Der Boom beim Laden geht weiter: Laut dem neuen Lademarkt-Report des Ladedienstleisters Elvah wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bundesweit rund 29 Millionen Ladevorgänge gezählt – das sind 16 Prozent mehr als noch im zweiten Halbjahr 2024. Dabei flossen knapp 698 Gigawattstunden Strom in die Batterien von Elektroautos.

Parallel wächst auch die Infrastruktur: Die Zahl der aktiven Ladepunkte legte um 21 Prozent zu und liegt nach den Erhebungen von Elvah nun bei über 211.000 Anschlüssen. Bei den Zählungen von Cirrantic für den Charging Radar von EDISON war ein Bestand von 182.655 Ladepunkten herausgekommen. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur enthielt Ende Juli 175.141 Ladepunkte – die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen.

Wenn schon, denn schon 
Entweder wird das Elektroautos langsam über Nacht geladen - oder während eines kurzen Stopps am Highpower-Charger. Säulen mit Ladeleistungen zwischen 50 und 130 kW sind nicht besonders populär, aber für die Betreiber eine relativ preiswerte Lösung. 
Grafik: Elvah
Wenn schon, denn schon
Entweder wird das Elektroautos langsam über Nacht geladen – oder während eines kurzen Stopps am Highpower-Charger. Säulen mit Ladeleistungen zwischen 50 und 130 kW sind nicht besonders populär, aber für die Betreiber eine relativ preiswerte Lösung.
Grafik: Elvah

Aber der Trend stimmt: Besonders dynamisch entwickelten sich im ersten Halbjahr die High-Power-Charger (HPC) mit mehr als 130 kW Leistung: Fast 32.000 Schnellladepunkte stehen mittlerweile bundesweit zur Verfügung – das ist ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Langstreckenfahrer ist das eine gute Nachricht: Schnellladen unterwegs wird zunehmend einfacher, Reichweitenangst ist nicht mehr zu befürchten.

Schnellladen dominiert – EnBW bleibt Platzhirsch

Wer sein Auto flott mit Strom versorgen möchte, kommt an EnBW kaum vorbei. Mit einem Marktanteil von knapp 32 Prozent im Schnelllade-Segment liegt das Unternehmen nach den Feststellungen von Elvah klar an der Spitze. Dahinter folgen Aral Pulse (11,7 Prozent) und Ionity (10,8 Prozent). Handelsketten wie Aldi oder Lidl spielen eher im mittleren Ladebereich (50–130 kW) eine Rolle. Nicht berücksichtigt im Report sind die rund 4000 Supercharger von Tesla in Deutschland, da das Unternehmen nur eingeschränkt Daten zur Nutzung seiner Ladeplätze bereitstellt.

Ganz andere Player dominieren hingegen beim langsamen Wechselstrom-Laden in der Stadt aus. Hier dominieren kommunale Anbieter und Aggregatoren. Marktführer ist Vaylens (7,4 Prozent), gefolgt von den Hamburger Energiewerken (4,1 Prozent) und dem Ladeverbund+ (3,4 Prozent). Viele Fahrer:innen werden diese Ladepunkte aus dem Alltag kennen – ob vor dem Supermarkt, am Straßenrand oder auf dem Firmenparkplatz.

Deutliche Unterschiede nach Bundesländern

Im Schnitt kam Deutschland in der ersten Jahreshälfte auf 0,3 Ladevorgänge pro Einwohner. Spitzenreiter ist Hamburg mit 0,57 Sessions pro Kopf, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg (jeweils 0,41). Schlusslichter sind die ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen – ein Beleg, dass Kaufkraft, urbane Dichte und Angebot mehr Einfluss auf das Ladeverhalten haben als Fläche oder Autobahndichte.

Beim Wachstum legte Berlin am stärksten zu (+21 Prozent), gefolgt von Bremen und Hessen mit jeweils plus 19 Prozent. Nordrhein-Westfalen bleibt mit 5,84 Millionen Ladevorgängen zwar der größte Markt, landet pro Kopf aber nur knapp über dem Durchschnitt.

Preise und Tarife: Immer mehr Bewegung

Doch nicht alles wächst reibungslos. Viele Standorte erreichen noch keine wirtschaftlich tragfähige Auslastung. Der Wettbewerb zwischen den Betreibern verschärft sich, Preisaktionen und flexible Tarife werden immer wichtiger. Für Fahrer von Elektroautos bedeutet das: Einerseits mehr Chancen, beim Laden zu sparen – nach den jüngsten Zahlen des Charging Radar sind im ersten Halbjahr die Strompreise an der Ladesäule leicht gesunken. Andererseits aber wird das Tarifgeflecht immer unübersichtlicher.

Zusammengefasst: Die Ladeinfrastruktur in Deutschland wird dichter, schneller und vielfältiger. Gerade auf langen Strecken verkürzen sich die Ladepausen spürbar. Allerdings lohnt es sich, die Tarife im Blick zu behalten – und im Zweifel vor der Fahrt die Preise per App zu vergleichen.

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