Der Dienstwagen von Bundeskanzler Olaf Scholz? Ist aktuell ein allradgetriebener Mercedes S680 Guard, der von einem durstigen V12-Benziner angetrieben wird und nach Angaben des Herstellers auf 100 Kilometern 442 Gramm CO2 in die Luft bläst. Klimaminister Robert Habeck von den Grünen nutzt das gleiche Modell aus dem Fuhrpark des Bundeskriminalamts – elektrisch sind da nur die Sitzverstellung und die Fensterheber.

Elektroautos nutzen derzeit lediglich Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und Umweltministerin Stefanie Lemke. Der eine einen Audi e-tron Sportback 55, die andere einen Mercedes EQC 400. Alle übrigen Ministerr blieben bislang dem Verbrenner treu – aus Sicherheitsgründen. Denn Panzerwagen mit einem Stecker waren bisher allenfalls als Plug-in Hybride verfügbar. Ein schwer gesichertes Auto ab Werk, in dem sich Spitzenpolitiker vorbildlich vollelektrisch und damit zumindest lokal emissionsfrei kutschieren lassen könnte, suchte man bisher im Neuwagenangebot der deutschen Fahrzeughersteller vergeblich.

Unter Dauerbeschuss 
BMW hat das neue Fahrzeug der Schutzklasse VR9 umfangreichen Sicherheitstests unterzogen. Unter anderem einem Beschuss mit automatischen Waffen. Fotos: BMW
Unter Dauerbeschuss
BMW hat das neue Fahrzeug der Schutzklasse VR9 umfangreichen Sicherheitstests unterzogen. Unter anderem einem Beschuss mit automatischen Waffen. Fotos: BMW

Das ändert sich nun endlich. BMW ist der erste Großserienhersteller, der mit dem vollektrischen i7 eine Luxuslimousine auch als Schutzfahrzeug ins Lieferprogramm aufnimmt. Für den standesgemäßen Antrieb sorgen hier zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse mit einer Gesamtleistung von 400 kW (544 PS) und 745 Nm Drehmoment. Aus dem Stand geht es damit in 9,0 Sekunden auf Tempo 100 und bei Tempo 160 wird elektronisch abgeriegelt – schneller als 130 km/h möchte die „Fortschritts“-Koalition ja ohnehin keinen mehr über die Autobahn flitzen sehen. Der Normverbrauch beträgt allerdings 30,0 kWh/100 Kilometer – die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen erhöhen deutlich das Fahrzeuggewicht und darüber den Verbrauch.

Mit Löschanlage und Soundsystem

Gefertigt wird das 5,39 Meter lange Fahrzeug der Schutzklasse VR9 in Handarbeit im BMW-Stammwerk Dingolfing, die ersten Auslieferungen sollen schon im Dezember stattfinden. Für die Sicherheit der exponierten Insassen sorgen eine selbsttragende Karosseriestruktur aus Panzerstahl, kombiniert mit speziell gesicherten Türen, einer Unterboden- und Dachpanzerung sowie Sicherheitsverglasung. Die Verglasung erfüllt nach Angaben von BMW die Anforderungen der höchsten Widerstandsklasse VPAM 10 für zivile Sonderschutzfahrzeuge.

Nur keine Angst 
Schussischere Scheiben schützen die Insassen des handgefertigten BMW i7 in der Panzerversion. Die Verglasung erfüllt die Anforderungen der höchsten Widerstandsklasse VPAM 10 für zivile Sonderschutzfahrzeuge.
Nur keine Angst
Schussischere Scheiben schützen die Insassen des handgefertigten BMW i7 in der Panzerversion. Die Verglasung erfüllt die Anforderungen der höchsten Widerstandsklasse VPAM 10 für zivile Sonderschutzfahrzeuge.

Optisch unterscheiden sich die Panzerversion kaum von einem normalen BMW i7. Zu erkennen ist die Sonderklasse lediglich an den dickeren und somit dunkleren Sicherheitsscheiben, die nunmehr auch vorne beheizt werden können: Die politische Großwetterlage ist nicht nur in Deutschland frostiger geworden. Immerhin verfügt das Auto über ein sogenanntes „Pax“-System. So nennt BMW einen 20-Zoll-Radsatz, bei dem die Reifen über Notlaufeigenschaften verfügen. Nach Reifenplatzern ist damit eine Weiterfahrt möglich.

Im Innenraum und bei den Fahrerassistenzsystemen halten sich die erkennbaren Unterschiede der Panzerversion zum Serienauto ebenfalls in Grenzen. Hier wie da gibt es unter anderem klimatisierte Komfortsitze vorne wie hinten, Rollos rundum und ein hochwertiges Soundsystem von Bowers & Wilkins. Auf Kundenwunsch werden die Sonderfahrzeuge exklusiv mit Blaulichtanlagen, Flashern, Frischluft- oder Löschanlage sowie einer Gegensprechanlage nebst Standartenhalter ausgestattet: Präsidenten, Kanzlern und Ministern sollen auf Reisen mit dem neuen Elektroauto durch nichts gebremst werden können.

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2 Kommentare

  1. HaJo

    Daran erkennen wir, wie irreführend der derzeitige Kenntnisstand ist. Jedem ist doch sofort klar, dass es nicht sein kann, wenn die Angabe 700 l Diesel auf 100 km lautet, Wir sind noch weit weg von jedem Verständnis für die aktuelle Diskussion. So hat mir neulich ein Kollege vorgerechnet, dass der CO2 Verbrauch eines Elektro KFZ höher sei, als der eines Verbrenners.

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  2. Alex

    Mein Respekt an Firma Mercedes Benz. Weniger als 1/2 KG CO2 auf 100 km. Mein Opel kommt da auf über 15 KG.

    Ich bin begeistert. Weiter so Mercedes !

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