Die Antriebswende auf den Straßen Europas nimmt Fahrt auf. Dies geht aus den aktuellen Zahlen des Branchendienstes „Schmidt Automotive Research“ hervor, der den Markt für Elektroautos (Batterieautos und Plug-in-Hybride) monatlich analysiert.

Demnach wurden im vergangenen Jahr in den 18 Kernländern Westeuropas (inklusive Norwegen, Schweiz, Island und Großbritannien) rund 1,2 Millionen Vollstromer neu zugelassen – allein 400.000 in den letzten drei Monaten des Jahres. Der Anteil der Elektroautos an den Gesamtverkäufen hat sich damit innerhalb eines Jahres fast verdoppelt: Von 6,7 auf nunmehr 11,2 Prozent.

Jedes neunte neue Auto ein Stromer 
Im vergangenen Jahr stieg der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen deutlich - überproportional auf wegen der Halbliterkrise, aufgrund der die Autoindustrie vor allem die Produktion margenschwacher Verbrenner drosselte. Grafik: SAR
Jedes neunte neue Auto ein Stromer
Im vergangenen Jahr stieg der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen deutlich – überproportional auf wegen der Halbliterkrise, aufgrund der die Autoindustrie vor allem die Produktion margenschwacher Verbrenner drosselte. Grafik: SAR

In Deutschland gab es dabei mit die stärksten Zuwächse: 355.961 Neuzulassungen – 83,3 Prozent mehr als im Jahr davon – ließen nach den Erhebungen des Kraftfahrt-Bundesamtes den Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen auf 13,6 Prozent steigen. Im Dezember sorgten über 48.000 Neuzulassungen sogar für einen Marktanteil über 21 Prozent. Meistverkauftes Elektroauto des Monats war das Model 3 von Tesla. Über 6000 Exemplare davon kamen im Dezember neu auf die Straße.

Norwegen bleibt weiterhin Leitmarkt

Die Zuwächse in Deutschland sind stark – in anderen Ländern waren sie aber noch stärker. In Italien stiegen die Neuzulassungen (von deutlich niedrigerem Gesamtniveau) von Elektroautos um 108, in Schweden um 106, in Finnland um 139 Prozent. Und in Griechenland wurde ein Zuwachs bei den Neuzulassungen von Stromern um 247 Prozent registriert.

Der Leitmarkt für Elektroautos in Europa bleibt aber weiterhin Norwegen: Neun von zehn Autos sind dort inzwischen mehr oder minder elektrifiziert. Im vergangenen Jahr kletterte der Anteil der Stromer an den Neuzulassungen dort auf 64,5 Prozent. Im September waren es vorübergehend sogar über 77 Prozent. Meistverkauftes Modell war auch hier das Tesla Model 3 – gefolgt vom Volkswagen ID.4 und dem Tesla Model Y. Ziel der norwegischen Regierung ist es, bis 2025 die komplette Neuwagen-Flotte zu dekarbonisieren.

Zulassungen steigen und fallen mit der Förderung

In Deutschland wie in Norwegen treiben vor allem finanzielle Fördermaßnahmen der Regierungen den Absatz der Stromer. Wie sehr die Dynamik der Antriebswende davon noch abhängt, zeigte sich im in den Niederlanden, wo auf Batterieautos rund 28 Prozent der Neuzulassungen entfielen. Nachdem die Fördermittel des Landes erschöpft waren, brach die Nachfrage nach den Stromern deutlich ein. Laut Schmidt Automotive Research sanken die Neuzulassungen in 2021 um 12,5 Prozent gegenüber Vorjahr.

Für dieses Jahr ist allerdings eine deutlich Nachfrage-Belebung zu erwarten: Seit wenigen Tagen können die Niederländer wieder ein Umweltbonus in Höhe von 3350 Euro für einen elektrisch betriebenen Neuwagen mit einem Listenpreis von maximal 45.000 Euro beantragen. Mit 2000 Euro wird bei unseren Nachbarn per „SEPP“ auch die Anschaffung eines gebrauchten Stromers bezuschusst.

Tesla Gigafactory Grünheide 
Schon in wenigen Wochen könnte die Produktion des Model Y in Brandenburg anlaufen - und für massive Verschiebungen auf dem europäischen Markt für Elektroautos sorgen. Vor allem Volkswagen dürfte unter massiven Druck kommen. Foto: Tesla
Tesla Gigafactory Grünheide
Schon in wenigen Wochen könnte die Produktion des Model Y in Brandenburg anlaufen – und für massive Verschiebungen auf dem europäischen Markt für Elektroautos sorgen. Vor allem Volkswagen dürfte unter massiven Druck kommen. Foto: Tesla

Für das neue Jahr erwartet Marktanalyst Matthias Schmidt eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte mit stetig steigenden Zulassungen von Elektroautos in allen Märkten um rund 29 Prozent auf 1,54 Millionen Fahrzeuge. Einen erheblichen Effekt könnte der Produktionsstart in der neuen Tesla-Fabrik in Grünheide haben. Das Model Y, das in Brandenburg montiert werden soll, ziele auf das Marktsegment, auf das 2021 über 40 Prozent aller Verkäufe von Elektroautos in Europa entfielen. Mit einem Wort: Es könnte in dem Segment einige Verschiebungen zugunsten von Tesla geben.

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