Bis zu 1060 Kilometer Reichweite am Stück. Klingt nett, ähnliches hatten wir doch gerade bei BYD. Und jetzt bringt auch die chinesische Marke Changan so einen Teilzeitstromer zu uns, der mit der Chance auf finanzieller Förderung und einem offiziellen kombinierten Verbrauch von 2,03 Litern in den nächsten Wochen auf Kundenfang gehen soll. Natürlich unabhängig davon, dass so ein Plug-in-Typ in der Realität meist deutlich mehr schluckt.
Die Techniker von Changan jedenfalls schwören auf das Plug-in-Prinzip ihres 4,60 Meter langen und 1,60 Meter hohen Kompakt-SUV, der im verkaufsstarken C-Segment schließlich speziell für europäische Kunden entwickelt worden sei. „Im Alltag elektrisch und auf der Langstrecke souverän“, lautet hier der eingängige Werbeslogan der Chinesen. Für ihren Deepal SO5 PHEV versprechen sie einen Stromverbrauch von 18,0 kWh und eine rein elektrische Reichweite von 100 Kilometern. Ergo theoretisch genug, um damit in der Großstadt die ganze Woche emissionsfrei in die Firma zu pendeln.

Die EU hat zum Schutz der europäischen Autoindustrie auf Elektroautos aus China im vergangenen Jahr Strafzölle von bis zu 30 Prozent verhängt. Für Teilzeitstromer gilt das nicht: Die PHEV-Ausführung des Deepal S05 ist da eine logische Konsequenz. Statt 38.990 Euro für das BEV kann das Unternehmen für das neue Modell nun 3000 Euro weniger aufrufen – und verdient noch ordentlich dabei.
Als Plug-in-Hybrid kombiniert dieser Deepal-Fronttriebler einen permanent erregten Synchron-Elektromotor (PMSM) mit 172 kW (234 PS) Leistung mit einem 63 kW (86 PS) starken, vierzylindrigen Benziner, was summarisch eine Systemleistung von 190 kW (258 PS) bringt. Und das neue BlueCore-Hybridsystem der Marke offeriert hierzu vier flexible Antriebsmodi (rein elektrisch, seriell, parallel und reiner Verbrenner-Betrieb), die sich jeder Fahrsituationen optimal anpassen.
18,42 kWh großer Akku an Bord
Okay, bei entladener Batterie (18,42 kWh, Lithium-Eisenphosphat) verbraucht der 1,5 Liter große Vierzylinder-Benziner des immerhin 1850 kg schweren SUV dann allerdings mindestens 5,4 Liter Benzin nach aktueller WLTP-Norm. Stellt sich die Frage wie es denn mit der Ladeleistung steht? Per AC-Technologie geht es relativ flott mit 11 kW (1,5 Stunden) und an der DC-Schnellladesäule sogar mit 55 kW — hier geben sie bei Changan eine Zeit von schlanken 15 Minuten fürs Laden von 30 bis 80 Prozent an.

Optisch kommt der SUV, dessen Linien im Changan-Design-Center von Turin entstanden, mit betont klaren Proportionen und der fließenden Dachlinie ganz geschmeidig und auch für europäischen Geschmack sehr gefällig daher. Fotos: Changan
Optisch kommt dieses Auto, dessen Linien im Changan-Design-Center von Turin entstanden, mit betont klaren Proportionen und der fließenden Dachlinie geschmeidig und gefällig daher, inklusive rahmenloser Seitenscheiben. Stolz sprechen die Chinesen von „italienischer Formensprache“, die hier ja mit messbarer Effizienz verbunden sei. Grundsätzlich unterscheidet sich der Plug-in-Hybrid jedoch nur in kleinen Details von seinem vollelektrischen Pendant, sein Cockpit ist ebenso puristisch gestylt. Und mit der abnehmbaren Anhängerkupplung bleibt auch hier die Zuglast von 1600 Kilogramm identisch. Die maximale Dachlast für die Reling: 75 Kilogramm.
“Queen‘s Seat“ für die Copilotin
Auch im Innenraum geht es schick und fein zu. Alles bestens verarbeitet. Besonders nett: orangefarbene Ziernähte. Die großen Vordersitze, die sich auch belüften lassen, sind selbst für unsereins (Körpergröße 1,94 m) bequem, und die Beifahrerin – es darf auch ein Mann sein – bekommt hier mit dem „Queen‘s Seat“ (Max-Austattung) sogar eine elektrische Beinauflage fürs ultimative Herumlümmeln. Klar, der Radstand von 2,88 Metern bringt hier generell viel Beinfreiheit, selbst in der zweiten Sitzreihe.
Und auch das Standard-Ladevolumen von 552 Liter ist nicht übel, bei umgeklappten Rücksitzlehnen wächst es auf familienfreundliche 1310 Liter. Im Gegensatz zum Vollstromer ergibt sich durch die geänderte Antriebsvariante (genau, kleinere Batterie) eben deutlich mehr Laderaum. Ob es da vorn auch einen Frunk gibt, wollen Sie wissen? Im Plug-in-Hybrid leider nicht, weil dort der Platz unter der Haube leider nicht ausreicht.

