Der chinesische E-Auto-Aufsteiger Leapmotor geht in die Offensive. Mit dem neuen C-Segment-Modell B05 möchte die Marke nicht nur technisch überzeugen, sondern vor allem mit einer emotionalen Positionierung eine neue Generation von Kunden erobern. Im Gespräch mit EDISON erläutert Marketingchef Francesco Giacalone, warum der B05 weit mehr als nur ein weiteres Elektroauto ist und welche Rolle die strategische Allianz mit dem Stellantis-Konzern bei diesem Vorhaben spielt.

Der Leapmotor B05 markiert den Einstieg in eine neue Ära des Wachstums und der Stärkung der Markenidentität. Unter dem Motto „Sporty Elegance, Everyday Thrill“ vereint das Modell Leistung, Design und Benutzerfreundlichkeit. Die technischen Daten unterstreichen diesen Anspruch: Ein 160 kW (218 PS) starker Elektromotor sorgt in Kombination mit einem speziellen Launch-Control-Modus für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden.

Francesco Giacalone
Francesco Giacalone
Der Italiener verantwortet die Produktplanung und das Marketing von Leapmotor in Europa. Seine Karriere in der Autoindustrie startete der Ingenieur der Raumfahrttechnik bei Ferrari. Später war er viele Jahre für Nissan tätig, bevor er 2021 zu Stellantis wechselte.

Doch bei aller Dynamik betont Giacalone den alltagstauglichen Charakter: „Das tägliche Fahren sollte sich niemals gewöhnlich anfühlen“. Um dies zu gewährleisten, bietet der B05 zwei Batterieoptionen mit 56,2 kWh oder 67,1 kWh, die WLTP-Reichweiten von bis zu 401 bzw. 482 Kilometern ermöglichen. An Schnellladestationen ist der Akku in etwa 17 Minuten von 30 auf 80 Prozent geladen, was das Fahrzeug auch für Langstrecken attraktiv macht. Der Einstiegspreis in Deutschland liegt bei 27.900 Euro.

Synergien mit Opel: Gemeinsame Wege bei der Technologie

Ein besonders spannender Aspekt für den deutschen Markt ist die zunehmende Verflechtung innerhalb des Konzerns. Angesprochen auf die geplante engere Zusammenarbeit mit Opel (gemeinsam wird man ein neues Elektro-SUV im C-Segment bauen), deutete Giacalone an, dass die technologische Expertise von Leapmotor – insbesondere bei effizienten Antriebssträngen und Software-Architekturen – zunehmend auch für andere Stellantis-Marken interessant wird.

Ein zentrales Thema ist dabei die Entwicklung von Range-Extender-Systemen. Während der Fokus aktuell auf vollelektrischen Modellen liegt, sieht Leapmotor in der Range-Extender-Technologie eine ideale Brückentechnologie für den europäischen Markt, um Reichweitenängste bei Langstrecken zu eliminieren. Erste Überlegungen sehen vor, dass Leapmotor auch dieses Know-how in gemeinsame Plattform-Projekte mit Opel einbringt, um eine kosteneffiziente und reichweitenstarke Mobilitätslösung „Made for Europe“ anzubieten, die den typischen Rüsselsheimer Fahrkomfort mit hocheffizienter chinesischer Antriebstechnik kombiniert.

Zwischen chinesischer Geschwindigkeit und europäischer Identität

Das schnelle Wachstum von Leapmotor basiert auf einer bemerkenswerten vertikalen Integration: Etwa 65 Prozent des Fahrzeugwerts werden im eigenen Haus produziert. Dies ermöglicht laut Giacalone „eine crazy Chinese speed“ , bei der Entwicklungszyklen von lediglich 18 bis 20 Monaten von der ersten Skizze bis zur Serienreife realisiert werden.

Leapmotor inside
Auf Basis des Leapmotor B10 baut Opel ein neues Elektroauto für das C-Segment, das schon ab 2028 im spanischen Saragossa produziert wird und voraussichtlich den Frontera ersetzen wird. Auch eine Version mit Range Extender wäre möglich. Foto: Opel
Leapmotor inside
Auf Basis des Leapmotor B10 baut Opel ein neues Elektroauto für das C-Segment, das schon ab 2028 im spanischen Saragossa produziert wird und voraussichtlich den Frontera ersetzen wird. Auch eine Version mit Range Extender wäre möglich. Foto: Opel

Gleichzeitig setzt die Marke konsequent auf Regionalisierung. Die Eröffnung eines Innovationszentrums in München unterstreicht diesen Anspruch. Für die europäische Strategie ist dabei entscheidend, dass die Produkte gezielt auf die hiesigen Bedürfnisse abgestimmt werden. In Bezug auf die Produktion in Europa, etwa in Spanien, erklärt Giacalone, dass dies nicht nur helfe, Zölle zu vermeiden, sondern auch „näher an der Regionalisierung“ zu produzieren und die Lieferketten resilienter zu gestalten.

Keine Kannibalisierung, sondern Ergänzung

Auf die Frage, ob die neue Marke im Stellantis-Portfolio für interne Konflikte sorgt, gibt sich der Marketingchef gelassen. „Die Kannibalisierung ist wirklich marginal, sehr, sehr marginal“. Die Kunden von Leapmotor kämen meist von Konkurrenzmarken wie Tesla oder anderen asiatischen Herstellern, statt von bestehenden Stellantis-Marken wie Peugeot oder Opel.

Das Ziel für das Jahr 2030 ist ambitioniert: Leapmotor soll weltweit etwa 2,5 Millionen Fahrzeuge absetzen, wobei Europa bis zu 50 Prozent dieses Volumens beisteuern soll. Mit dem B05 als wichtigem Volumenmodell und der Unterstützung durch das Stellantis-Netzwerk sieht sich Leapmotor gut aufgestellt, um die Transformation zur globalen E-Automarke erfolgreich zu meistern. „Wir wollen zeigen, dass man beim Kauf eines chinesischen Autos kein Risiko eingeht, weil wir durch Stellantis bei Vertrieb und Ersatzteilversorgung abgesichert sind“.

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