1,6 Milliarden Dollar verdiente Tesla 2020. Nicht mit dem Verkauf von Elektroautos, sondern durch den Verkauf von CO2-Zertifikanten – unter anderem an den Volkswagen-Konzern, der so seine Klimabilanz aufhübschte.

So viel Geld können Besitzer von Elektroautos nicht hinzuverdienen. Aber auch sie können seit dem Jahreswechsel am Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten partizipieren – indem sie nicht realisierte Treibhausgas (THG)-Emissionen über einen Vermittler und über das Bundesministerium für Umwelt (BMU) an Mineralölgesellschaften verkaufen.

Gesetzliche Grundlage für den so genannten THG-Quotenhandel ist das Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote, das im Mai 2021 vom Bundesrat beschlossen wurde und das zum 1. Januar in Kraft trat. Es verpflichtet die Kraftstoffanbieter dazu, die CO2-Emissionen durch Otto- und Dieselkraftstoffe bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent zu senken – etwa durch die Umstellung von Raffinerien auf eine Produktion von Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen. Oder eben durch den Erwerb von Emissionsrechten.

Shell Recharge
Mineralölindustrie unter Handlungsdruck
Der Gesetzgeber schreibt Shell & Co. inzwischen vor, wie viele Tonnen Treibhausgas sie emittieren dürfen. Um Strafzahlungen zu vermeiden, können die Mineralölgesellschaften den Verkauf von Benzin und Diesel reduzieren und auf Strom umsteigen. Oder indem sie Verschmutzungsrechte erwerben – etwa von Fahrern von Elektroautos. Foto: Shell Recharge

Seit Jahresanfang dürfen auch Besitzer von Batterieautos – Plug-in-Hybride und Erdgasautos sind ausdrücklich ausgeschlossen – an diesem THG-Handel teilnehmen. Bis zu 430 Euro pro Jahr und Elektroauto lassen sich damit aktuell erwirtschaften, in den kommenden Jahren möglicherweise noch mehr. Die steigenden Ladestrom-Preise lassen sich auf diese Weise zumindest zum Teil kompensieren.

Wie funktioniert der THG-Quotenhandel?

Relativ einfach – über einen Vermittler. Diese kaufen den Fahrern von Elektroautos die THG-Quoten ab, bündeln sie und verkaufen sie dann „en bloc“ an Aral, Shell & Co. Denn das Recht zum Handel hat der Gesetzgeber an eine Mindestanzahl an Zertifikate geknüpft. Das erspart den Mineralölgesellschaften zigtausende von Vertragsverhandlungen mit Kleinstanbietern – und erspart auf der anderen Seite auch den Elektromobilisten viel bürokratischen Aufwand.

Shell-Tankstelle Wer an einer der Stationen des Energie-Riesen Benzin oder Diesel tankt, kann ab April seinen Ausstoß an Treibhaus-Gasen gegen Aufpreis durch Aufforstungen ausgleichen lassen. Und zu den Themen Laden, Wasserstoff und alternative Kraftstoffe hat der neue Deutschland-Chef auch seine Pläne vorgestellt. Klima

Diese müssen sich lediglich im Internet bei einem der inzwischen recht zahlreichen Vermittler registrieren und dort einen Scan ihres Fahrzeugscheins sowie eine Kontoverbindung hinterlegen. Der Betreiber der Plattform kümmert sich um alles weitere – und behält dafür einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf der THG-Quote als Provision ein. Dieser private Handel mit Zertifikaten ist zunächst bis 2030 geplant. Auch die Besitzer von privaten Ladestationen und Photovoltaik-Anlagen sollen künftig davon profizieren.

Wie hoch ist die Zahlung?

Ausgezahlt werden die ersten Beträge schon im Februar – wenn der endgültige Preis für ein THG-Zertifikat nach Abschluss des Quotenhandels ermittelt ist. Basis der Berechnung ist unter anderem der durchschnittliche jährliche Stromverbrauch eines Elektroautos. Für 2022 hat das Bundesumweltministerium hier eine Pauschale von 2.000 Kilowattstunden festgesetzt. Dieser Wert wird nach einer komplizierten Formel in Relation zu den CO2-Emissionen aus dem Verkauf fossiler Kraftstoffe sowie zu den geplanten Klimaeffekten gesetzt. Daraus sowie aufgrund von Angebot und Nachfrage errechnet sich dann wiederum der Wert einer THG-Quote pro Elektroauto – und die Zahlung an den Fahrzeugbesitzer.

