Der Brauch soll während der Corona-Pandemie entstanden sein, irgendwo in Alabama. Die Fahrerin eines Jeep Wrangler, so erzählt man sich, setzte damals auf einem Parkplatz eine Gummiente auf die Motorhaube eines anderen Fahrzeugs des gleichen Typs, mit dessen Besitzer sie sich kurz zuvor noch gezofft hatte. Die Ente mit der Aufschrift „Habe einen netten Tag – ich hoffe, das bringt dich wieder zum Lächeln“ war zur Besänftigung und Aufmunterung gedacht – und löste, befördert durch die Sozialen Medien, bald darauf eine Massenbewegung aus. Inzwischen ist „Ducking“ unter Jeep-Fahrern in Nordamerika ein beliebtes Spiel – sehr zur Freude von Gummienten-Produzenten in Fernost.
In Deutschland hingegen ist „Jeep-Ducking“ noch nicht ganz so populär. Was weniger an einem Mangel an Quietscheentchen liegen dürfte – die werden auch hierzulande in großer Stückzahl und Vielfalt verkauft. Dass das Spiel hierzulande noch nicht so bekannt ist, liegt eher an der relativ geringen Verbreitung von Fahrzeugen der Marke, die nach der Übernahme des Fiat-Chrysler-Konglomerats durch Peugeot/Citroën im Jahr 2020 heute Teil des multinationalen Stellantis-Konzerns ist. Ende 2024 waren laut Kraftfahrtbundesamt in Deutschland lediglich rund 160.000 Autos der Marke Jeep zugelassen, was einem Marktanteil von 0,3 Prozent entsprach.

Die „abenteuerliche“ Variante des Opel Grandland könnte die eine oder andere Führungskraft reizen. Zumal es den in Italien produzierten Elektro-Jeep in drei Versionen gibt, front- und allradgetrieben. Fotos: Jeep
Doch seitdem bewegt sich was auf dem Enten-Trail und den Neuzulassungen von Jeep in Deutschland. Dank der beiden kleinsten Modelle, dem Avenger und dem Compass, konnte die Marke bis zur Jahreshälfte immerhin um 6,5 Prozent zulegen. Der Marktanteil kletterte darüber immerhin auf 0,5 Prozent. Und Giancarlo Sapienza, der Marketingchef von Jeep in Deutschland, ist zuversichtlich, dass sich daran in den kommenden Monaten noch einiges drehen lässt. Mit dem Avenger in der neuen allradgetriebenen Version namens 4xe Hybrid. Und mit dem nagelneuen Compass, der erstmals auch in einer vollelektrischen Version erhältlich ist. Zu einem späteren Zeitpunkt im kommenden Jahr auch mit Allradantrieb.
Zwei komplett neue Elektroautos 2026
Und 2026 kommen mit dem Jeep Recon (im Sommer) und dem Jeep Wagoneer S (im Frühjahr) in den Preisklassen darüber noch zwei weitere Vollstromer hinzu. Der Recon ist die vollelektrische Interpretation des legendären Wrangler, ein echter Hardcore-Geländewagen also mit 400- und 800-Volt-Architektur und rund 500 Kilometern Reichweite zu Preisen ab 60.000 Euro. Und der Wagoneer S („The rush of all- electric freedom“, heißt es in der US-Werbung) mit einer Antriebsleistung von 600 PS und einer Reichweite um die 480 Kilometer für um die 80.000 Euro – je nach Ausgang des Zollkriegs zwischen der USA und der EU.

