Der Fahrplan für das Ende des Verbrennungsmotors gerät weltweit ins Wanken. Eigentlich sollten laut aktuellen Plänen bis 2035 rund 58 Prozent der globalen Neuwagenverkäufe – also etwa 40 Millionen Fahrzeuge – vom Verkaufsverbot für Benziner und Diesel betroffen sein. Doch die Realität sieht anders aus, warnt die Unternehmensberatung Berylls by AlixPartners in einer aktuellen Analyse.
„Die Nachfrage nach Elektroautos wächst langsamer als erwartet, viele Staaten überdenken ihre Zeitpläne – und die USA steigen vermutlich ganz aus dem Ausstieg aus“, sagt Dr. Alexander Timmer, Partner bei Berylls. Allein die amerikanische Rolle rückwärts könnte jährlich zusätzliche 16 Millionen Tonnen CO₂ verursachen – so viel wie 12.500 Flüge eines Airbus A380 von München nach Los Angeles.

Etwa 2,4 Millionen Autos würden nach der Berylls-Analyse allein in Deutschland weniger gebaut, wenn es beim EU-„Verbrennerverbot“ im Jahr 2035 bliebe – und ein Teil der Autokäufer Elektromobile weiterhin schmähen würden. Grafik: Berylls
Auch in China, dem mit Abstand größten Automarkt, ist das Ende der Verbrenner-Autos längst nicht beschlossen. Zwar entfallen schon heute fast 50 Prozent aller Neuzulassungen (Ende Juni: 45,8 Prozent) auf sogenannte „New Energy Vehicles“ (NEV) – also Batterie-, Plug-in-Hybrid- oder Elektroautos mit einem Verbrennungsmotor als Stromgenerator und Range Extender. Doch ein landesweites Verkaufsverbot für Verbrenner ist erst für das Jahr 2060 in Sicht – dem Jahr, in dem China CO₂-Neutralität erreichen will. Auf regionaler Ebene gibt es zwar bereits strengere Regeln, die Koexistenz von E-Auto und Verbrenner werde aber laut Berylls-Analyst Hendrik Honert „noch viele Jahre andauern“.
Deutschland drängt auf Lockerungen
In Europa hingegen gilt das Verkaufsverbot für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 bereits als beschlossen. Die entsprechende Verordnung wurde vom EU-Parlament im Frühjahr 2023 verabschiedet – mit einer Hintertür, die auf Drängen der damaligen deutschen Regierung eingefügt wurde: Autos, die ausschließlich mit klimaneutralen synthetischen Kraftstoffen, den sogenannten E-Fuels, betrieben werden, dürfen demnach auch danach noch neu zugelassen werden.
Doch wie diese Ausnahme konkret ausgestaltet wird, ist bislang unklar – was die politische Diskussion gerade in Deutschland weiter befeuert. Hierzulande wird das sogenannte „Verbrenner-Verbot“ kontrovers diskutiert: Während SPD und Grüne, diverse Umweltverbände und die Hersteller von Elektroautos wie Polestar den bisherigen Kurs der EU unterstützen, fordern die deutsche Autoindustrie und konservative Politiker im Bundestag mehr Technologieoffenheit, eine Lockerung der Vorgaben – und eine „Anpassung des Reduktionsziels auf minus 90 Prozent ab 2035“, was einem Verzicht auf das „Verbrennerverbot“ zur Erreichung der Klimaziele gleichkäme.
„Zukunft wird in China entschieden“
Bestärkt sehen sich die Industrievertreter durch die Marktentwicklung: Zwar sind die Zulassungszahlen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) in Europa und auch in Deutschland im ersten Halbjahr wieder deutlich angestiegen, doch das Wachstum bleibt immer noch hinter den ursprünglichen Absatzplanungen von BMW, Mercedes und VW zurück. In Deutschland drücken vor allem die weggefallene E-Auto-Kaufprämie und die anhaltend hohen Strompreise auf die Nachfrage.
Timmer zieht ein nüchternes Fazit: „Am Ende sind die Fahrverbote vieler kleiner Staaten, zu denen auch Deutschland zählt, zwar gut und richtig, für die globale Entwicklung aber nicht entscheidend. Auch wenn immer mehr Nationen solche Zulassungsverbote anstreben, wird in China entschieden, wie der Antriebsstrang der Zukunft und mit ihm der globale CO2-Ausstoß aussehen wird.“
Man muss den Chinesen zugestehen, das mit der Marktwirtschaft haben sie gut verstanden. Im Gegensatz zu Europa. Hier sucht man immer mehr das Heil in der Planwirtschaft. Die gibt es aber nur im Kombi-Pack mit siechender Wirtschaft und Mangel an allen Ecken.
Seit über 100 Jahre belasten wir nun das Klima. Die Klimaänderung zu stoppen und zurück zu drehen wird kaum schneller gehen. Und Peak-Oil ist noch nicht mal erreicht. Da machen ein paar Jahre mehr mit Verbrennern auch nicht mehr viel aus.
Ich mache mir mehr Sorgen um unsere Demokratie. Das Wort von der ökologischen Diktatur geht um. Wie lange würde die wohl ökologisch bleiben? Und wohin gehen die Menschen, wenn die Arbeitsplätze wegfallen?
33% NEVs in China. wie alte sind bitte diese Zahlen? 2025 wird China 50% NEVs zulassen. in China ist das Thema durch.
Stimmt, Ende Juni betrug der Anteil der NEVs an den Neuzulassungen 45,8 Prozent. Wird korrigiert.