wirken soll. Professorin Mettke begleitete den Bau wissenschaftlich, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte ihn finanziell. Positiver Nebeneffekt: Stammt das wiederverwertete Material aus der Nähe, entfallen lange Transportwege, was Kraftstoff spart und damit zusätzlich Emissionen verringert.

Bei dem Bau in Bayern wurde alter Beton zermahlen und dem neuen beigemischt. Dieser Schritt lässt sich sparen, wenn komplette alte Bauteile wiederverwandt werden. Auch dieses Verfahren hat Angelika Mettke vorantrieben – mit Teilen aus alten Plattenbauten der DDR. Mit denen wollte das Land seinen Gebäudebau rationalisieren, um schneller neuen Wohnraum schaffen zu können. Nach der Wende rissen die Kommunen in den neuen Bundesländern die als wenig attraktiv geltenden Bauten massenweise ab, weil sie nicht mehr vermietbar waren. Die Idee der Forscherin: „Bauen wir aus der alten ´WBS 70´, kurz für ´Wohnungsbauserie 70´ doch neue Vereins- und Sportlerheime.“ Denn eigentlich besitzt Spannbeton, bei dem Stahl im Inneren der Platten die Belastbarkeit verbessert, „sehr gute Eigenschaften für das Bauteilrecycling, auch wenn es noch nicht sehr verbreitet ist“, so Mettke.

Mittlerweile sind so 30 Bauprojekte entstanden, neben Vereinsheimen auch Reihenhäuser. „Das war ideal, klimafreundlicher geht es nicht. Dieser Weg stellt die beste Lösung dar, denn Umwelt und Ressourcen werden so geschont“, sagt die Expertin. Zwar ist die Demontage der Platten teurer als ein Gebäude einfach abzureißen. Dafür zahlt sich der Einsatz der alten Teile beim Neubau wieder aus.

Auch für Mettke lohnte das Engagement: 2016 erhielt sie gemeinsam mit dem Unternehmer Walter Feeß den Deutschen Umweltpreis. Die Begründung der Jury: „Sie haben Beton, den Baustoff des 20. Jahrhunderts, auf bemerkenswerte Weise umweltverträglicher gemacht.“

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