Die Detroit Motor-Show? Erst auf den Herbst 2021 verschoben, dann komplett abgesagt. Der Genfer Autosalon? Für dieses Jahr bereits gecancelt. Und ob die „GIMS“ überhaupt noch einmal stattfinden wird, steht in den Sternen. Und angeblich wackelt auch die IAA Mobility, die Anfang September erstmals in München und mit einem neuen Konzept stattfinden soll: Die Corona-Pandemie macht Europas größter Automesse ebenso zu schaffen wie die rotgrüne Stadtregierung.

Es könnte also sein, dass neue Autos und Mobilitätskonzepte in diesem Jahr nur in China – und auf der Consumer Electronic Show (CES) in den USA präsentiert werden. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen im internationalen Reiseverkehr musste aber auch die CES ihr Konzept umkrempeln: Sämtliche Produktneuheiten wurden dort in diesem Jahr rein virtuell im Internet vorgestellt.

Audi sendete vom Audi Sport-Gelände in Neuburg und ließ mit Rücksicht auf die Zuschauer in den USA den neuen Audi e-tron GT beinahe ungetarnt von Lucas di Grasi am späten Abend mitten über das Testgeländejagen. BMW demonstrierte am Beispiel des neuen iX sein neues Anzeige- und Bedienkonzept iDrive mit einem zum Fahrer hin gebogenen Informationsdisplay. Und Mercedes seinen spektakulären Hyperscreen für die neue Elektro-Limousine EQS. Und das Münchner Startup Sono Motors präsentierte den neuesten Prototyp seines SEV – Solar Electric Vehicle – namens Sion. Aber dazu kommen wir später.

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iDrive statt iPad

Das neue Bedien- und Anzeigekonzept von BMW wird im kommenden Jahr erstmals im Elektroauto i4 zu erleben sein. Auf der CES konnte man es immerhin jetzt schon einmal kurz sehen. Foto: BMW

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Großes Kino

Daimler-Chef Ola Källenius zeigte auf der CES erstmals den Hyperscreen, der im neuen Mercedes EQS die Insassen umfassend informieren und zu allerlei Online-Aktivitäten animieren soll. Foto: Daimler

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Der elektrische Reiter

Audi schickte den neuen Audi e-tron GT anlässlich der CES mit Rennfahrer Lucas di Grassi auf dem Testgelände in Neuburg auf eine spektakuläre Lichterfahrt. Foto: Audi

Das meiste zu sehen gab es jedoch bei General Motors. Ein neues Firmenlogo, das die Neuausrichtung des Konzerns auf die Elektromobilität versinnbildlichen soll – mit hellblauer statt dunkelblauer Farbe und einem schmalen Unterstrich, das an einen Elektrostecker erinnern soll. Vor allem nutzte Konchefin Mary Barra die Möglichkeiten einer digitalen Präsentation, um die neue modulare Elektro-Plattform namens Ultium im Detail vorzustellen – und einige der insgesamt 30 Elektroautos, die darauf bis 2025 entstehen sollen.

Allesamt mit Lithium-Ionen-Zellen des Technologiepartners LG Chem im Fahrzeugboden und mit Reichweiten um die 450 Meilen, also Reichweiten von rund 700 Kilometern. GM-Spezialistin Mai Cai stellte auch gleich auch noch die nächste Batteriegeneration vor, die aufgrund einer veränderten Zellchemie und einer höheren Energiedichte als Zellen heutiger Bauart Fahrten von bis zu 600 Meilen – also knapp 1000 Kilometer – ohne Ladepause möglich machen sollen.

Das schöne neue Gesicht von Cadillac
Der Elektro-SUV namens Lyrik ist das zweite Fahrzeug aus dem GM-Konzern, das von der neuen Ultium-Batterieplattform profitiert. Auf den Markt kommt es im Herbst 2022. Foto: GM

Der Autokonzern, dem noch 2006 der Vorwurf gemacht wurde, das Elektroauto EV1 der inzwischen eingestellten Marke Satur aus reiner Profitgier sterben gelassen zu haben, müht sich nun nach Kräften, diese Fehlentscheidung mit einer Flotte cool gestylter – und wie Barra versprach, erschwinglicher – Stromer vergessen zu machen. Insgesamt 27 Milliarden Dollar macht die Konzernchefin dafür locker.

Auch der Chevrolet Bolt – der hierzulande als Opel Ampera-e verkauft wurde – kriegt davon einen Teil ab. Die Reichweite des Kompaktvans war bereits im vergangenen Jahr von 238 auf 259 Meilen (417 Kilometer) erhöht worden. Im Februar gibt es nun auch noch ein Facelift, das dem Wagen unter anderem eine sportliche Optik sowie neue Sitze bringen wird. Vor allem erhält das Auto als erstes Fahrzeug aus dem Konzern das neue „Supercruise“-System, das automatisiertes Fahren auf Stufe 3 ermöglichen soll.

Die ersten Autos, die von der neuen Ultium-Plattform profitieren werden, sind der 1000 PS starke und allradgelenkte GMC Hummer EV, der zum Jahresende auf den Markt kommt – gefolgt vom Cadillac Lyric, der in der zweiten Jahreshälfte 2022 debüttieren soll. Der Elektro-SUV trägt das neue Gesicht von Cadillac und soll gegen den Audi e-tron und den Jaguar i-Pace antreten, aber auch gegen den Mercedes EQS-SUV, der ungefähr zeitgleich in Alabama vom Band laufen soll.

Auch einen Elektro-Transporter für den städtischen Lieferverkehr namens EV600 wird GM noch in diesem Jahr auf der Ultium-Plattform realisieren. Und wer weiß – vielleicht wird der Konzern mit einem Elektroantrieb und der Marke Cadillac eines ferneren Tages sogar in die Luft gehen: Auf der CES präsentierte Barra den Cadillac Vertile – einen futuristisch gestylten Quadcopter, der einen Menschen mit einer Geschwindigkeit von etwa 90 km/h durch die Lüfte transportieren soll.

Ein ähnliches, allerdings zweisitziges Flugtaxi hatten Airbus und die Audi-Tochter Italdesign bereits 2018 auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert. Ein Jahr später hatte Audi das Projekt beerdigt: Die Technik sei zu komplex hieß es damals. Vielleicht kriegt es ja GM hin. Mary Barra gab sich in der Präsentation kämpferisch: „Wir stehen in schwierigen Zeiten vor einem historischen Wendepunkt. Und wir sind entschlossen, den Wandel anzuführen.“

Wir drücken mal die Daumen.

Up in the Air
Ob der Multicopter Cadillac Vertile jemals abheben wird, steht in den Sternen. Eine Person könnte er mit einer Geschwindigkeit von bis zu 90 km/h zu Zielen in der Großstadt fliegen. Vollautomatisch und vollelektrisch, versteht sich. Foto: GM
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