Eines muss man den Chinesen lassen: Sie lernen schnell aus ihren Versäumnissen. Ein gutes Beispiel ist BYD. Nachdem es mit den reinrassigen Elektroautos in Deutschland noch nicht so wie erwartet läuft, schwenkt der Autobauer aus Shenzhen um. Er baut ein eigenes Händlernetz auf – und bringt nun verstärkt Plug-in-Hybride ins Herz Europas. Nach dem Seal 6 erhält auch das kompakte SUV Atto 2 diesen Antriebsstrang, bei dem ein Verbrenner und ein Elektromotor zusammenarbeiten. Nebenbei ersparen sich die Chinesen so den Strafzoll der EU für Elektroautos und kommen auf eine höhere Gewinnspanne als bei der weiterhin angebotenen vollelektrischen Version, die bei 31.990 Euro startet.

Allerdings betonen die Chinesen immer wieder, dass man die Hybriden als Brückentechnologie betrachtet, um die erzkonservativen und innovationsskeptischen Teutonen an die pure Elektromobilität heranzuführen. DM-i steht für „Dual Mode – intelligent“. Hinter den drei Buchstaben steht eine Hybridarchitektur, die je nach Bedarf zwischen rein elektrischer, serieller oder paralleler Funktionsweise wechseln kann. Immer unter der Prämisse, dass der Atto 2 möglichst rein elektrisch unterwegs sein soll.

Emissionsfrei im Alltagsverkehr
Der Plug-in-Hybrid hat in der Topversion eine LFP-Blade-Batterie mit einer Kapazität von 18 kWh an Bord, die für eine elektrische Reichweite von 90 Kilometern gut sein soll. Zusammen mit dem Inhalt des 45-Liter-Tanks kommt der SUV 1000 Kilometer weit.
Emissionsfrei im Alltagsverkehr
Der Plug-in-Hybrid hat in der Topversion eine LFP-Blade-Batterie mit einer Kapazität von 18 kWh an Bord, die für eine elektrische Reichweite von 90 Kilometern gut sein soll. Zusammen mit dem Inhalt des 45-Liter-Tanks kommt der SUV 1000 Kilometer weit.

Deshalb hat die 145 kW starke E-Maschine auch ausreichend Kraft, um allein für einen flotten Vortrieb zu sorgen. Der 1,5‑Liter-Vierzylinder‑Motor mit 98 PS Leistung, der im Atkinson-Zyklus arbeitet und deshalb auf einen Wirkungsgrad von immerhin 43 Prozent kommt, lediglich die Rolle des Steigbügelhalters spielt. Die primäre Antriebsquelle aber ist der Elektromotor, der von einer LFP-Blade-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit einer Netto-Kapazität von 18 Kilowattstunden gespeist wird. Der Verbrenner springt hauptsächlich zum Laden beziehungsweise zur Unterstützung bei höherer Last an.

„Boost“-Variante für weniger als 40.000 Euro

Diese klare Rollenverteilung wird auch auf der Straße deutlich. Denn der Atto 2 fährt sich die meiste Zeit wie ein Elektroauto – sehr entspannt und leise. Nur wenn man die Systemleistung von 156 kW oder 212 PS mit einem beherzten Tritt auf das Gaspedal abrufen will, wird das Vorankommen zäher. Der Ottomotor meldet sich dann hörbar und der Vortrieb verliert an Verve. Kitzelt man alles aus dem Atto 2 PHEV heraus, erreicht der Crossover nach 7,5 Sekunden Landstraßentempo und ist bis zu 180 km/h schnell. BYD gibt den Verbrauch mit 5,1 l/100 km Sprit und 1,8 kWh/100 km Strom an. Bei unserer Testfahrt summierten sich laut Bordcomputer 6,1 l/100 km und ein Stromverbrauch von 2,0 kWh/100 km.

