Kaum jemand hat verstanden, wieso die chinesischen Schweden ihre Modelle Polestar 4 und Polestar 5 ohne eine Heckscheibe auf die Interessenten losließen. Etwas Neues war das fehlende Fenster nach hinten zugegebenermaßen ja. Doch ein wirklicher Zusatznutzen war durch den Wegfall der Scheibe nach hinten kaum zu entdecken. Die Folge: Bei den Kunden kamen die beiden Modelle bisher trotz unbestrittener Qualitäten in Sachen Antrieb, Design und Ladetechnik nur mäßig an. Seit Jahresbeginn wurden beispielsweise in Deutschland von dem „Volumenmodell“ der Marke nur etwas mehr als 2000 Fahrzeuge neu zugelassen. Daher überrascht es nicht, dass die zweite Karosserievariante des Elektro-Vierers auf die undurchsichtige Extravaganz verzichtet und somit nicht nur gefälliger aussieht, sondern auch dem Blick nach hinten ohne Kameraauge ermöglicht.

530 Liter fasst das Ladeabteil des Polestar 4 SUV bei voller Bestuhlung – vier Liter mehr als im Coupé. Nach Umlegen der Rückbank lassen sich im Kombi 1.680 Liter verstauen – immerhin 150 Liter mehr als im Schwestermodell. Fotos: Polestar
Der Antrieb des im südkoreanischen Busan produzierte Polestar 4 SUV entspricht natürlich dem des Schrägheckmodells, der offiziell unverändert als Coupé firmiert. Topmodell ist der 400 kW oder 544 PS starke Allradler, der mit einer 100-kWh-Batterie zwischen den Achsen eine Reichweite von 600 Kilometern bietet und bei 65.900 Euro startet – 2000 Euro unter dem offiziellen Preis des Coupés. Den Einstieg bildet eine heckgetriebene Version mit 200 kW oder272 PS starkem Elektromotor an der Hinterachse, für das 57.900 Euro werden. Hier beträgt der Preisvorteil gegenüber dem Schwestermodell sogar 4000 Euro.
Das 400-Volt-Bordnetz bleibt
Optisch zu unterscheiden sind die beiden Versionen im Innern durch güldene Gurte und eine Applikation auf dem zentralen Drehregler in der Mittelkonsole. Anders als manche Wettbewerber setzt Polestar beim neuen Vierer-Modell unverändert auf ein 400-Volt-Bordnetz, das Schnellladen nur bis maximal 200 kW ermöglicht. An einer Wallbox kann das Elektromodell immerhin mit bis zu 22 kW Nachtanken. Praktisch sind der neue Camping-Mode und die Fähigkeit zum bidirektionalen Laden.

Das kühl gestaltete Interieur dominiert ein 15,4 Zoll großer Touchscreen im Querformat, über den fast alle Funktionen gesteuert werden. Lediglich zur Regulierung der Lautstärke gibt es einen analogen Drehknopf in der Mittelkonsole.
Interessant dürfte der Polestar 4 SUV nicht nur durch sein sehenswertes Design – nahezu im Sinne eines klassischen Kombis – sein, sondern insbesondere durch seinen variablen Kofferraum. Das 530 Liter große Ladeabteil (vier Liter mehr als im Coupé!) lässt sich durch Umlegen der 40:60 teilbaren Rückbank auf bis zu 1.680 Liter erweitern. Das immerhin ist ein Plus von 134 Liter gegenüber der Version ohne Heckscheibe. Das Fahrwerk des Familienmodells wurde für die höheren Lasten entsprechend angepasst.
„Der Polestar 4 SUV baut auf dem dynamischen Fundament des Polestar 4 Coupé auf. Mit einer verfeinerten Fahrwerksabstimmung und einem noch direkteren Lenkverhalten bietet er das Vertrauen, die Präzision und die Fahrdynamik, die Polestar-Kunden erwarten – unter allen Fahrbedingungen“, erläutert Joakim Rydholm, Head of Driving Dynamics bei Polestar. Wer besonders glänzen will, gönnt sich die Performance-Variante.
Die neue Variante kommt noch im Herbst in den Handel. Die ersten Schiffe mit dem neuen Polestar-Modell werden gerade in China verladen.
(Mit Ergänzungen von Franz Rother)