Urlaub auf dem Sattel ist gerade schwer angesagt. Einmal rund um den Gardasee, von Schloss zu Schloss entlang der Loire oder, ganz einfach, von Rothenburg nach Eichstätt durchs Altmühltag. Täglich werden 40 bis 60 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt, das Gepäck nimmt man mit oder (wer sich damit nicht belasten will) lässt es vom Reiseveranstalter zum nächsten Hotel transportieren.
Das neue Canyon Pathlite:ON 9 SUV wäre dafür das ideale Reisegefährt. Der Bosch Performance CX-Antrieb der fünften Generation sorgt mit einer Spitzenleistung von (nach dem jüngsten Update) bis zu 750 Watt und 85 Newtonmeter Drehmoment für Rückenwind, wenn einem der Wind kräftig ins Gesicht bläst und am Ende des Tages die Kraft der Beinmuskulatur allmählich schwindet. Und das dank eines großen Stromvorrats bis zu 100 Kilometer weit.

Das Canyon Pathlite ON:9 zählt ohne Zweifel zu den derzeit besten E-Bikes für den Alltagsverkehr auf dem Markt. Sowohl für die Fahrt zum Arbeitsplatz wie auch für Urlaubsfahrten ist es bestens ausgestattet. Der hohe Preis von 6000 Euro will aber verkraftet sein.
Ein Antiblockier-System sorgt bei dem Trekking E-Bike dafür, dass sich der Fahrer auch bei einer plötzlichen Notbremsungen auf der Bergabpassage nicht über den Lenker absteigt. Aber das Schönste ist, dass eine Automatik auf jeder Tagesetappe aus den zwölf zur Verfügung stehenden Gängen der Kettenschaltung aufgrund von Trittfrequenz, der Fahrgeschwindigkeit und dem Druck auf die Pedale stets die ideale Übersetzung findet und selbständig die Kette auf das passende Ritzel wirft. Und zwar blitzschnell und ganz harmonisch. Die „eShift“ genannte elektrische Schalthilfe von Bosch macht’s möglich.
Da fehlt einfach nichts
Zugegeben: Mit 27,3 Kilogramm tritt das zweirädrige Elektro-SUV mit seinem feinverschweißten Aluminiumrahmen nicht gerade im Fliegengewicht an. Und den Preis von 6.199 Euro für das Topmodell der Baureihe mit dem 800 Wh-Akku muss man sich schon leisten können. Aber dafür fehlt dem E-Bike dann auch wirklich an nichts. Weder an einer leuchtstarken Supernova-Lichtanlage, noch an einer komfortablen Federgabel mit 120 Millimeter Federweg oder einer versenkbaren Sattelstütze – für Fahrten durch holpriges Gelände oder um bei Stopps an der Ampel nicht komplett aus dem Sattel gehen zu müssen. Und wer sein Reisegepäck auf der Tour nicht aufgeben möchte, findet einen robusten Gepäckträger vor, an dem sich Packtaschen mit bis zu 27 Kilogramm Gewicht (oder auch Kindersitze) mit Quick-Lock-System blitzschnell wie bombensicher befestigen lassen.

Mit bis zu 750 Watt Leistung und 75 Newtonmeter Drehmoment unterstützt der kompakte Performance CX-Antrieb die Beinmuskulatur.
Wir durften das neue Trekking-Bike von Canyon unmittelbar nach der Fahrradmesse Eurobike im Rheinland und auf einer Tour durch die benachbarte Niederlande ausgiebig testen – und waren schwer beeindruckt. Einerseits von der hohen Qualität des E-Bikes und seiner Komponenten. Aber auch vorher schon: Vom hohen Standard, mit dem das Koblenzer Unternehmen die im Internet konfigurierten Fahrräder an seine Kunden verschickt: vormontiert in einer stabilen Kiste aus Pappkarton, mit detaillierter Beschreibung und sogar den für den Aufbau nötigen Werkzeugen. Sogar eine Dämpferpumpe zum Anpassen der hochwertigen FOX-Luftfedergabel an das Gewicht des Fahrers ist beigepackt. Nur wer zwei Hände besitzt und nicht lesen kann, dürfte daran scheitern, das Fahrrad verkehrstüchtig zu machen und auf seine Größe einzustellen.
Bosch-Motor kraftvoll und leise
Bei uns dauerte es keine halbe Stunde – dann konnte schon die erste Einstellungs- und Abstimmungsfahrt stattfinden. Um die ideale Sattelhöhe zu bestimmen, den Sitz der Bremsgriffe zu justieren und die Vierkolben-Scheiben vorne und hinten einzubremsen. Und natürlich haben wir auch gleich die „Flow“-App von Bosch auf unser Smartphone heruntergeladen, um die Fahrmodi individualisieren und die Touren planen zu können. Eine Handyhalterung von SP-Connect ist serienmäßig schon am verstellbaren (!) Vorbau installiert. Also aufstecken, das iPhone um 90 Grad drehen und über die eFlow-App mit dem Antrieb koppeln – schon kann es losgehen.