Freie Wahl 
Per Druckschalter auf der Mittelkonsole kann der Fahrer wählen, ob er allein mit Strom rollt oder den Verbrenner zuschaltet. Fotos: BYD
Freie Wahl
Per Druckschalter auf der Mittelkonsole kann der Fahrer wählen, ob er allein mit Strom rollt oder den Verbrenner zuschaltet. Fotos: BYD

Das bringt uns zum nächsten Pfund, mit dem der chinesische Autobauer wuchert. Angeblich soll der BYD Atto 2 als Plug-in-Hybrid eine Gesamtreichweite von 1.000 Kilometern erreichen. Das würde ihn zu einer echten Alternative für Dieselfahrer machen. Mit einem Akkuladestand von 27 Prozent lag die Gesamtreichweite noch bei 901 Kilometern – beachtlich. Das zeigt, dass der BYD-Ansatz, den Verbrenner die meiste Zeit zum Range Extender zu degradieren, funktioniert und man mit dem BYD Atto 2 DM-i lange Strecken locker angehen kann. Dazu trägt auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk bei. Die leichtgängige Lenkung ist ebenfalls mehr auf Komfort denn auf Sportlichkeit getrimmt. Gefallen können ebenfalls die Sitze, deren Beinauflage zwar weiterhin kurz ausfällt, aber mehr Seitenhalt bieten als die in anderen BYD-Modellen.

Viel Luft und eine großzügige Ausstattung

Allerdings muss man sich dafür die sogenannte Boost-Variante für mindestens 38.990 Euro leisten – exakt 4000 Euro mehr als für die vollelektrische Ausführung des Atto 2 mit gleicher Ausstattung. Denn nur die Boost-Version ist mit der größeren Batterie ausgestattet. Die preiswertere Active-Variante hat eine Batterie mit einer Nennkapazität von nur 7,8 kWh an Bord und kommt deshalb auf eine elektrische Reichweite von lediglich 40 Kilometern.

Auch die Antriebsleistung von 122 kW oder 166 PS ist nicht zwingend für Autofahrer geeignet, die gerne flotter unterwegs sind. Zudem ist die Ladeleistung an der Wallbox bei der kleineren Batterie mit 3,3 kW ziemlich bescheiden. Allerdings sind 6,6 kW beim Topmodell auch wenig berauschend. Hier wie da braucht es drei Stunden, um den Energiespeicher von 15 auf 80 Prozent aufzufüllen. In der Top-Version lassen sich immer über einen V2L-Adapter Haushaltsgeräte mit Strom versorgen.

Im Stil der Zeit
Die Verarbeitung ist gut, und die Materialien wirken wertig. Das bei der Boost-Variante serienmäßige Panorama-Glasdach gefällt uns, denn es lässt in der grauen Winterzeit zusätzliches Licht in die Fahrgastzelle.
Im Stil der Zeit
Die Verarbeitung ist gut, und die Materialien wirken wertig. Das bei der Boost-Variante serienmäßige Panorama-Glasdach gefällt uns, denn es lässt in der grauen Winterzeit zusätzliches Licht in die Fahrgastzelle.

Ein weiteres Plus des BYD Atto 2 ist das großzügige Platzangebot: Trotz einer Länge von 4,33 Metern lässt es sich auch im Fond bequem sitzen. Der Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen von 425 bis 1.335 Litern ebenfalls ansehnlich. Im Innenraum spielt der BYD-Crossover seine Stärken aus. Die Verarbeitung ist gut, und die Materialien wirken wertig. Das bei der Boost-Variante serienmäßige Panorama-Glasdach gefällt uns, denn es lässt in der grauen Winterzeit zusätzliches Licht in die Fahrgastzelle.

Verkauf startet im Januar

Innen folgt der Atto 2 DM-i dem bekannten BYD-Ambiente, wie man es bereits vom Seal 6 DM-i kennt. Das Ambiente ist luftig mit einigen Ablagen. Vor dem Fahrer befindet sich ein 8,8-Zoll-Display, in der Mitte dominiert der 12,8-Zoll-Touchscreen. Auch die Bedienlogik unterscheidet sich nicht von der anderer BYD-Modelle wie dem Seal 6. Also bleibt die Menüführung bisweilen etwas verschachtelt. Eine Gestensteuerung und ein KI-Sprachassistent sollen die Bedienung erleichtern.

Die Serienausstattung passt. Bereits in der Basisausstattung sind vier USB-Typ-C-Ladeanschlüsse an Bord, Parksensoren hinten mit Rückfahrkamera, adaptive Geschwindigkeitsregelung sowie ein digitaler Schlüssel, der den Zugang zum Auto über ein Smartphone oder ein tragbares Gerät ermöglicht. Bei „Boost“ kommen noch 17-Zoll-Alufelgen, Parksensoren vorn, eine 360-Grad-Kamera, beheizbare und elektrische Vordersitze, ein beheizbares Lenkrad, getönte Scheiben hinten, ein Panoramadach mit elektrisch verstellbarer Sonnenblende sowie eine Smartphone-Ablage zum kabellosen Laden mit 50 Watt hinzu. Verkaufsstart ist im Januar.

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