BMW baut sein Portfolio an Elektroautos weiter aus: Auf den iX1, die vollelektrische Variante des weiterhin konventionell angetriebenen Kompakt-SUV X1, folgt nun konsequenterweise der iX2 – die Fließheckversion des Crossover. Die Verwandtschaft der beiden Stromer erschließt sich nur auf den zweiten Blick. Insbesondere die Seitenlinie und das Heck sind kaum wiederzuerkennen. Für Kunden, die ein sportliches E-Auto suchen und bereit sind, dafür mehr Geld auszugeben, dürfte das technisch weitgehend identische SUV-Coupé eine überlegenswerte Alternative sein.

Wer sich die Leistungsdaten anschaut, mag kaum glauben, in einem Fahrzeug der Kompaktklasse unterwegs zu sein. Denn der iX2 erreicht mit einer Länge von 4,55 Metern fast schon die Maße eines Mittelklasse-Autos. Zudem bietet der elektrische iX2 xDrive 30 ein Antriebspaket, das zumindest auf den ersten Blick kaum Wünsche offen lässt.

Licht und Schatten
Mit einer Antriebsleistung von 230 kW ist die Allradversion gut aufgestellt, mit der Akkukapazität von 64,8 kWh eher nicht.
Licht und Schatten
Mit einer Antriebsleistung von 230 kW ist die Allradversion gut aufgestellt, mit der Akkukapazität von 64,8 kWh eher nicht. Fotos: BMW

Für den Vortrieb sorgt – bekannt aus dem iX1 xDrive 30 – ein elektrischer Allradantrieb, der an den beiden Antriebsachsen stattliche 230 kW oder 313 PS Leistung mit bis zu 494 Nm Drehmoment leistet. An Vorder- und Hinterachse arbeitet jeweils ein kompakter Elektromotor mit der internen Bezeichnung eDrive 5.0 M170 SF, der allein schon eine Maximalleistung von 140 kW (190 PS) und ein maximales Drehmoment von 247 Nm aufbringt. Kein Wunder, dass beim Spurt auf Tempo 100 gerade einmal 5,6 Sekunden vergehen. Stören könnte sich allerdings der einen oder andere daran, dass die Höchstgeschwindigkeit 180 km/h beträgt: Da ist ein zumindest indirekter Wettbewerber wie das Tesla Model Y mit einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h deutlich schneller zu bewegen.

64,8 kWh-Akku muss reichen

Ganz ähnlich sieht es mit dem Energievorrat des iX2 aus. Denn das Akkupaket im Unterboden mit einer Kapazität von 64,8 kWh reicht bei einem Normverbrauch von 16,3 bis 17,7 kWh/100 Kilometern gerade mal für eine Reichweite von 417, im reinen Stadtverkehr von 449 Kilometern. Im Alltagsbetrieb dürften daraus bei winterlichen Temperaturen oder sportlicher Fahrweise wohl eher um die 300 Kilometer werden. BMW sollte deshalb zumindest ein größeres zweites Akkupaket als Alternative anbieten: Wettbewerber wie der Audi Q4 e-tron Sportback, der VW ID.5 GTX oder ein Skoda Enyaq mit einer ähnlichen Antriebsleistung haben Akkupakete mit immerhin 77 kWh Speicherkapazität an Bord, was Reichweiten von bis zu 520 Kilometern möglich macht.

Hingucker 
Die BMW-Designer haben gute Arbeit geleistet. Für den iX2 haben sie auch eine attraktive Farbpalette aufgelegt.
Hingucker
Die BMW-Designer haben gute Arbeit geleistet. Für den iX2 haben sie auch eine attraktive Farbpalette aufgelegt.

Bei der Ladegeschwindigkeit ist die halbe Stunde, die es dauert, das Batteriepaket zwischen den beiden Antriebsachsen von 10 auf 80 Prozent aufzuladen, ebenfalls kaum beeindruckend. Bei einem Elektroauto dieser Preisklasse erwartet man im Jahr 2024 mehr als eine maximale Ladeleistung von 130 Kilowatt. Selbst ein VW ID.3 Pro S ist da inzwischen mit 135 kW besser aufgestellt.

Sportlich-straffes Fahrwerk

Schon eher punkten kann der BMW iX2 xDrive 30 beim Fahrverhalten. Das 2,1 Tonnen schwere Elektromodell federt betont straff und sportlich an, bietet eine gute Rückmeldung von der Fahrbahn und die Lenkung ist ebenfalls angenehm direkt sowie präzise. Das machen viele Wettbewerber deutlich schlechter.  Das gilt auch für den Sitzkomfort. Die gut konturierten Sportsitze, auf Wunsch zumindest vorne beheizbar und elektrisch zu verstellen, bieten nicht nur guten Seitenhalt, sondern auch angenehmen Langstreckenkomfort. Gegen Aufpreis kann sich der Fahrer sogar auf längeren Touren vom Sitz massieren lassen.

Ohne Platznot 
Auch im Fond des BMW iX2 sitzt es sich ganz kommod. Wünschen würde man sich nur eine Sitzheizung für den Winter.
Ohne Platznot
Auch im Fond des BMW iX2 sitzt es sich ganz kommod. Wünschen würde man sich nur eine Sitzheizung für den Winter.

Etwas überraschend für ein Elektromodell gibt es eine Sitzheizung aber nur für die Insassen in der ersten Reihe – die Fondpassagiere müssen darauf verzichten. Das Platzangebot vorne wie hinten passt ebenso wie Zahl und Größe der Ablagen. Etwas umständlich ist die Smartphone-Halterung in der Mittelkonsole hinter einem Klappbügel. Auch dürften die Displays gerne etwas größer sein. Der 525 Liter große Laderaum lässt sich durch Umlegen der 40:20:40 teilbaren Rückbank auf bis zu 1.400 Liter erweitern. Hier bietet die leicht abfallende Dachlinie des SUV-Coupés kaum praktische Nachteile.

1500 Euro teuer als der BMW iX1

Mindestens 56.500 Euro ruft BMW für den iX2 xDrive30 auf, mit ein paar Extras sind schnell 70.000 Euro erreicht. Die Preise für den 150 kW starken und frontgetriebenen iX2 eDrive 20 starten bei 49.400 Euro. Das sind 1500 Euro mehr als für das gleichstarke Schwestermodell iX1 – wer sportlich daherkommen will, muss es sich leisten können.

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