Die Zahl der Ladestationen für Elektroautos ist auch in Deutschland in den zurückliegenden Monaten kräftig gewachsen: Nach den Recherchen von CIRRANTiC und THEONData für den „Charging Radar“ von EDISON konnten Elektromobilisten Ende August bundesweit 43.764 Ladepunkte im öffentlichen Raum ansteuern, wenn der Energievorrat in den Akkus ihrer Autos zur Neige ging. Doch überwiegend wird der Fahrstrom für die E-Autos heutzutage noch an ganz anderen Stellen bezogen: Daheim und am Arbeitsplatz, an einer Wallbox in der Garage oder einem Carport. Und meistens wird der Ladestrom hier zusammen mit dem Haushaltsstrom abgerechnet, nämlich über einen zentralen Stromzähler und in der Regel auch über den regionalen Energieversorger.

Das ist nicht immer die beste und preiswerteste Lösung, wie eine aktuelle Studie des Bonner Beratungs- und Analysehaus EuPD Research zeigt. Die Experten Martin Ammon und Christine Koch haben sich 140 spezielle Autostrom-Tarife von 101 Anbietern für das Laden daheim identifiziert und dabei eklatante Unterschiede festgestellt. Nicht nur beim Service und bei den Vertragslaufzeiten, sondern vor allem bei der Preisgestaltung. Demnach lassen sich je nach Fahrprofil und Energieversorger im Jahr durch einen Wechsel des Anbieters leicht bis zu 500 Euro sparen. Verblüffend dabei: Viele große Energieversorger schafften es hier nicht in die Top Ten, dafür aber viele Stadtwerke. Und: Autostrom offerieren viele Anbieter zu günstigeren Konditionen an als für Haushaltsstrom. Dahinter steckt vermutlich die Hoffnung, über die Elektromobilität neue Kunden auch für andere Leistungen zu gewinnen.

Unterschiedliche Nutzer-Profile

Nicht jeder fährt mit seinem Elektroauto im Jahr Tausende von Kilometern, nicht jeder hat das gleiche Ladeverhalten – und nicht jeder stellt die gleichen Anforderungen an seinen Stromlieferanten. Um den Dschungel der Tarifangebote zu lichten und zu sortieren, hat EuPD Research deshalb drei Szenarien entwickelt, die sich nach dem Ladeverhalten und der jährlichen Fahrleistung unterscheiden. Wer mit dem Elektroauto maximal 5000 Kilometer im Jahr zurücklegt, lädt in der Regel zu 100 Prozent an der heimischen „Steckdose“. Beim Durchschnittsfahrer mit einer Fahrleistung von 14.000 Kilometern im Jahr wird gelegentlich schon einmal eine öffentliche Ladestation angefahren. Und bei Vielfahrern mit einer Jahresfahrleistung von 30.000 Kilometern geht EuPD davon aus, dass zu Hause nur etwa 60 Prozent des Stroms für das Auto bezogen wird. Entsprechend unterschiedlich fällt der Vergleich der Anbieter aus. Wer es genau wissen will: Die komplette Studie lässt sich hier beziehen.

Weniger ist mehr
Wer im Jahr maximal 5000 Kilometer mit dem Elektroauto zurücklegt und ausschließlich daheim Strom zapft, fährt nach der EuPD-Studie aktuell mit dem Kombitarif der Würzburger Stadtwerke am besten. Grafik: EuPD

„Interessant ist, wie sehr sich die optimalen Tarife mit der jährlich gefahrenen Strecke ändern“, findet Co-Autor Martin Ammon. Für Wenigfahrer lohnten sich häufig Kombitarife, bei denen nicht nur der Ladestromverbrauch für das Elektroauto, sondern auch der Haushaltsstromverbrauch von den günstigen Arbeitspreisen profitieren. Vielfahrer führen hingegen in der Regel mit speziellen Autostrom-Tarifen günstiger, da dann die hohen Mengen an Ladestrom zu den in der Regel stark vergünstigten Arbeitspreisen abgerechnet werde. Allerdings müssen sich die Besitzer der Elektroauto in dem Fall auch darauf einstellen, dass sie ihr Fahrzeug zu gewissen Zeiten wie in den verbrauchsintensiven Morgenstunden nicht laden können: Voraussetzung für die günstigen Tarife ist, dass die Wallbox vom Energieversorger „netzdienlich“ gesteuert werden kann – etwa über ein Smartmeter oder eine Wallbox, die in ein intelligentes Lastmanagement eingebunden werden kann.

