Die Strompreise an den öffentlichen Ladestationen kannten in den zurückliegenden Monaten nur eine Entwicklung: nach oben. Das hat nicht nur unter Elektromobilisten zu heftigen Diskussionen geführt. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte in einem Positionspapier Kritik an der Preispolitik der Energiekonzerne und eMobility-Provider. „Für die Mobilitätswende ist es entscheidend, dass das Laden von Elektrofahrzeugen einfach und transparent ist und vor allem einen Preisvorteil bietet“, betonte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Doch nun zeichnet sich eine Entspannung ab: Nach den Erhebungen der auf die Elektromobilität spezialisierten Datenspezialisten von Cirrantic aus München sind die Preise für den Ladestrom zur Jahreshälfte zum ersten Mal seit längerer Zeit ein wenig gesunken. Kostete die Kilowattstunde Wechselstom im Februar im Schnitt noch 70 Cent, waren Ende Juni im Schnitt nur noch 63 Cent zu zahlen (s. Grafik).

Leicht gesunken, aber immer noch zu hoch 
63 Cent zahlten Fahrer von Elektroautos Ende Juni im Schnitt an einem öffentlichen Ladepunkt (graue Linie). Es können aber auch 85 Cent sein (siehe blaue Linie oben) oder auch 48 Cent (dunkelblaue Linie unten). Beide Zahlen geben den durchschnittlichen Maximal- und Minimalwert wieder zur Hälfte des Jahres. Die Zeitlinie auf der X-Achse zeigt die Preisentwicklung seit Juli 2020. Grafik: Cirrantic
Leicht gesunken, aber immer noch zu hoch
63 Cent zahlten Fahrer von Elektroautos Ende Juni im Schnitt an einem öffentlichen Ladepunkt (graue Linie). Es können aber auch 85 Cent sein (siehe blaue Linie oben) oder auch 48 Cent (dunkelblaue Linie unten). Beide Zahlen geben den durchschnittlichen Maximal- und Minimalwert wieder zur Hälfte des Jahres. Die Zeitlinie auf der X-Achse zeigt die Preisentwicklung seit Juli 2020. Grafik: Cirrantic

Auch an den mit Gleichstrom betriebenen Schnellladesäulen gab es preistechnisch eine Entspannung. Statt 75 Cent wie zu Beginn des Jahres wurden für eine Kilowattstunde im Schnitt nur mehr 69 Cent aufgerufen. Den Höhepunkt hatte die Preisentwicklung im Herbst vergangenen Jahres. Damals waren im Schnitt noch 87 Cent zu zahlen.

Im Schnitt nur 23 Ladevorgänge pro Monat

Nach wie vor gibt es allerdings große Unterschiede – ja nach Standort und Anbieter. Wechselstrom wurde Ende Juni stellenweise schon für 48 Cent angeboten, Gleichstrom für 55 Cent. Bei den teuersten Anbietern waren 85 bzw. 90 Cent zu zahlen – wer nicht aufpasst und sich vor dem Start des Ladevorgangs über den Strompreis vor Ort informiert, kann beim sogenannten Ad-Hoc-Laden ohne Vertragsbindung eine böse Überraschung erleben. Forderungen nach mehr Transparenz bei den Ladestrompreisen haben also weiterhin ihre Berechtigung.

Abstieg vom Gipfel
Entwicklung der Kilowattstunden-Preise an öffentlichen Ladeplätzen in Deutschland - im Schnitt und mit den Ausreißern nach oben wie unten. 69 Cent kostete demnach die Kilowattstunde Gleichstrom am Schnelllader Ende Juni. Der durchschnittliche Mindestpreis betrug zu dem Zeitpunkt 55 Cent, der durchschnittliche Höchstpreis 90 Cent/kWh. Im Juli 2020 - zum Startpunkt der Beobachtung gab es den Strom an Schnellladern in Deutschland  je nach Anbieter und Ladestelle schon für 26 Cent, aber im Schnitt für 45 Cent/kWh.
Abstieg vom Gipfel
Entwicklung der Kilowattstunden-Preise an öffentlichen Ladeplätzen in Deutschland – im Schnitt und mit den Ausreißern nach oben wie unten. 69 Cent kostete demnach die Kilowattstunde Gleichstrom am Schnelllader Ende Juni. Der durchschnittliche Mindestpreis betrug zu dem Zeitpunkt 55 Cent, der durchschnittliche Höchstpreis 90 Cent/kWh. Im Juli 2020 – zum Startpunkt der Beobachtung gab es den Strom an Schnellladern in Deutschland je nach Anbieter und Ladestelle schon für 26 Cent, aber im Schnitt für 45 Cent/kWh.

Die jüngsten Erhebungen von Cirrantic für den „Charging Radar“ von EDISON zeigen aber noch eine andere interessante Entwicklung: Im Juni gab es einen recht deutlichen Rückgang bei der Anzahl der Lade-Sessions. Wurden im Mai noch deutlich über 4,7 Ladevorgänge an öffentlichen Ladeplätzen gezählt, war es im Juni nur noch 4,17. Die durchschnittliche Auslastung sank darüber von 27 auf 23,2 Ladevorgänge pro Anschluss und Monat.

Ladeinfrastruktur wächst weiter kräftig

Eine Erklärung für die rückläufige Nutzung der öffentlichen Ladeinfrastruktur könnte sein, dass aufgrund der gesunkene Preise für Haushaltstrom und der Diskussion über die hohen Preise an öffentlichen Ladeplätzen Fahrer von Elektroautos für die Energieversorgung verstärkt ihre private Wallbox nutzten. Unter Umständen spielen aber auch die Preissenkungen an den Tesla Superchargern ab Ende April eine Rolle, spekuliert Cirrantic-Direktor Ludwig Hohenlohe – das Ladenetz von Tesla wird von der Analyse nicht erfasst.

Erfreulich hingegen ist das weiterhin gute Wachstum der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Ende Juni konnten Fahrer von Elektroautos in Deutschland 182.665 öffentliche Ladepunkte nutzen – die im Ladenetz von Tesla kommen noch obendrauf. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das immerhin ein Wachstum um 26 Prozent. Die stärksten Zuwächse gab es mit 51 Prozent im Vorjahresvergleich bei den Schnellladepunkten. Der Zubau bei den mit Wechselstrom betriebenen und meist im städtischen Raum platzierten „Schnarchladern“ mit einer maximalen Ladeleistung von 22 kW. Von denen gibt es nach der Zählung von Cirrantic deutschlandweit über 137.309 Stück. An über 35.000 Ladepunkten fließt der Strom mit 50 kW und mehr – Tendenz steigend. Setzt man die Zahlen in Bezug zum aktuellen Bestand an Elektro-Fahrzeugen mit einer wiederaufladbaren Batterie (Plug-in-Hybride eingeschlossen), müssen sich aktuell 15 Stromer einen Ladeplatz teilen.

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2 Kommentare

  1. Andreas v.

    Könnt Ihr die Ordinate der Charts mal beschriften!
    Dann kann man dem, was Ihr sagt, auch angemessen folgen.

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    • Franz W. Rother

      Danke für die Anregung

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