Sicherheit beim Fahren, Unsicherheit beim Lieferdatum

Das Twike 5 soll als dreirädriges Kraftfahrzeug über 45 km/h zugelassen werden. Wie bei seinen Vorgängern steht natürlich die Frage nach der Sicherheit im Raum.

Immer größere, schwerere Autos stellen eine Gefahr für fragile Verkehrsteilnehmer wie das Twike dar, die sich mit ihnen die Straße teilen. Berechnet haben sie alles: wie das Dach eingedrückt wird, die Seiten und auch die Front, sagt Martin Möscheid. Aber Crashtests müssen sie nicht machen. Auch die anderen derzeit vorgeschriebenen smarten Sicherheitsmerkmale bis hin zum Notrufknopf und ständiger Mobilfunkverbindung bleiben vierrädrigen Autos vorbehalten. Gurte und ein Überrollbügel sind jedoch vorhanden.

Rollendes Kraftwerk
Computerretusche des Twike 5. Das dreirädrig Leichtfahrzeug soll 2026 in den Handel kommen. Es soll in der Lage sein, den im Akku gespeicherten Strom - etwa von der Solaranlage - wieder ins Hausnetz zurückzuspeisen, wenn er nicht zum Fahren benötigt wird.
Rollendes Kraftwerk
Computerretusche des Twike 5. Das dreirädrig Leichtfahrzeug soll 2026 in den Handel kommen. Es soll in der Lage sein, den im Akku gespeicherten Strom – etwa von der Solaranlage – wieder ins Hausnetz zurückzuspeisen, wenn er nicht zum Fahren benötigt wird.

Twike-Fans haben die Produktion des neuen Twike vorfinanziert und werden nicht nur per Blog auf dem aktuellen Stand gehalten, sondern kommen auch mal vorbei, um den Machern auf die Finger zu schauen. Des Weiteren gibt es auch immer mal wieder Events, in deren Rahmen beispielsweise der Schweizer Twike-Klub zusammenkommt.

Derzeit hat das Unternehmen zehn Angestellte. Das muss sich mit dem Produktionsstart des Twike 5 ändern. Auch das frühere Volumen von einem Mobil pro Woche soll drastisch hochgeschraubt werden: Zwei pro Tag wären technisch möglich, sagt Martin Möscheid.

Twike unter Zugzwang

Aber er weiß auch: Jedes gebrochene Versprechen, jede schlecht kommunizierte Änderung macht die Luft dünner für Twike, wenngleich die Kundschaft außerordentlich geduldig ist. Hinzu kommt, dass die Produktion des neuen Modells wesentlich weniger Manufakturcharakter haben darf, um profitabel zu sein. „Wenn wir mit der Produktion starten, muss von jedem Teil mindestens eins da sein. Man muss mit allen ja die Liefervereinbarungen treffen. Das ist komplex. Wir setzen den Prozess so auf, dass wir dann 500 Fahrzeuge hintereinander bauen können.“

Hilfsantrieb
Die Pedale treiben das Gefährt nicht direkt an, können den Elektromotor aber unterstützen, wenn dem Akku die Puste ausgeht.
Hilfsantrieb
Die Pedale treiben das Gefährt nicht direkt an, können den Elektromotor aber unterstützen, wenn dem Akku die Puste ausgeht.

Innerhalb des nächsten Jahres sollen Prototyp und Produktion stehen. Allerdings gab es die Ankündigung des Marktstarts bereits vor fünf Jahren schon einmal.

Twike nimmt mit der Version 5 erneut Anlauf, um in einem Nischenmarkt zahlungskräftige Kundschaft zu finden. Die Spielregeln haben sich in den letzten Jahren jedoch geändert: E-Mobilität ist ein Produkt wie jedes andere geworden. Twike geht mit der Zeit, indem die neue Plattform modernen Ansprüchen mit Screens, Leistung und Komfort genügen soll.

Angepeilter Preis: 40.000 Euro

Die alte Kundschaft sieht das mitunter nicht ganz unkritisch, sagt Möscheid. „Wir kriegen schon auch so angedeutet: Ihr macht das jetzt auch so wie die Automobilindustrie. Größer, weiter, schneller. Das muss doch alles gar nicht sein. Ein Stück weit kann ich das nachvollziehen.“

Twikes Historie ist eine Geschichte des kontinuierlichen Wissenszuwachses. Als Studentenprojekt gestartet, über die Jahre mit unentgeltlicher Hilfe von Experten aus der Automobilbranche verbessert und durch immer neue Kontakte zu Zulieferern sowie den Aufschwung der Elektromobilität beflügelt, könnte es mit der Version 5 eine breitere Käuferschaft anlocken. Ein Preis jenseits von 40.000 Euro steht dem jedoch entgegen. Dafür bekommt man derzeit bereits ein neues Elektroauto mit beachtlicher Ausstattung. Fast 3.000 Vorbestellungen gibt es dennoch.

„Das Fahrzeug hat den Charme eines Messerschmitt-Kabinenrollers mit Pedalantrieb“, schrieben wir im Jahr 2010 bei der Vorstellung des Xprize-Twike. Die Version 5 machte auf uns eher den Eindruck eines dreirädrigen E-Sportwagens mit integriertem Ergometer.

Wenn das Twike 5 auf die Straße kommt, dann zieht es auf jeden Fall die Blicke auf sich – und bleibt damit in der Tradition der Firma: alles andere als gewöhnlich. 

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