Die Elektrifizierung des gewerblichen Verkehrs in den Innenstädten ist für die Autoindustrie ein Drahtseilakt. Handwerker, Dienstleister und Kurierdienste benötigen zwar dringend lokal emissionsfreie Fahrzeuge, um drohende Einfahrverbote zu umgehen und Betriebskosten zu senken. Gleichzeitig ist die Zielgruppe extrem preissensibel. Die Entwicklung dedizierter europäischer Elektro-Transporter treibt die Preise oft in Höhen, die für viele kleine Flottenbetreiber kaum darstellbar sind – offenbar selbst dann nicht, wenn die Produktion an ansonsten kostengünstigere Standorte wie zur Ford-Tochter in der Türkei ausgelagert wird.
Die Konsequenz: Es braucht preiswertere, auf das absolut Wesentliche reduzierte Fahrzeuge. Genau hier setzt Ford Pro nun an. Der neu vorgestellte Ford Transit City ist eine rein elektrische Ergänzung des Portfolios. Auf das sonst übliche „e-“-Präfix im Namen verzichtet der Hersteller bewusst, da es dieses Modell ohnehin nicht mit Verbrennungsmotor geben wird. Stattdessen liegt der Fokus voll auf Kosteneffizienz und einem kompakten Format für den urbanen Raum.

Angeboten werden zwei Kastenwagen mit unterschiedlichen Radständen und Dachhöhen sowie erstmals in diesem Segment ein Fahrgestell mit Einzelkabine für individuelle Aufbauten wie etwa eine Pritsche. Das senkt die Kosten. Fotos: Ford Pro
Die wichtigsten Eckdaten der neuen Baureihe im Überblick:
- Antrieb: Das Fahrzeug verfügt über einen 110 kW (150 PS) starken Elektromotor an der Vorderachse.
- Batterie und Reichweite: Eine 56 kWh große Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) im Unterboden sorgt für eine WLTP-Reichweite von bis zu 254 Kilometern. Laut Ford reicht das für die Tagestouren von 90 Prozent aller Nutzfahrzeuge dieses Segments locker aus.
- Laden: An einer Schnellladesäule (DC) kann der Akku mit bis zu 87 kW in 33 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt werden. An der heimischen 11-kW-Wallbox (AC) dauert der gleiche Hub rund 4,5 Stunden.
- Karosserie: Angeboten werden zwei Kastenwagen (L1H1 und L2H2) sowie erstmals in diesem Segment ein Fahrgestell mit Einzelkabine für individuelle Aufbauten.
- Nutzlast: Die kompakte L1H1-Variante schluckt bei knapp 5 Metern Länge bis zu 1.085 Kilogramm Zuladung und bietet rund 6 Kubikmeter Stauraum. Die größere L2H2-Version kommt auf etwa 8 Kubikmeter und 1.275 Kilogramm Nutzlast. Beide Kastenwagen können drei Euro-Paletten fassen.

Drei Euro-Paletten passen in jedem Fall in den Laderaum der Kastenwagen. Die Hochdach-Version trägt über 1,2 Tonnen Nutzlast.
Um die Kosten und die Komplexität bei der Produktion extrem niedrig zu halten, gibt es den Transit City als Kastenwagen nur in einer „universalen“ Ausstattung. Aufpreispflichtige Extras sind nicht vorgesehen. Dennoch sind wichtige Features wie ein 12-Zoll-Touchscreen mit Apple CarPlay und Android Auto, Rückfahrkamera, Notbrems-Assistent und eine Sitzheizung – die sich im städtischen Stop-and-Go-Verkehr als effizienter erwiesen hat als die Kabinenheizung – serienmäßig an Bord. Eine Anhängerkupplung wird es für das Budget-Modell hingegen nicht geben.
Hilfe aus Fernost gegen die chinesische Konkurrenz
Das radikale Kosten-Setup hat einen triftigen Grund, den Ford in seiner offiziellen Kommunikation nicht in den Vordergrund rückt: Der Transit City ist keine abgespeckte Version des bekannten e-Transit Custom. Das Fahrzeug stammt im Kern von Jiangling Motors, einem chinesischen Partner, an dem Ford 32 Prozent der Anteile hält, haben die Kollegen von „Auto, Motor, Sport“ herausgefunden.

Ein 12-Zoll-Touchscreen mit Apple CarPlay und Android Auto, Rückfahrkamera, Notbrems-Assistent und eine Sitzheizung sind serienmäßig an Bord des neuen Transit City. Und mehr gibt es auch nicht: Aufpreispflichtige Extras sind nicht vorgesehen.
Mit diesem in Fernost eingekauften Modell reagiert der europäische Marktführer im Transporter-Segment auf den massiven Druck durch chinesische Marken und asiatische Wettbewerber wie Kia, die mit aggressiv eingepreisten Modellen wie dem PV5 Cargo auf den Markt drängen. Wer den e-Transit Custom für fast 59.000 Euro brutto nicht budgetieren kann, soll künftig nicht zur Konkurrenz abwandern, sondern mit dem Transit City im Ford-Ökosystem (inklusive Flottenmanagement via Ford Pro Telematics) gehalten werden.
Genaue Preise hat Ford noch nicht kommuniziert, das Modell dürfte sich aber mittig zwischen dem e-Transit Custom und dem kleineren e-Transit Courier einsortieren, was auf einen Brutto-Listenpreis von rund 47.000 Euro hindeutet. Die Bestellbücher sollen im zweiten Quartal öffnen, die offizielle Publikumspremiere ist für die IAA Transportation im September in Hannover geplant. Ende des Jahres sollen dann die ersten Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert werden.