Das Cockpit des Deepal bietet keine Überraschungen. Immerhin: Gestochen scharfe Informationen liefert das Head-up-Display mit Augmented Reality-Funktionen. Die Navigation auf fremden Straßen wird damit zum Kinderspiel.
Im Cockpit mittig der derzeit überall übliche Multimedia-Touchscreen, hier immerhin im 15,4-Zoll-Format, der sich freundlicherweise in einen Winkel von 15 Grad zu Fahrer oder Beifahrer neigen lässt. Coole Idee. Auffällig sind unterwegs auch seine schnellen Reaktionen (Qualcomm 8155-Chip). Und mit ein bisschen Übung erklärt sich das Menü quasi von selbst. Nervige, uns bevormundende Assistenten, die bei den Chinesen besonders beliebt sind, können per Schnellzugriff ratzfatz deaktiviert werden.
Kein Info-Display für den Fahrer
Allerdings lassen sich die Klimaautomatik, die Einstellung der Außenspiegel und weitere Dinge nicht direkt über haptische Tasten, sondern etwas umständlicher eben nur über diesen Screen und die kleinen Lenkrad-Rollis einstellen. Gewöhnungsbedürftig ist natürlich auch, dass es hier vor uns kein Fahrerdisplay gibt. Ja hallo, und die aktuelle Geschwindigkeit? Erscheint in der Basisausstattung des Autos nicht besonders prominent in dezent schwarzer Typo links oben im mittigen Touchscreen
Noch was? Ja, unsere Smartphones (zwei Ladeflächen) können wir hier mit 50 Watt auf der großen Schnellladefläche erfreulich zügig aufbrezeln. Und beim Spurwechsel wird zur Sicherheit ein Bild der jeweiligen Seite eingeblendet. Das mit 1,9 Quadratmetern ganz schön gewaltige Panorama-Glasdach (das sich leider nicht öffnen lässt) können wir bei Bedarf elektrisch ruckzuck abdunkeln, und ein HiFi-Soundsystem, der Marke aus eigener Deepal-Entwicklung sorgt mit gleich 14 Lautsprechern für ein erfreulich pralles Klangerlebnis. Und dieses auf Wunsch erhältliche, gestochen scharfe Head-up-Display mit Augmented Reality-Funktionen macht die Navigation wirklich zum Kinderspiel. Ja, ein beheizbares Lenkrad gibt es auf Wunsch auch. Und eine beheizbare Windschutzscheibe.
Feintuning erfolgte in Birmingham
Wie er sich denn fährt? Naja, typisch moderner Teilzeitstromer. Hängt gut an Strom und Gas, wirkt bemerkenswert angenehm gefedert und gedämpft. Bleibt mit der geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung selbst in schnellen Kurven schön exakt auf der Ideallinie, und mehr Power brauchen wir (wie heutzutage fast immer) eigentlich nicht. Beste Grüße nach Birmingham zum Changan-eigenen technischen Entwicklungszentrum, denn dort haben die Engländer die harmonische Europa-Abstimmung übernommen. Tatsächlich hat man hier akustisch permanent das Gefühl elektrisch zu fahren, und die Übergänge zwischen Stromer und Verbrenner sind nicht zu spüren. Alles so smooth und leise.

