In der „Kingbird City“, einem Einkaufszentrum im Zentrum von Zhengzhou, hat BYD ein Museum eingerichtet. Im Eingangsbereich erinnert der Autobauer daran, wie früher Menschen in der zivilisierten Welt größere Strecken zurücklegten. Mit der Pferdekutsche, später mit Dampfloks und schließlich, so gegen Ende des 19. Jahrhunderts, mit dem Auto. Auch der Anteil deutscher Ingenieure und Unternehmen wird hier gewürdigt. Mit einem Modell des Patent-Motorwagens von Carl Benz, das die eloquente Touristenführerin fälschlicherweise als den „ersten Mercedes“ vorstellt. Und mit einem VW Santana, der in den 1980er-Jahren erst Parteimitglieder und Behördenvertreter in China, später per auch Normalbürger durch die Städte kutschierte.

Mit einem VW Santana erinnert BYD in seinem Museum an die Frühzeit der Motorisierung Chinas – um in der nächsten Abteilung die Elektroautos und Technologien des Konzerns zu preisen. Foto: Rother
Das Museumsstück ist allerdings schwer ramponiert. Der weiße Lack ist stumpf, die Karosserie rostet an vielen Stellen und im Innenraum wächst Moos die Scheiben hoch. Die Botschaft, die beide Modelle senden, ist unmissverständlich: Wir danken Euch für 140 Jahre Automobilbau – aber ab jetzt übernehmen wir. Ohne weiterhin fossile Brennstoffe zu importieren und die Luft zu verpesten, mit reichweitenstarken und erschwinglichen Elektroautos unterschiedlichster Marken und Preisklassen. Mit innovativen Batterie- und Ladetechnologien – und „God’s Eye“ und der Möglichkeit, das Auto vollautonom zum Ziel fahren zu lassen. All das bekommen die Besucher des Museum auf drei Etagen gezeigt.
BYD lässt die Muskeln spielen
Ja, BYD („Build Your Dreams“) nimmt den Mund ziemlich voll. Im Museum, aber auch auf den weiteren Etappen der „e-Journey“, zu der aktuell weltgrößte Hersteller von Elektroautos über 300 Journalisten aus aller Welt nach Zhengzhou eingeladen hat. An den Standort seines größten Automobilwerks, das sich über eine Fläche von rund 30 Quadratkilometer erstreckt und im Dreischicht-Betrieb angeblich 1,5 Millionen Autos im Jahr ausspucken kann. Laut BYD können hier auf einer Produktionslinie bis zu 23 verschiedene Modelle montiert werden. Und das mit einem Automatisierungsgrad von 92,7 Prozent.
Gleich nebenan hat BYD kürzlich ein hochmodernes Testcenter in Betrieb genommen, um die „New Energie Vehicles“ des Konzerns schon in der Entwicklung Härtetests unterziehen zu können. Unter anderem auf einer 1,8 Kilometer langen Rennstrecke und in einem Offroad-Park, in einem 70 Meter langen und 1,60 Meter tiefen Planschbecken oder auf der „Indoor-Sanddüne“ – einer 90 Meter langen Piste mit 28 Grad Steigung, auf der Geländewagen vom Typ eines Yangwang U8 zeigen können, wozu sie abseits befestigter Straßen fähig sind.