Sonderkonditionen für „netzdienliche“ Anschlüsse“

Der Testsieger in den Kategorien „Durchschnittsfahrer“ und Vielfahrer, die Stadtwerke Forst aus der Lausitz, bietet mit „SWF mobil zu Hause“ einen solchen Tarif an, bei dem der Arbeitspreis bei einem Grundpreis von 62,80 Euro im Jahr dann nur 19,25 Cent beträgt. Wer seine Wallbox nicht von extern steuern lassen möchte, zahlt einen Grundpreis von 125 Euro im Jahr und kriegt den Autostrom dann für 25,54 Cent pro Kilowattstunde. Ökostrom bekommt der Kunde in beiden Fällen geliefert.

Ökostrom gibt es in jedem Fall

Auf jeden Fall lohnt ein Blick in das Kleingedruckte – und ein Vergleich der Angebote der lokalen Anbieter mit den Konditionen, die deutschlandweit agierende Versorger aufrufen. Dabei, rät EuPD Research, sollte man allerdings auch nicht nur die Stromtarife studieren. Auch die Vertragslaufzeit und die Kündigungsmöglichkeiten sollten in die Bewertung einfließen. Einige Anbieter gewähren Sonderzuschüsse, andere bieten Wallboxen zu Sonderkonditionen an. Und der Kampf der Versorger um die neue Zielgruppe hat gerade erst begonnen.

Artikel teilen

6 Kommentare

  1. Avatar

    Die E-Mobilität wird in Deutschland leider überwiegend genutzt, um Verbraucher zur Kasse zu bitten. Die unterschiedliche Abrechnungsmodelle an öffentlichen Ladesäulen sind häufig überzogen. Da wird selbst im AC Bereich bis zu 79 ct/kWh berechnet. EnBW mit der ADAC Ladekarte & App ist da eine positive Ausnahme.
    Die Kombitarife für wenig Fahrer werden häufig nur mit einem notwendigen Stromzähler und entsprechend hohen Grundgebühren angeboten. Da hilft auch ein niedriger Arbeitspreis nicht weiter.
    Mein Vorschlag, einfach über die üblichen Vergleichsportale die Stromtarife vergleichen und der E-Mobility Falle aus dem Weg gehen.

    Antworten
  2. Avatar

    Das ganze ist meiner Meinung nach nicht richtig.
    Ich bin seit 10 Jahren Kunde bei Lichtblick – eine der besten und ehrlichsten
    Anbieter mit 100% Naturstrom .
    Ab 1.Oktober gibt es neue Tarife , da Sie den New Motion Anbieter wegen
    höheren Preisen gewechselt haben.
    So etwas finde ich super !
    Preis ab. Oktober : AC 0,29 cent . DC 0,39cent kWh .
    Die Preise vergleichbar mit ADAC – Karte ( EnBW ) !
    Wieso finden wir die Beiden nicht bei Ihren Bewertungen .
    Glaube keiner Studie , die Du nicht selbst gefälscht hast !

    Antworten
    • Franz W. Rother

      Due Studie von EuPD berücksichtigt nicht nur den Strompreis, sondern auch andere Aspekte. Deshalb findet sich Lichtblick nicht in den Top10 bei über 100 Tarif-Angeboten, die insgesamt untersucht wurden. Die genaue Platzierung ist der Studie zu entnehmen.

      Antworten
    • Avatar

      Hallo Herr Kuntz,

      da stimme ich Ihnen zu, insbesondere bei der ADAC – Karte (EnBW). Mit dieser Karte & App mache ich seit 01.08.2018 gute Erfahrungen.

      Antworten
  3. Avatar

    Wozu der link?
    Da erfahre ich nur, dass ich die Studie für 2200€ + MWSt beziehen kann.

    Soviel kann man im Leben nicht durch die günstigeren Tarife sparen, zumal sich die ja auch über die Zeit ändern => beim Vielfahrertarif ca. 360€/a

    *Grübel*

    Antworten
    • Franz W. Rother

      Die komplette Studie ist auch eher für Profis interessant, die sich den Betrag sicher leisten können.

      Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.