Die Allradversion gibt es nur als Mildhybrid, zwar mit zwei 21 kW starken Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, aber nur einem gerade mal 900 Wattstunden großen Akku. Damit stromert der Kompakt-SUV auch im Stadtverkehr nur wenige hundert Meter weit.
Aber zunächst gilt die volle Aufmerksamkeit der Vertriebsstrategen in Deutschland den beiden Einstiegsmodellen. Zur Einordnung: Der Avenger konkurriert konzernintern und größentechnisch mit Opel Mokka, der Compass mit dem Opel Grandland. Wie es sich im Stellantis-Konzern gehört, teilen sich beide Modellreihen die Plattformen samt Antrieben sowie zahlreiche Komponenten.
Allrad-Avenger ohne Ladeport
Der vor zwei Jahren eingeführte Avenger sollte ursprünglich allein vollelektrisch angeboten werden – inzwischen gibt es den „Rächer“ auch hierzulande mit Hybridantrieb. Mit der Folge, dass im vergangenen Jahr nur noch 273 der insgesamt 3613 neu zugelassenen Exemplare über einen Ladeport verfügten. Der wird auch bei der Allrad-Version fehlen, die nun nachgeschoben wird. Mit 48-Volt-System und gleich zwei 21 kW starken Elektromotoren, aber nur einem gerade mal 900 Wattstunden großen Akku – damit stromert er nur wenige hundert Meter weit.

Die elektrische Interpretation des Wrangler ist ein Hardcore-Geländewagen mit 400- und 800-Volt-Architektur und großer Reichweite.
Wichtiger als das emissionsfreie Fahren war den Produktmanagern, dass der allradgetriebene Avenger als echter Jeep rüberkommt, mit ordentlich Watttiefe und Bodenfreiheit, einem intelligenten Allradsystem samt smarter Drehmomentverteilung und E-Boost-Funktion zur Bewältigung schwieriger Geländepassagen. Aber auch in die Jeep-typische Ausstattung haben sie investiert: Schon in der Basisversion Upland gibt es 17 Zoll große Leichtmetallräder mit Mud&Snow-Bereifung und Offroad-Schutzbleche für Expeditionen in die Wildnis.
Compass mit Zelt und Seesack
In der auf 4806 Exemplare limitierten „North Face“-Edition (die Zahl orientiert sich an der Gipfelhöhe des Mont Blanc) gibt es neben Navigationssystem und elektrischer Heckklappe ein Zelt, einen Seesack sowie eine Wasserflasche obendrauf. Das Ganze zum Preis von 39.000 Euro. Für den allradgetriebenen Avenger „Upland“ werden 33.990 Euro aufgerufen, also nur rund 1600 Euro mehr als für die frontgetriebene Version mit Hybridantrieb und in Topausführung Longitude.

Das Schwestermodell des Opel Grandland soll vor allem Gewerbekunden mit Abenteurer-Genen ansprechen – auch in Deutschland.
Während der Avenger eher etwas für Privatkunden ist, zielt der neue Compass in erster Linie auf gewerbliche Kunden. Mit Größe, Antriebskraft – und Elektroantrieb: In vielen Unternehmen lässt die Car Policy inzwischen keine Verbrenner mehr zu. Da könnte die abenteuerliche Variante des Opel Grandland die eine oder andere Führungskraft reizen. Zumal es den in Italien produzierten Elektro-Jeep in drei Versionen gibt, front- und allradgetrieben, mit Antriebsleistungen von 157 und (ab Herbst) 276 kW.
Wagoneer für schwieriges Gelände
Ein neuer leistungsstarker Elektromotor an der Hinterachse mit einer Spitzenleistung von 49 kW und einem maximalen Drehmoment von 232 Newtonmeter soll in Verbindung mit einem 14:1-Untersetzungsgetriebe für die Fähigkeit sorgen, selbst 20-prozentige Steigungen in schwierigem Gelände zu bewältigen. Wie ein echter Jeep mit konventionellem Antrieb, nein, noch besser als der.
Um die Besitzer der Verbrennerversion des Wagoneer zu trösten (die es noch eine Weile geben soll), wäre dann eine kleine Gummiente angebracht. Vielleicht mit dem Hinweis, es beim nächsten Mal mit einem Stromer zu versuchen.