Die ersten Exemplare des M-Byte für Crashtests und Zulassungsverfahren waren gerade produziert – da musste Byton am 1. Juli vergangenen Jahres sein nagelneues Werk in Nanjing wieder schließen: Corona hatte dafür gesorgt, dass Investoren kalte Füße bekamen und ihre Finanzierungs-zusagen wieder zurückzogen. Am Firmenstandort Santa Clara in Kalifornien mussten daraufhin die meisten der 450 Mitarbeiter entlassen werden. Und die 92 Beschäftigten des Design- und Entwicklungszentrum in München wurden in Kurzarbeit geschickt – aktuell sind hier noch rund 60 Spezialisten um Chefdesigner Benoit Jacob in Lohn und Brot.

Doch nun gibt es wieder Hoffnung für „Bytes on Wheels“, das von ehemaligen BMW-Managern in China gegründete Elektroauto-Startup: Wie jetzt bekannt wurde, hat der taiwanesische Apple- und Tesla-Zulieferer Foxconn Technology mit Byton eine strategische Partnerschaft geschlossen. „Wir freuen uns, mit BYTON zusammenzuarbeiten, um die Produktion des M-Byte voranzutreiben“, sagte Foxconn-Chef Young Liu in einer Pressemitteilung. Gemeinsam werde man sich nun bemühen, den M-Byte so schnell wie möglich serienreif zu machen, um das Fahrzeug „im ersten Quartal 2022“ auf den Markt bringen zu können.

Bereits 65.000 Reservierungen für den M-Byte

Das sind auch gute Nachrichten für die rund 65.000 Menschen in aller Welt (26.000 davon aus Europa), die bereits einen M-Byte geordert hatten – in der Hoffnung, ihn in diesen Wochen in Empfang nehmen zu können. Doch wie es in der Europazentrale heißt, ist Byton mit der Beteiligung von Foxconn noch längst nicht über den Berg. Nach unbestätigten Informationen von Bloomberg soll Foxconn einen Betrag von 200 Millionen Dollar, umgerechnet rund 163 Millionen Euro, in den Autobauer investieren und zudem seine Fertigungs-Expertise zur Verfügung stellen. Nichtsdestotrotz werde weiteres Kapital benötigt, um die Autoproduktion ans Laufen zu bringen und wie geplant ein Vertriebs- und Service-Netzwerk aufzubauen, heißt es in München. Man stehe weiterhin in Kontakt mit interessierten Investoren aus dem Mittleren Osten und auch aus Europa. Aber zunächst einmal müsse das Unternehmen nun neu bewertet werden.

Byton hatte ambitionierte Pläne, auch in Europa. Nicht nur für das knapp fünf Meter lange vollvernetzte Elektro-SUV namens M-Byte. Zwei weitere Modelle – eine K-Byte genannte Limousine sowie ein siebensitziger Van – waren in Vorbereitung. Angeboten werden sollten sie mit 250 und 350 kW starken Elektromotoren und Akkupaketen, die entweder 71 oder 95 Kilowattstunden (kWh) Strom speichern können. Zu Preisen ab etwa 40.000 Euro und in einer Zahl von etwa 300.000 Fahrzeugen im Jahr. So hatte es zumindest Byton-Co-Gründer Carsten Breitfeld dargestellt – noch kurz bevor er im Frühjahr 2019 überraschend das Unternehmen verließ und das Steuer seinem ehemaligen BMW-Kollegen Daniel Kirchert übergab. Auch Kirchert hat inzwischen die Segel gestrichen. Geführt wird Byton inzwischen übergangsweise von der früheren Kommunikations- und Personalchefin Ding Qingfen.

Und der Eintritt von Foxconn wird sicher nicht ohne Folgen für die Unternehmensstrategie von Byton bleiben. Zumal die an der Börse von Taiwan notierte Hon Hai Precision Industry Company – die unter dem Namen Foxconn auftritt und als Auftragsfertiger und Zulieferer von Elektronik-Komponenten unter anderem für Tesla und Apple arbeitet – vor einigen Monaten noch ein eigenes Betriebssystem für Elektroautos vorgestellt und den Bau einer Feststoffkörper-Batterie angekündigt hatte. Auch eine Kooperation mit FiatChrysler stand damals zur Debatte.

Inzwischen aber ist FiatChrysler mit der französischen PSA-Gruppe zu „Stellantis“ verschmolzen – dieser Kooperations-Plan dürfte sich damit erledigt haben.

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