Auf der weltweit einzigen Indoor-Sanddüne muss ein Yangwang U8 beweisen, was in Allradantrieb und Fahrwerk steckt. Fotos: BYD
Die Anlage ist eindrucksvoll – so mancher Autokonzern in Europa oder Nordamerika würde sich die Finger danach lecken. Gleiches gilt für die Fahrzeuge, die BYD inzwischen auf die Räder stellt – gerade einmal 22 Jahre nach der Gründung der Automobilsparte. 2024 hat sich die BYD Group mit einem Absatz von 4,27 Millionen Autos auf Platz 7 im Ranking der weltgrößten Pkw-Hersteller vorgearbeitet. Und mit einem Verkauf von 1.764.992 Batterieautos unterlag der chinesische Herausforderer Tesla nur knapp im Kampf um den Titel des weltgrößten Hersteller von reinen Elektroautos.
„Wir stehen in Europa noch ganz am Anfang“
In diesem Jahr läuft es für BYD nicht ganz so gut. Zumindest nicht im Heimatland, wo gerade ein heftiger Konkurrenz- und Preiskampf tobt. Die Gewinne brachen ein, Marktanteile gingen verloren und die Absatzziele für 2025 mussten zurückgenommen werden: Statt über fünf Millionen Autos sollen in diesem Jahr nur noch 4,6 Millionen verkauft werden. Davon etwa 20 Prozent außerhalb China. Und der Auslandsanteil soll in den kommenden Jahren noch weiter wachsen. Mit neuen Fahrzeugen, mit neuen Vertriebskonzepten und einem Ausbau des Markenportfolios.
Europa spielt bei der Expansionsstrategie eine Schlüsselrolle – die „e-Journey“ in Zhengzhou sollte dafür gewissermaßen den Boden bereiten. „In Europa“, gab BYD-Vizepräsidentin Stella Li offen zu, „stehen wir noch ganz am Anfang“. Dazu stecke der Konzern derzeit viel Geld in Marketing und Infrastruktur. „Um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen“ und „nachhaltiges Wachstum“ zu generieren.

Auf dem Rennkurs des BYD Experience-Centers in Zhengzhou dürfen wir mit dem 960 kW starken Yangwang U9 schon einmal zwei Runden drehen. Kaufinteressenten aus Europa müssen sich noch bis 2027 gedulden, bis sie hinters Steuer dürfen. Foto: Harald Dawo
Die ersten Erfolge wurden bereits eingefahren: Der Absatz der Kernmarke BYD stieg in Deutschland im ersten Halbjahr 2025 um 560 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Italien gar um fast 1300 Prozent. Auch in Spanien (578%) und Großbritannien (557%) gab es kräftige Zuwächse – so soll es weitergehen. Gegen Jahresende wird BYD in Ungarn sein erstes Automobilwerk in Europa eröffnen. Produziert werden soll dort unter anderem der elektrische Kleinwagen Dolphin Surf, der aktuell durch einen 17-prozentigen Strafzoll der EU gehandicapt ist. Mit der Produktion in Ungarn entfällt der – wodurch BYD das Modell im kommenden Jahr voraussichtlich billiger anbieten kann.
Denza startet in Deutschland mit zwei Modellen
Aber nicht nur mit BYD und im Volumengeschäft will der Auto- und Technologiekonzern in Europa wachsen, sondern künftig auch mit der Premiummarke Denza und der Luxusmarke Yangwang. Mit dem Geschwindigkeitsrekord von 496,22 km/h, den die Topversion des elektrischen Supersportwagens Yangwang U9 auf der Teststrecke im deutschen Papenburg erzielte, hat man schon einmal eine Duftmarke gesetzt: Hallo Porsche, hallo Bugatti – wir kommen.

