An Selbstbewusstsein mangelt es Geely nicht. „Deutschland braucht keine neue Automarke“, sagen die Chinesen und geben sich gleich selbst die Antwort: „Was, wenn doch?“ Also greift man jetzt auf breiter Front in Deutschland an. Der Plan steht: Bis 2028 will man zwölf Modelle nach Deutschland bringen. Unterm Strich soll bis 2030 ein Drittel des Geschäfts außerhalb Chinas generiert werden. Den Anfang machen das BEV Geely E5 und der Plug-in-Hybrid Starray EM-i.

„Der Starray EM-i ist die Brücke zur Elektromobilität“, erklärt Executive Director Philipp Hempel, der auch schon bei MG Deutschland tätig war. Mit einem Einstiegspreis von 32.990 Euro bietet das Kompakt-SUV dank einer LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit 18,4 Kilowattstunden Kapazität bis zu 83 Kilometer elektrische Reichweite (WLTP) – und bis zu 1.002 Kilometer Gesamtreichweite.

Das kann sich sehen lassen
In der Topversion Pro+ bietet der Starray eine elektrische Reichweite von 135 Kilometern und eine maximale Ladeleistung von 78 kW.
Das kann sich sehen lassen
In der Topversion Pro+ bietet der Starray eine elektrische Reichweite von 135 Kilometern und eine maximale Ladeleistung von 78 kW.

Ab der Pro+-Version (ab 35.990 Euro) hat der Akku sogar 29,8 kWh und die Reichweiten wachsen auf bis zu 136 Kilometer (elektrisch) und bis zu 1.055 Kilometer (gesamt). Die größeren Batterieversionen schaffen an der Schnellladesäule Ladeleistungen von bis zu 78 kW, von 30 auf 80 Prozent sollen nur 16 Minuten vergehen. Für einen Plug-in-Hybrid sind das ordentliche Werte. An der Wallbox sind allerdings nur Stromflüsse von 6,6 kW möglich. Wünschen würden wir uns hier 11 kW. Außerdem bietet Geely V2L und V2V mit bis zu 6,6 kW, also die Möglichkeit, Strom an externe Verbraucher oder ein anderes Fahrzeug abzugeben.

Chinesisches Wohnzimmerambiente

Die Max+-Version, in der wir eine Testfahrt unternommen haben, kostet mindestens 37.990 Euro und bietet erwartungsgemäß eine üppige Ausstattung. Unter anderem eine Klimaautomatik, Fahrer- und Beifahrersitz mit Sitzheizung, Sitzlüftung und Massagefunktion, ein Panoramaglasdach inklusive Schiebedach, 19-Zoll-Leichtmetallräder und ein Premium-Audiosystem mit 16 Lautsprechern samt Subwoofer.

Kennste einen, kennste alle
Innen erwartet einen das typische chinesische Wohnzimmerambiente. Geely setzt dabei auf große Displays. Fotos: Geely
Kennste einen, kennste alle
Innen erwartet einen das typische chinesische Wohnzimmerambiente. Geely setzt dabei auf große Displays. Fotos: Geely

Innen erwartet einen das typische chinesische Wohnzimmerambiente, das man auch schon aus dem E5 kennt. Geely setzt dabei auf große Displays und eine umfangreiche Serienausstattung. Der zentrale Touchscreen misst 15,4 Zoll, das digitale Kombiinstrument 10,2 Zoll. Das Betriebssystem „Flyme Auto“ vereint Online-Navigation, Medien, App-Funktionen, Over-the-Air-Updates, Sprachsteuerung, Apple CarPlay und Android Auto. Das ist wichtig, denn chinesische Hersteller verlieren in Europa schnell Punkte, wenn die Smartphone-Integration fehlt oder die Bedienlogik zu stark auf den Heimatmarkt ausgelegt ist.

Jede Menge Platz in allen Bereichen

Laut Geely ist der Starray ein C-Segment-Crossover. Die normative Kraft des Faktischen spricht jedoch eine andere Sprache. Mit 4,74 Metern Länge, 1,91 Metern Breite und 1,69 Metern Höhe kratzt der Starray EM-i von den Abmessungen her bereits an der nächsthöheren Klasse. Das merkt man vor allem im Fond. Hinten sitzt man luftig, die Bein- und Fußfreiheit reicht auch für Erwachsene locker aus.

Hier wird nicht gespart
Hinten sitzt man ausgesprochen luftig, die Bein- und Fußfreiheit reicht auch für großgewachsene Erwachsene locker aus.

Die Raum-Opulenz geht nicht zulasten des Kofferraumvolumens: 528 Liter sind bereits in Normalstellung ein guter Wert, bei umgelegten Rückbanklehnen werden immerhin 2.065 Liter daraus. Dazu kommen 100 Liter unter dem Ladeboden plus zwei Schubladen mit insgesamt 14 Litern unter der Rückbank. Das kennt man schon aus dem E5. Auch daran merkt man, dass die beiden Crossover Technik-Brüder sind und beide auf der GEA-Plattform (Global Intelligent New Energy Architecture) stehen.

Verwandtschaft mit Lotus ist nicht zu spüren

Beim Starray EM-i kombiniert Geely einen 1,5-Liter-Vierzylinder-Saugmotor mit 73 kW (99 PS) und 125 Nm mit einem 160 kW (218 PS) starken Elektromotor. Die Systemleistung liegt bei 193 kW oder 262 PS. Der Antrieb erfolgt über ein einstufiges Hybridgetriebe, das die Vorderräder antreibt. Auf dem Papier liest sich das souverän: von null auf 100 km/h in 8,2 Sekunden beim Max+ und 170 km/h Spitze. Solange die Batterie Energie hat, ist Schmalhans beim Benzindurst Küchenmeister. Geely gibt einen Durchschnittsverbrauch von 1,5 l/100 km an. Bei uns waren es 0,3 l/100 km mehr. Auch mit leeren Energiespeichern wächst der Konsum nicht ins Unermessliche. Laut Datenblatt sind es 6,2 l/100 km.

Klingt alles klasse. Vor allem angesichts des Preises. Doch beim Antrieb und beim Fahrverhalten ändert sich das. Wie bei vielen anderen (Plug-in-)Hybriden vernichtet diese Art von Getriebe Temperament. Egal, welchen Fahrmodus man wählt. Selbst in Sport fühlt man von den 262 PS wenig. Apropos „wenig“: Geely gibt an, dass der Starray EM-i speziell für Europa angepasst wurde. Schließlich habe man auch Lotus im Konzernverbund. Davon ist so gut wie nichts zu spüren. Die Lenkung ist extrem indirekt, unpräzise und gefühllos. Das Fahrwerk ist zu weich und wippt bei Bodenwellen nach. Da sollten die Ingenieure noch einmal Hand anlegen. Dass bei 130 km/h die Windgeräusche deutlich im Innenraum zu vernehmen sind, ist da fast schon eine Randnotiz.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert