Das Verdikt der Profis nach der ersten Probefahrt mit dem Porsche Mission R war eindeutig. „Weder Timo Bernhard noch Lars Kern haben den Verbrennungsmotor vermisst“; erzählt Matthias Scholz, Gesamtprojektleiter GT-Rennfahrzeuge bei Porsche. Und wenn man weiß, dass Rennfahrer nicht immer die besten Freunde eines Boliden mit Elektroantrieb sind (zu schwer, zu behäbig, zu lahm), ist diese Aussage der beiden Porsche-Werksfahrer schon bemerkenswert. Zumal der Renner einen Ausblick auf den GT-Rennsport der Zukunft gibt. Zukunft – das heißt in diesem Fall 2026.

Die Studie ist also keine bloße Fingerübung gelangweilter Ingenieure, sondern der Ausblick auf einen künftigen E-Markenpokal, der in einigen Jahren an die Stelle des Super-Cups treten könnte. Dieser wird heute noch mit benzingetriebenen Hochleistungs-Sportwagen vom Typ 911 GT3 ausgetragen.

Allradantrieb mit 800 kW Leistung

Die Rahmendaten des vollelektrischen Porsche Mission R sind jedenfalls vielversprechend und klingen schon ziemlich real: Allradantrieb mit einer Leistung von insgesamt 800 kW (1.089 PS), aufgeteilt in 420 kW (571 PS) an der Hinterachse und 380 kW (517 PS) Leistung vorne – bei einem Gewicht von unter 1,5 Tonnen.

Ausblick auf die nächste Generation des Porsche 911
Mit der Konzeptstudie „Mission R“ gibt Porsche nicht nur eine Vorstellung, wie künftig Autos für den vollelektrischen Kunden-Rennsport aussehen könnten. Sie stimmt auch auf die nächste Generation des Sportwagenklassikers 911 ein. Foto: Porsche

„Bis zum Start der Rennserie wollen wir um die 1.430 Kilogramm erreichen“, erzählt Scholz. Dazu kommt eine Batterie mit einer Kapazität von 80 bis 85 Kilowattstunden. Geladen wird mit 900 Volt. Damit sind die Akkus in 15 Minuten zu 80 Prozent gefüllt. Momentan tüfteln die Techniker noch an den Zellen, mit den Ziel, deren inneren Widerstand zur verringern. Um die Ladeleistung weiter zu erhöhen, aber auch die Reichweite der Rennwagen noch zu verbessern. Immerhin soll ein Kräftemessen auf der Rennpiste von 30 bis 40 Minuten möglich sein. Das wäre genau die Länge eines Laufs des aktuellen Porsche Supercups, der aber, so wird versichert, vorerst weiter bestehen soll.

Aktive Aerodynamik und Rekuperation per Pedal

Der Porsche Mission R ist schon sehr real, was die Rennporttechnik angeht. Denn der GT-Bolide ist austariert wie ein japanisches Samuraischwert. „Beim Rennsport geht es um Agilität und nicht ums Tempobolzen. Das Auto soll Spaß machen“, macht Scholz klar.

Rekuperiert wird fast nur mit der Vorderachse. Allerdings nicht wie im Pkw automatisch, sobald man vom Gas geht, sondern nur dann, wenn der Pilot in die Eisen steigt. Da bei einem Rennen oft und hart gebremst wird, ergibt dieses Konzept durchaus Sinn, um die Reichweite zu verlängern.

Dazu gehört auch die aktive Aerodynamik mit verstellbaren Kühlergrill-Jalousien und einem variablen Heckspoiler. Bei der Entwicklung des Fahrzeugs agierten Designer und Ingenieure vom ersten Bleistiftstrich an Hand in Hand. „Das war eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Man nimmt viel mit für die Serie. Wir hatten die Realisierbarkeit immer im Blick“, sagt Peter Varga, der beim Zuffenhausener Sportwagenbauer das Exterieur-Design leitet und uns auf ein kleines Detail hinweist: „Der Mission R ist der erste Porsche, bei dem der Markenschriftzug dreidimensional ist.“

Der macht sich ganz schön breit
Der Porsche „Mission R“ verfügt nicht nur über einen vollelektrischen Allradantrieb, sondern auch über eine aktive Aerodynamik: Der Fahrer kann die Stellung des Heckspoilers im Rennen variieren. Michelin steuerte spezielle Öko-Reifen dazu. Foto: Porsche

Damit die Leistung auch über die Renndistanz immer wieder abgerufen werden kann, schauten sich die Ingenieure jedes Bauteil genau an. Die Batterie und die beiden Elektromotoren bekommen eine optimierte Öl-Direktkühlung. „Da gehen wir einen Schritt weiter als die Serie“, erklärt Scholz. Durch den verbesserten Kühlkreislauf konnte unter anderem die Drahtwicklung der E-Maschine noch enger gezogen werden.

Reifen und Karosserieteile aus nachwachsenden Rohstoffen

Die Kraft kommt durch spezielle Michelin Öko-Slicks auf den Asphalt, die aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt werden und einen äußerst geringen Rollwiderstand aufweisen. Auch die Innenseiten der Türen, die Sitzschale und einige Karosserieanbauteile sind aus Naturfaser-verstärktem Kunststoff (NFK). So etwas kommt beim grünen Messe-Publikum sicher gut an.

Das Interieur wurde in enger Zusammenarbeit mit den Rennfahrern entwickelt und weist ebenfalls einige interessante Lösungen auf. Am auffälligsten ist der Sicherheitskäfig aus Carbon, der Teil des Daches ist und wie ein Exo-Skelett erscheint.

Ein anderes Detail dürfte die jungen Augen der E-Sport-Gaming-Gemeinde strahlen lassen: Der Fahrersitz inklusive Pedalen ist als ein Modul konzipiert, das auch leicht als Teil eines Rennsportsimulators in den eigenen vier Wänden eingesetzt werden könnte.

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