Der Denza Z9 GT kommt Ende 2026 nach Deutschland und soll Autokäufer nicht nur mit seiner Kraft und einem relativ günstigen Preis, sondern auch innovativen Features überzeugen: Unter anderem kann der fünf Meter lange Shooting Brake auf der Stelle wenden.
Kunden in Europa werden sich noch bis 2027 gedulden müssen, ehe sie mit einem 960 kW starken Yangwang U9 über deutsche Autobahnen oder gar den Nürburgring hetzen dürfen. Deutlich früher, nämlich schon im Spätherbst kommenden Jahres, geht dafür der Denza Z9 GT an den Start. In Zhengzhou treffen wir auch den ehemaligen Mercedes-Manager Klaus Hartmann, der für die Premiummarke Denza gerade in Deutschland ein Vertriebsnetz aufbaut. Und parallel Gespräche führt mit großen Energieversorgern, um ein Netz von sogenannten Flash-Charging-Stationen aufzubauen.
Ausparken im Krebsgang
Denn der schnittige Shooting Brake im Stil des Porsche Taycan Sport Turismo kann Gleichstrom mit bis zu 1000 kW aufnehmen – sofern er eine passende Ladestation findet. Und das ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal des 710 kW oder 952 PS starken Stromers, der mit seiner 100 kWh großen LFP-Blade Batterie nach chinesischer Verbrauchsnorm etwa 630 Kilometer weit kommt. Dank einer intelligenten Hinterradlenkung kann der 5,18 Meter lange Allradler sich im Krabbengang aus einer engen Parklücke herausmanövrieren oder auf Knopfdruck in einer Sackgasse auf der Stelle drehen. Das soll ihm mal ein Porsche Taycan nachmachen. Vor allem zu einem Verkaufspreis, der in Deutschland inklusive Einfuhrzoll wohl knapp unter der Marke von 100.000 Euro liegen wird. Zum Vergleich: Der ähnlich starke Taycan Turbo S Sport Turismo mit Allradantrieb und Hinterradlenkung ist hierzulande nicht für unter 220.000 Euro zu bekommen.

Nach heftigen Regenfällen sind in China und auch in Spanien die Straßen schon mal komplett überflutet. Mit einem Yangwang U8 könnte man in diesem Fall problemlos weiterfahren – der SUV ist schwimmfähig.
Aber auch das zweite Modell für Europa, der 5,20 Meter lange und 3,3 Tonnen schwere Denza B8, weiß mit Extravaganzen zu glänzen. So kann der 480 kW oder 644 PS starke Plug-in Hybrid (Batteriekapazität: 37 kWh) längere Strecken schwimmend überwinden – für den Fall, dass die Straße nach heftigen Regenfällen komplett überschwemmt ist. Was in China wohl häufiger vorkommt und in Südeuropa infolge des Klimawandels künftig häufiger vorkommen wird. Hartmann ist jedenfalls zuversichtlich, dass auch dieses Modell zu Preisen um die 70.000 Euro Käufer finden wird. Ein vergleichbar komfortabler Range Rover mit langem Radstand und sieben -Sitzen ist wenigstens doppelt so teuer.
„BYD Number One“
Stella Li („BYD ist kein Autohersteller, sondern ein Technologiekonzern“) will 2026 die Verkäufe der BYD Group außerhalb Chinas auf 1,5 bis 1,6 Millionen Fahrzeuge steigern, also beinahe verdoppeln. Das könnte ihr mit den neuen Werken in Ungarn, der Türkei und Brasilien gelingen. Auch an eine neue Fabrik in Spanien wird bereits gedacht. Li: „Wenn ich in einem Jahr irgendwo auf der Welt in einen Supermarkt gehe und die Leute frage, ob sie BYD kennen – dann möchte ich, dass 100 Prozent ‚Ja‘ sagen.“
Da hat sich jemand viel vorgenommen. In Zhengzhou ließen sie die Gäste bereits ihren Schlachtruf üben: „BYD Number One“ hallte es mehrmals am Tag laut über das Gelände des Besucherzentrums .
BYD wird es nicht schaffen, weil andere auch den Küchenanteil haben wollen. Chinesen sind knallharte Geschäftsleute, die nie, und zwar nie den anderen Konkurrenz den Marktfeld überlassen. Gutes oder schlechtes Beispiel: Handymarkt. Huawei wird mir No. 1 stin. Xiaomi &Co.2& Co.3 & Co.4 wollen auch das Stück. Am Ende wird es in China 15 Autohersteller geben, ohne Zweittochter Firmen natürlich.
Warum sollte es BYD nicht in die Gruppe der 15 chinesischen Autokonzerne schaffen, die nach Ihrer Meinung überleben? Ich kenne keinen anderen Hersteller aus dem Reich der Mitte mit ähnlicher Power und Technologie-Kompetenz.