Alle Welt redet über Tesla und die Erfolge des kalifornischen Elektroherstellers, der im vergangenen Jahr immerhin 509.737 Stromer produzierte und weltweit absetzte. Doch im Windschatten der vielfach gehypten Automarke von Elon Musk hat sich ein anderer Autohersteller nach vorne gepirscht, den vor 20 Jahren in Europa noch niemand kannte: BYD aus Shenzhen im Südosten China. Wie das Unternehmen jetzt bekannt gab, hat es als erster Autohersteller mittlerweile eine Million Elektroautos hergestellt – und Tesla damit in die Schranken verwiesen. Bei einem großen Festakt mit 500 Gästen auch aus Europa, unter anderem von den Zulieferern ZF und Valeo, wurde das Erreichen des Meilensteins gefeiert.

BYD-Präsident Wang Chuanfu begrüßte dazu unter anderem Rolf Petter Almklov von der Botschaft Norwegens in Peking. Denn Norwegen wird der erste Markt in Europa sein, auf dem BYD seine Elektroautos anbieten wird: Die ersten 100 Exemplare des vollelektrischen SUV namens „Tang“ werden in den kommenden Tagen nach Skandinavien verschifft um im Herbst an Kunden in Norwegen übergeben zu werden. Weitere 1500 Elektroautos des Typs sollen bis zum Jahresende folgen – um die Ambitionen von BYD auch auf dem europäischen Pkw-Markt – in Norwegen, den Niederlanden und später auch in Deutschland – zu unterstreichen. Im europäischen Busgeschäft ist der chinesische Technologiekonzern bereits seit längerem eine feste Größe. Allein in London fahren aktuell 500 Elektrobusse der Chinesen.

Ab nach Norwegen
BYD-Präsident Wang Chuanfut verabschiedete in Shenzhen die ersten 100 Elektro-SUVs vom Typ "Tang" nach Norwegen. Ein Miniaturmodell des Stromers wurde an Rolf Petter Almklov von der Botschaft Norwegens übergeben. Foto: BYD
Erste Fuhre für Norwegen
BYD-Präsident Wang Chuanfut verabschiedete in Shenzhen die ersten 100 Elektro-SUVs vom Typ „Tang“ nach Norwegen. Ein Miniaturmodell des Stromers wurde an Rolf Petter Almklov von der Botschaft Norwegens übergeben. Foto: BYD

Die Voraussetzungen für die Vertriebsoffensive auf dem europäischen Markt für batteriegetriebene Pkw sind gut. Erfolgsbringer von BYD – die drei Buchstaben stehen für „Build your Dreams“, „Baue Deinen Traum“ -in China ist aktuell eine Limousine namens „Han“, die sich hinter dem Model S von Tesla nicht zu verstecken braucht. Für umgerechnet rund 33.000 Euro gibt es eine knapp fünf Meter lange Limousine, die in der 222 PS starken Basisversion mit einer 65 Kilowattstunden (kWh) großen Batterie für eine Reichweite von rund 500 Kilometern (nach chinesischer Verbrauchsnorm) ausgestattet ist. Die allradgetriebene Topversion des „Han“ hat eine Antriebsleistung von knapp 500 PS und kommt mit einer 77 kWh großen Batterie angeblich 600 Kilometer weit.

BYD „Tang“ kommt mit Lithium-Eisenphosphat-Akku

Der mit 4,87 Metern Länge etwas kürzer geschnittene und nach der altchinesischen Tang-Dynastie (617-907) benannte SUV für Norwegen hat einen überarbeiteten Antriebsstrang mit einer Systemleistung von 380 kW (517 PS) und 660 Newtonmeter Drehmoment. Es ist das erste Auto von BYD mit der neuen, besonders kompakten und leistungsstarken „Blade Battery“, einem 86,4 kWh großen Akku auf Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP), wie sie Tesla bereits im Model 3 einsetzt.

Batterien dieses Typs gelten als besonders sicher und zyklenfest. Dafür haben sie eine etwas geringere Energiedichte als Lithium-Ionen-Akkus. So soll der 2,3 Tonnen schwere BYD „Tang“ trotz des nominell größeren Akkus wie die Topversion des „Han“ ebenfalls nur auf eine Reichweite von rund 500 Kilometer kommen. Angeboten wird das siebensitzige E-SUV zu einem Preis von 599.900 Norwegischen Kronen, das sind nach aktuellem Kurs etwa 59.230 Euro.

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