Wie wir hören, soll es mit dem ersten Facelift klassische Bügeltürgriffe geben – Klappgriffe werden in China bald verboten.
Dass die Rücksitzlehnen nur im billigen Verhältnis 60:40 und nicht in der praktischeren Relation 40:20:40 umlegbar sind, lassen wir mal durchgehen. Und natürlich hätten wir uns wie verrückt über ein paar richtige Türgriffe statt dieser Klappversionen gefreut. auf die wir uns im Falle eines Crashs nicht unbedingt verlassen würden. Wie wir hören, soll es hier aber spätestens mit dem ersten Facelift klassische Bügeltürgriffe geben, die dann übrigens ohnehin in China vorgeschrieben sind.
Preise ab 35.990 Euro aufwärts
Zur Testerei: Rein elektrisch konnten wir auf unserer nur knapp 40 Kilometer langen, erlaubten Testtour (maximal 90 Minuten waren möglich) nicht weit kommen, denn der Ladezustand der Batterie des Testwagens lag beim Start bei nur 34 Prozent. Grundsätzlich aber hat uns dieser Hochsitzer durchaus gefallen, passt garantiert für die gängige Familie. Kein aufregender Kampfgenosse für die Rennstrecke, aber ein forscher Typ für alle Gelegenheiten mit genügend Dampf auf der Rolle.
Preislich liegt dieser Plug-in-Hybrid durchaus reizvoll. Die Pro-Version verlangt ab September nach mindestens 35.990 Euro. Die Topvariante Max ist dann ab 38.990 Euro zu haben. Die Basisversion Pro hat da immerhin schon eine Menge Features serienmäßig an Bord: sämtliche aktuellen Fahrer-Assistenzsysteme, die elektrische Sitzverstellung, Klimaautomatik, 18-Zoll-Leichtmetallräder, Online-Navigation und mehr. Die Max-Variante offeriert zudem unter anderem das tolle Head-up-Display, die beiden Smartphone-Ladeflächen und die beheizbare Windschutzscheibe. Der Clou: Als „Einführungsangebote“ gibt es die beiden Modelle bis zum 31. August inklusive staatlicher Förderung zu Preisen ab 24.990 und 27.990 Euro.
Erst acht Händler in Deutschland
Bei uns in Deutschland aber hat Changan mit dem Hauptsitz in München derzeit gerade einmal acht Händler, in ganz Europa sind es rund 200. „Wir bauen die Marke betont nachhaltig auf“, kommentiert Christine Harder, die als Direktorin das europäische Marketing von Changan leitet. Changan will da jedenfalls betont konservativ vorgehen.
Die üppige Fahrzeuggarantie von sieben Jahren (oder 160.000 Kilometer) und diese Batteriegarantie von 8 Jahren (oder ä200.000 Kilometer) sprechen immerhin fürs Selbstbewußtsein der Marke Changan („dauerhafte Sicherheit“), die in China als Staatsbetrieb längst zu den gewichtigen Top-Autoherstellern zählt, mit 82.000 direkten Mitarbeitern weltweit 76 Werke betreibt und 2025 fast drei Millionen Fahrzeuge verkauft hat.
Chefdesigner kommt aus Deutschland
Das weiß bei uns vermutlich kein Mensch, schon gar nicht, dass hier im dritten Jahr ein deutscher Designer als Vorstandsmitglied global am Werk ist. Klaus Zyciora, ehemals Bischoff, war ja mal Chefdesigner bei VW und mit dem ziemlich stylischen Deepal hat er gezeigt, was bei freier Entfaltung im Reich der Mitte möglich ist. Was ihn in Chongqing besonders fasziniert? „Das unglaubliche Entwicklungstempo des Autoherstellers im Vergleich zu den europäischen Marken.“

Der 64-jährige Chefdesigner der Chongqing Changan Automobile Company kommt aus Deutschland und hat sein Handwerk zwischen 1989 und 2022 bei Volkswagen gelernt – damals noch unter dem Namen Bischoff. An seinem VW ID.3 schieden sich die Geister.
Ganz abgesehen davon, dass die extrem elektronikaffinen Mitarbeiter hier im Alter zwischen 20 und 40 Jahren liegen. Überhaupt, in China funktioniere einfach alles digital. „Dagegen sind wir in Deutschland ein Museum“, so Zyciora lächelnd gegenüber EDSION. Im nächsten Jahr, so die aktuelle Planung, werde man in China auch das neue Designzentrum der Marke eröffnen, an dessen Entwicklung er einen ziemlichen Anteil hatte. Und dort sollen dann mal rund 1000 Designer arbeiten, verrät er uns.
Auf Changan folgt Nevo
Mal ganz nebenbei: Schon im Oktober dieses Jahres startet Changan mit dem Q05 ein erstes Modell seiner noch ziemlich jungen automobilen Submarke Nevo bei uns. Es geht um einen kleinen City-SUV, der dann frühestens zum Jahresende bei den deutschen Händlern verkauft werden soll. Und dieses Auto, so der Chefdesigner der Marke, werde vom gesamten Design her deutlich „weicher und harmonischer“ daherkommen. Und diverse weitere Modelle seien natürlich längst in der Entwicklung.