Über die „Flow“-App von Bosch wird das Smartphone mit dem Bike-Antrieb gekoppelt. Anschließend lassen sich über das Display des mobilen Computers zahlreiche Informationen über Topographie, Trittfrequenz und den von der Automatik gewählten Gang abrufen. Bilder: Rother
Der Bosch-Antrieb der Performance-Line zeigt schon auf den ersten Kilometern, was in ihm steckt. Mit bis zu 400 Prozent unterstützt er am Berg die Beinmuskulatur – da verliert jede Steigung im Mittelgebirge ihren Schrecken. Und die neueste Generation der CX-Baureihe geht zudem erfreulich leise zu Werke. So braucht es schon die Klingel, um Fußgänger und Reiter auf das Nahen des E-Bikers aufmerksam zu machen.
Gangwahl ganz automatisch
Wir haben natürlich auch gleich den Fahrmodus „Auto“ eingestellt und der Schaltautomatik die Wahl der Gänge überlassen. Es war eine gute Entscheidung: Ohne dass wir die Trittfrequenz ändern mussten, pedalierten wir gleichmäßig über Asphalt und Schotterwege. Bei Erreichen der zuvor definierten Kadenz wechselte das Tektro-Schaltwerk automatisch einen Gang höher oder runter. Auch während der Rollphasen „dachte“ das System mit und schaltete je nach Fahrgeschwindigkeit vorsorglich schon mal rauf oder runter, um das Wiederanfahren zu erleichtern. Komfortabler geht es kaum.

Das Antiblockiersystem von Bosch verhindert, dass das Vorderrad bei scharfen Bremsmanövern auf Waldwegen und nassem Asphalt wegrutscht oder dass der Fahrer unfreiwillig über den Lenker absteigt. Denn die Scheibenbremse kann ganz schön bissig sein.
Für ein gutes Gefühl sorgte auch das Wissen um den kleinen Blockierverhinderer von Bosch an der 203 Millimeter großen Magura-Scheibenbremse vorne. Auf Schotterflächen, Waldböden und nassen Asphaltdecken lassen sich damit auch bei hohen Fahrgeschwindigkeiten jenseits von 25 km/h scharfe Bremsungen ohne Rutsch- und Sturzgefahr vollziehen – das ist ein enormer Sicherheitsgewinn, den man schnell nicht mehr missen mag.
Sattel könnte bequemer sein
Und sonst so? Dank seiner 2,25 Zoll breiten Maxxis-Reifen in der Größe 27,5 macht das Canyon Pathlite-SUV seinem Namen alle Ehre: Spursicher wie agil lässt es sich auf allen Untergründen auch durch schnelle Kurven bewegen. Die leicht gefederte Vario-Sattelstütze hält dabei heftigere Stöße vom Gesäß des Fahrers fern, so dass die Federung des Hinterrades nicht vermisst wird. Nichtsdestotrotz hätten wir uns einen anderen Sattel gewünscht: Der Essenza+ von Selle Royal sieht bequem aus, ist es aber auf der Langstrecke leider nicht.
Und wo wir schon meckern: Wer festen Halt auf den Pedalen sucht und ein Clicksystem scheut, sollte auch ein paar Euro noch für ordentliche Plattformpedale beiseite legen. Die mitgelieferten erfüllen nur Minimalansprüche. Und natürlich sollte noch ein kleines Budget für Fahrrad- oder Gepäckträgertaschen vorhanden sein. Das Canyon ist immerhin als Lastesel für Fahrradreisende ausgelegt und entsprechend hoch belastbar.

Mit bis zu 1500 Lumen und 21 Watt leuchtet der Supernova M99-Scheinwerfer die Fahrstrecke aus. Auf Knopfdruck auch mit Fernlicht.
Nach 400 Testkilometern können wir den Ingenieuren, die das Canyon Pathlite:ON 9 SUV konstruiert und konfiguriert haben, nur Respekt zollen – für die feine Auswahl der Komponenten und die Gesamtabstimmung des Systems. Das Trekking-Bike macht schwer Appetit auf die nächste Fahrradtour. Reichweitenangst braucht man damit partout nicht zu haben: Dank der großen Speicherkapazität des aufpreispflichtigen 800 Wh-Akkus im Unterrohr sind locker Tagesetappen in der Ebene von bis zu 100 Kilometern drin. Von Passau nach Linz auf dem Donauradweg? Warum nicht. Mit dem Canyon dürfte es ein Kinderspiel sein.