Je nach Fahrzeugklasse und Vermittler können die Zahlungen durchaus unterschiedlich ausfallen – es lohnt sich also, die Angebote der zahlreichen Plattformen zu studieren, die in den vergangenen Monaten rund um den THG-Quotenhandel entstanden sind. Einige offerieren Fixpreise, andere setzen auf steigende Quotenpreise und bieten flexible Auszahlungen an. Manche Dienstleister bieten auch an, die Prämie in CO2-Kompensationsprojekte zu reinvestieren oder zahlen sie in Form von Guthaben bei Ladestrom-Anbietern an.

Muss ich die Einnahme versteuern?

Ja. Privatpersonen wird der THG-Erlös als Prämie steuerlich gemäß § 22 (3) EStG angesetzt. Diese unterliegt einer jährlichen Freigrenze von 255€. Über diese Freigrenze hinaus muss die Prämie in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Unternehmer müssen die Prämienerlöse aus der THG-Quote als Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb deklarieren – die Feinheiten klärt der Steuerberater.

Wo finde ich einen Vermittler?

Hier eine kleine – unvollständige, aber ständig aktualisierte – Übersicht der Anbieter und ihrer Angebote.

Artikel teilen

8 Kommentare

  1. Stacy

    Die Liste ist sehr unvollständig, da schießen aktuell Startups ohne Ende aus dem Boden.
    Hatte da mal einen Tag in die Recherche gesteckt.
    Wir haben unser Auto schließlich bei eAutoCash (eauto-cash.de) angemeldet.
    Die Zahlen garantiert 250 Euro aus, aber bis zu 90% (Was wohl im Q1 2022 voraussichtlich 380-425 Euro entspricht).
    Habe keinen anderen Anbieter gefunden der mehr als 90% auszahlt.
    Im Gegensatz zu den meisten anderen Anbietern steckt auf eine seit 20 Jahren bestehende OHG dahinter (mit zwei privat haftenden Geschäftsführern). Die ganzen neuen Startups sind alle Haftungsbeschränkt. Da würde es mich nicht wundern wenn da einige dann plötzlich Insolvenz anmelden weil Sie zu hohe Beträge garantiert haben. Da ist das Geld dann weg.

    Antworten
    • Franz W. Rother

      Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit – das steht auch im Text

      Antworten
  2. Jürgen Baumann

    Wieder einmal ist da ein Startup Entwicklungshelfer für gestandene Traditionshersteller. Die werden damit ganz schön Strafzahlungen gespart haben. Das ist auch ohne Weiteres als eine industriepolitische Subvention einzuordnen.

    Antworten
    • Stacy

      Die Mineralölunernehmen müssen Ihren CO2 Ausstoß Reduzieren. Die Mineralöl Unternehmen müssen Ihren CO2 Ausstoß mit den Zertifikaten kompensieren. Was nicht selbst beantragt wird, verkauft der Staat. Für jede Tonne CO2 die die Mineralölunternehmen nicht mit Zertifikaten kompensieren können werden sonst 600 Euro/Tonne Strafe fällig.

      Wenn du die Zertifikate beantragst und nicht verkaufst (und verfallen lässt) ist das die Option die den Mineralölkonzernen am meisten schadet. Wenn du Sie an ein Mineralöl Unternehmen verkaufst, sparen die damit höchstens 200 Euro (im Vergleich zur Strafe). Du erhält aber ~400 Euro die du dann auch an ein Projekt deiner Wahl spenden kannst.

      Was jetzt sinnvoller ist muss jeder selber entscheiden.

      Antworten
      • Maximilian

        Wo genau kann man denn als Privater tatsächlich Zertifikate kaufen? Echte Zertifikate, nicht Zwischenprodukte von Investoren.

        Antworten
        • Franz W. Rother

          Kaufen? Bei dem Modell verkaufen Sie die Verschmutzungsrechte an die Mineralölindustrie. Über einen Mittelsmann, der die Angebote bündelt. Für Einzelverträge sind die CO2-Werte pro Fahrzeug zu gering.

          Antworten
      • Martin

        Hallo, und wie kann man die Zertifikate verfallen lassen?

        Antworten
        • Franz W. Rother

          Mit welchem Zweck? Man MUSS die ja nicht beantragen

          Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert