Wer mit Kindern unterwegs ist, kennt das: Das Budget ist oft knapp, der Platzbedarf dafür umso größer. Wenn dann noch der Wunsch nach einem lokal emissionsfreien Elektroauto dazukommt, wird die Luft auf dem Automarkt schnell dünn. Genau in diese Lücke stößt der chinesische Autobauer BYD („Build Your Dreams“) mit dem Dolphin Surf. Wir haben uns die mittlere Ausstattungsvariante (mit dem großen 43,2-kWh-Akku) geschnappt – in einem unübersehbaren und kostenlosen Kanariengelb.

Von außen ist der Dolphin Surf ein klassischer Kleinwagen. Er misst auf den Millimeter genau 3,99 Meter – bleibt also ganz knapp unter der magischen Vier-Meter-Marke, die in der EU für die geplante neue Fahrzeugklasse M1E vorgesehen ist. Doch der erste Pluspunkt sammelt der Wagen direkt beim Einsteigen: Das Platzangebot im Innenraum ist phänomenal. Dass man in einem knapp vier Meter kurzen Auto selbst als großgewachsener Mitfahrer auf der Rückbank derart viel Beinfreiheit hat, ist ein echtes Kunststück.

Maßarbeit 
Trotz einer von knapp vier Metern bietet der BYD Dolphin Surf erstaunlich viel Platz. Und das nicht nur in der ersten Sitzreihe, sondern auch für zwei Passagiere im Fond.
Maßarbeit
Trotz einer von knapp vier Metern bietet der BYD Dolphin Surf erstaunlich viel Platz. Und das nicht nur in der ersten Sitzreihe, sondern auch für zwei Passagiere im Fond.

Überraschend hochwertig geht es auch bei den Materialien zu. Die sportlichen Sitze aus veganem Kunstleder sind bequem und der Innenraum wirkt durchweg solide verarbeitet. Ein echtes Gimmick für die Kids (und zugegeben auch für uns Erwachsene): Der riesige Touchscreen in der Mittelkonsole lässt sich auf Knopfdruck um 90 Grad vom Quer- ins Hochformat drehen.

Komfortabler Cruiser mit Hang zum Hüpfen

Fährt sich der kleine Delphin denn auch so gut, wie er von innen aussieht? Die Straßenlage ist ganz klar auf Komfort getrimmt. Für den Alltag in der Stadt und das entspannte Mitschwimmen auf der Landstraße ist das wunderbar. Wer es allerdings etwas eiliger hat oder an der Ampel zu stark aufs Strompedal tritt, merkt schnell, dass die werksseitigen, auf Effizienz getrimmten Eco-Reifen (besonders bei Nässe) rasch an ihre Traktionsgrenzen stoßen. Auf tiefen Kanaldeckeln oder groben Unebenheiten zeigt sich das Fahrwerk an der Hinterachse zudem manchmal etwas bockig und unruhig. Ein Sportwagen ist der Dolphin Surf definitiv nicht – will er bei seiner Zielgruppe aber auch gar nicht sein.

Beding autobahntauglich 
Bis zu 350 Kilometer kommt der Elektro-Zwerg in der Theorie. Geht es über die Autobahn, bleiben davon etwa 200 Kilometer übrig.  Ein größeres Handicap aber ist die bescheidene Ladeleistung von 85 kW - da wünscht man sich auf der Fernfahrt deutlich mehr.
Beding autobahntauglich
Bis zu 350 Kilometer kommt der Elektro-Zwerg in der Theorie. Geht es über die Autobahn, bleiben davon etwa 200 Kilometer übrig. Ein größeres Handicap aber ist die bescheidene Ladeleistung von 85 kW – da wünscht man sich auf der Fernfahrt deutlich mehr.

Erfreulich genügsam gibt sich der Dolphin Surf im Fahrbetrieb. Wir kamen bei unseren Probefahrten in der Stadt, über Landstraße und bei zwei Fernfahrten über die Autobahn auf einen Durchschnittsverbrauch von 16,5 kWh pro 100 Kilometer. Damit liegt der reale Durst erfreulich nah an der offiziellen WLTP-Werksangabe (15,6 kWh/100 km). Das ist zwar kein absoluter Effizienz-Rekord, geht aber für das gebotene Platzangebot und die Batteriegröße aber völlig in Ordnung.

Wenn das Menü zum Labyrinth wird

So cool der rotierende Bildschirm im Cockpit auch ist, bei der Bedienung trübt sich das Bild ein wenig. Die Menüführung ist nicht gerade logisch aufgebaut, viele wichtige Funktionen verstecken sich tief in Untermenüs. Weil zudem physische Tasten für die Klimaanlage fehlen, lenkt das während der Fahrt ordentlich ab. Obendrein ist die Schriftgröße auf dem ohnehin schon kompakten Display teilweise so klein geraten, dass man schon sehr genau hinsehen muss.

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Apropos hinsehen: Das sollte man beim Dolphin Surf unbedingt auf die Reichweite tun. Wir mussten nämlich auf die harte Tour lernen, dass die Laderoutenplanung des BYD extrem suboptimal ist. Anders als bei vielen Konkurrenten baut das Navi nicht automatisch sinnvolle Ladestopps in die Route ein. Die Mahnung des Systems, doch bitte langsam mal eine Ladesäule aufzusuchen, kam bei uns schlichtweg zu spät.

Das Drama auf der Autobahnausfahrt

Das bittere Ende vom Lied: Wir sind kurz vor Mitternacht mit unserem kanariengelben Flitzer tatsächlich auf einer Autobahnausfahrt gestrandet, 300 Meter vor dem nächsten Schnelllader und direkt an einer Ampelanlage. Nichts ging mehr. Nach kurzer Zeit schaltete sich sogar die Warnblinkanlage aus, da sie von der 12-Volt-Batterie nicht mehr mit Strom versorgt wurde. Dankenswerterweise sicherten freundliche Polizeibeamten mit ihrem Streifenwagen das Fahrzeug ab, während wir auf den ADAC warteten und per Smartphone im Internet die Bedienungsanleitung für den Dolphin studierten.

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Technische Daten BYD Dolphin Surf „Boost“

Antrieb: Elektrischer Frontmotor mit einer Spitzenleistung von 65 kW (88PS);
0-100 km/h: 12,1 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h;
Energiespeicher: LFP-Akku mit 43,2 kWh Kapazität; Reichweite (WLTP-Norm) 322 km;
Max. Ladeleistung: 11 kW (AC), 85 kW (DC); Ladezeit 10-80 % SoC: 30 Minuten;
Länge/Breite/Höhe (mm): 3990/1720/1590; Radstand (mm): 2500; Kofferraumvolumen: 308/1037 l;
Listenpreis: 26.990 Euro; Aktionspreis (bis 31.3.2026): 21.540 Euro.

Und siehe da: Da finden wir auch eine Möglichkeit, den Stromer zu reaktivieren. Noch ehe der Abschleppwagen eingetroffen war, lebte der Dolphin plötzlich wieder auf, entriegelte den Kofferraum und signalisierte Fahrbereitschaft. Die kurze Strecke zur Ladestation konnten wir danach im Schritttempo und unter dem Schutz der Polizei mit eigener Kraft zurücklegen. Glück gehabt.

Ende der Dienstfahrt 
Noch fünf Kilometer Restreichweite hatte der Dolphin, als im Display die Aufforderung auftaucht, eine Ladestation aufzusuchen. Beim Stopp an der nächsten Ampelanlage stellt dann erst der Antrieb des Dolphin, dann auch das Bordnetz die Arbeit ein - plötzlich stehen wir ungesichert im Dunkeln in der Autobahnausfahrt. Eine Polizeistreife verhindert Schlimmeres. Fotos: Rother
Ende der Dienstfahrt
Noch fünf Kilometer Restreichweite hatte der Dolphin, als im Display die Aufforderung auftaucht, eine Ladestation aufzusuchen. Beim Stopp an der nächsten Ampelanlage stellt dann erst der Antrieb des Dolphin, dann auch das Bordnetz die Arbeit ein – plötzlich stehen wir ungesichert im Dunkeln in der Autobahnausfahrt. Eine Polizeistreife verhindert Schlimmeres. Fotos: Rother

Nach dem Stress störte es uns dann auch nicht mehr, dass der BYD am 300 kW-Schnelllader mit maximal 85 kW aufnahm. Eine Dreiviertelstunde dauerte es demzufolge, um den Ladestand des Akku wieder auf 80 Prozent anzuheben. Und noch an anderer Stelle zeigte sich bei der Gelegenheit der Rotstift: Man sieht dem Dolphin Surf von außen leider nicht an, ob der Strom tatsächlich fließt. Kein Licht blinkt am Ladeanschluss, kein Display auf der Haube (wie beim Renault 5 Electric) oder ein pulsierender Leuchtstreifen unter der Windschutzscheibe signalisiert die Ladeaktivitäten.

Diese Info gibt einem nur der Mini-Monitor direkt hinter dem Lenkrad. Und wer nachts im Kofferraum das Ladekabel oder das Warndreieck sucht (obwohl reichlich Platz vorhanden ist, gibt es unter der Fronthaube keinen Frunk), flucht über die fehlende Kofferraumbeleuchtung. Andere Kleinwagen zeigen hier mehr Liebe zum Detail – lassen sich das oft aber auch bezahlen.

Der Preis ist ein echter Knaller

Warum wir den Dolphin Surf am Ende trotzdem ins Herz geschlossen haben? Wegen des Preises. Es gibt ihn – vorerst bis Ende März – zu einem echten Schnäppchenpreis. 21.540 Euro ruft der Importeur aktuell für den kanariengelben Dolphin Surf in der 65 kW (88PS) starken „Boost“-Version auf. Wer sich mit einem 30 kWh großen Akku und der etwas magerer ausgestatteten Basisversion „Active“ begnügen kann, ist schon mit 18.990 Euro dabei. Und die geplante staatliche Förderung für Elektroautos von bis zu 6000 Euro ist da noch gar nicht eingerechnet. Im Idealfall könnte also der kleine Delphin bei Barkauf schon für weniger als 13.000 Euro zu haben sein. Oder für monatlich 89 Euro im privaten Leasing.

Ein Kessel Buntes
Der Hyundai Inster (rechts)  ist 17 Zentimeter kürzer als der BYD Dolphin Surf und hat einen (geringfügig) kleineren Akku, kostet aber in ähnlicher Ausstattung fast 3000 Euro mehr.
Ein Kessel Buntes
Der Hyundai Inster (rechts) ist 17 Zentimeter kürzer als der BYD Dolphin Surf und hat einen (geringfügig) kleineren Akku, kostet aber in ähnlicher Ausstattung fast 3000 Euro mehr.

Denn der Importeur hat eine eigene Elektroauto-Förderung aufgelegt, die beim Dolphin Surf – je nach Ausstattung – zwischen 4000 und 5450 Euro beträgt. Da kann kein anderer Hersteller mithalten. Der ähnlich große und ebenso pfiffig gestylte Hyundai Inster startet in der Basisausführung mit 42 kWh-Akku bei 24.400 Euro. Für den Stadt- und Regionalverkehr bietet der kleine Dolphin Surf somit schlicht das beste Preis-Leistungs-Verhältnisse auf dem Markt.

Da verschmerzt man auch kleine Schwächen im Fahrwerk oder die fehlende Lampe im Kofferraum locker. Man muss auf längeren Touren eben nur rechtzeitig selbst ans Laden denken!

Der BYD Dolphin Surf in der Kurz-Kritik

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