Nach den Milliardenverlusten im vergangenen Jahr macht Stellantis nun ernst mit der Verschlankung seines riesigen Markenportfolios – im ersten Schritt allerdings nur unter dem Blech. Der Autokonzern hat heute (21. Mai) auf einem Investorentag mit „STLA One“ eine neue, global einsetzbare und modulare Fahrzeugarchitektur vorgestellt. Das ehrgeizige Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen im Rahmen des Sanierungsprogramms FaSTALane insgesamt 60 Milliarden Euro eingespart. Die neue Plattformstrategie wird dabei helfen: Ab 2027 sollen gleich fünf bisherige Plattformen in dieser einen, skalierbaren Architektur zusammengefasst werden, um die Komplexität zu reduzieren.

Die neue Plattform ist als Multi-Energy-Architektur konzipiert und deckt eine enorme Bandbreite ab: Sie ist für die Fahrzeugsegmente B, C und D vorgesehen, also für Kleinwagen bis rauf zu Modellen der gehobenen Mittelklasse. Ned Curic, Chief Engineering und Technology Officer, betonte bei der Präsentation den modularen Ansatz, der verschiedene Antriebsarten ohne Effizienzverluste unterstützen soll.

Dabei geht es Stellantis – wie zu erwarten – vor allem um Skalierung und eine rigorose Kostensenkung:

  • Massive Volumina: Die Architektur ist darauf ausgelegt, zukünftig über 30 verschiedene Modelle zu tragen. Bis zum Jahr 2035 peilt der Konzern damit ein Volumen von mehr als 2 Millionen Fahrzeugen an.
  • Sparprogramm: Durch die konsequente Modularität und neue Batterieoptionen soll eine Kosteneffizienz von 20 Prozent erreicht werden.
  • Wettbewerbsfähigkeit: Stellantis will damit die eigenen Abläufe vereinfachen und die Kostenlücke zu den branchenbesten Playern in Europa schließen.

LFP-Akkus, 800 Volt und „Cell-to-Body“

Für uns als Beobachter der elektrischen Transformation ist besonders die intelligente Batteriestrategie spannend, die Elektroautos (BEVs) günstiger und alltagstauglicher machen soll:

  • LFP-Zellen: Stellantis setzt verstärkt auf Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP), um die Fahrzeuge erschwinglicher zu machen und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zu reduzieren.
  • Cell-to-Body: Die Batterien werden direkt in die Fahrzeugstruktur integriert, was nicht nur Kosten und Komplexität senkt, sondern auch das Gewicht reduziert.
  • High-Speed-Laden: Die STLA One Plattform wird 800-Volt-fähig sein, was wettbewerbsfähige Ladezeiten und ein deutlich besseres BEV-Erlebnis im Alltag verspricht.

Das neue „Gehirn“ und Steer-by-Wire

Neben dem Antrieb rückt auch die Digitalisierung voll in den Fokus. STLA One wird die erste Plattform des Konzerns sein, die das neue „STLA Brain“ sowie das „STLA SmartCockpit“ integriert. Obendrauf gibt es moderne Steer-by-Wire-Technologie, also eine Lenkung ohne klassische mechanische Verbindung.

Diese Software-Hardware-Kombination soll es den unzähligen Stellantis-Marken ermöglichen, neue Funktionen wesentlich schneller auszurollen. Gleichzeitig soll jede Marke das Kundenerlebnis so anpassen können, dass die eigene, unverwechselbare Identität erhalten bleibt.

Bis 2030 will der neue Konzernchef Antonio Filosa 50 Prozent des gesamten Stellantis-Volumens auf nur noch drei globalen Plattformen bündeln. Dabei sollen bis zu 70 Prozent der Komponenten wiederverwendet werden. Ob dieser radikale Baukastenansatz tatsächlich die erhoffte Zeitersparnis bei der Entwicklung und die dringend benötigte Kostenreduktion bringt , wird sich ab 2027 zeigen, wenn die ersten Modelle auf STLA-One-Basis auf unsere Straßen rollen. Und welche Marken des Konzern überhaupt noch bedient: In der Branche halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach Stellantis einige seiner insgesamt 14 Automarken in den Ruhestand schicken könnte. Gleichzeitig wird eine engere Zusammenarbeit in Europa mit den chinesischen Autobauern Leapmotor und Dongfeng angestrebt sowie eine engere Kooperation mit der Tata-Tochter Jaguar LandRover in Nordamerika.

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