In nur 20 Jahren hat sich Oman, ein relativ kleiner Wüstenstaat auf der arabischen Halbinsel, von einem armen Agrarland in einen wohlhabenden Ölstaat verwandelt. Wenn die Dekarbonisierung in der Welt und die Elektrifizierung des Verkehrs weiter Fahrt aufnehmen, werden auch omanisches Öl und Erdgas an Wert verlieren, was die Regierung des Landes und die Einwohner hart treffen würde, auch wenn der Zeitpunkt noch viele Jahre entfernt ist.

Doch der Oman baut jetzt schon mal vor. Die Europäische Union hat dafür jüngst die Steilvorlage geliefert. Autos mit Verbrennungsmotor sollen nach den Vorstellungen der EU-Kommission auch nach 2035 noch neu zugelassen werden. Allerdings dürfen sie weit weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) verursachen als selbst die sparsamsten Benzin- und Dieselmotoren. Der Ausweg: synthetische Treibstoffe, die bei der Verbrennung nur so viel CO2 emittieren wie bei der Herstellung des Sprits aus der Luft entfernt worden ist.

Sonnenenergie zu Sprit 
Im Oman produzieren große Solaranlagen pro Flächen- und Zeiteinheit doppelt so viel Strom wie in Mitteleuropa. Die Umwandlung der Energie durch Elektrolyse in synthetische Kraftstoffe ermöglicht den Export von E-Fuels. Symbolbild: https://depositphotos.com/de/  
Sonnenenergie zu Sprit
Im Oman produzieren große Solaranlagen pro Flächen- und Zeiteinheit doppelt so viel Strom wie in Mitteleuropa. Die Umwandlung der Energie durch Elektrolyse in synthetische Kraftstoffe ermöglicht den Export von E-Fuels. Symbolbild: https://depositphotos.com/de/  

Der Oman gehört zu den ersten Ländern, die sich darauf einrichten. In einem ersten Schritt soll auf dem Gelände von Sohar, dem wichtigsten Hafen des Landes, eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 25 Megawatt gebaut werden. Die Omaner haben sich für die Umsetzung die Mitarbeit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) gesichert. Erst im Dezember 2025 wurde die Zusammenarbeit durch eine neue Vereinbarung zwischen dem Hafen Sohar und dem Schweizer Konsortium „reFuel.ch“ bekräftigt.

Die geplante Anlage ist Teil einer langfristigen Strategie: Nach der 25-Megawatt-Pilotphase soll die Produktion in zwei weiteren Stufen massiv hochgefahren werden – erst auf 200 Megawatt, schließlich auf bis zu 2 Gigawatt. Der dort gewonnene Solarstrom soll genutzt werden, um aus Wasserstoff und CO2 aus der Luft synthetisches Rohöl, E-Methanol oder E-Kerosin herzustellen. Der Standortvorteil ist enorm: Solaranlagen produzieren dort pro Flächen- und Zeiteinheit doppelt so viel Strom wie in der Schweiz.

Pionierarbeit in Patagonien

Doch der Oman ist nicht allein. Ein Blick über den Atlantik zeigt, dass andere Akteure bereits Fakten geschaffen haben. An der windumtosten Südspitze Chiles, in Punta Arenas, betreibt ein Konsortium um Porsche, Siemens Energy und HIF Global bereits seit Ende 2022 die Pilotanlage „Haru Oni“.

Anders als im Oman setzt man hier nicht auf Sonne, sondern auf die konstanten Winde Patagoniens. Eine Windturbine der 3,4-Megawatt-Klasse liefert die Energie für die Elektrolyse. In einem komplexen Verfahren („Methanol-to-Gasoline“) entsteht daraus ein synthetischer Kraftstoff, der chemisch fast identisch mit Superbenzin ist. Porsche nutzt den Öko-Sprit aus Chile bereits für seine Rennserien, etwa den Porsche Supercup. Auch hier sind die Ambitionen groß: Nach der Pilotphase soll die Kapazität auf industrielle Maßstäbe skaliert werden, um perspektivisch hunderte Millionen Liter pro Jahr zu produzieren.

Die Ölgiganten ziehen nach

Längst haben auch die traditionellen Schwergewichte der Energiebranche Witterung aufgenommen. Der saudi-arabische Ölriese Aramco – der wohl mächtigste Akteur auf dem globalen Ölmarkt – testet synthetische Kraftstoffe mittlerweile intensiv. In Zusammenarbeit mit dem Autokonzern Stellantis konnte Aramco bereits nachweisen, dass E-Fuels problemlos in bestehenden europäischen Motoren funktionieren.

Und Aramco belässt es nicht bei Tests: Im eigenen Land plant der Konzern gemeinsam mit dem Versorger ENOWA eine Demonstrationsanlage in der Zukunftsstadt NEOM, um synthetisches Benzin für Pkw herzustellen. Parallel dazu baut Aramco in Spanien, nahe Bilbao, gemeinsam mit Repsol eine der ersten größeren Anlagen Europas. Dort sollen absehbar über 2.000 Tonnen synthetischer Kraftstoff pro Jahr entstehen, hergestellt aus grünem Wasserstoff und CO2.

Finnlands Offensive

Auch im hohen Norden Europas formiert sich eine Allianz für den grünen Sprit. Das EU-Mitglied Finnland will gleich 100 Produktionsanlagen bauen, die ihren Strom aus Solar- und vor allem Windkraftanlagen beziehen . Bis 2030 soll dazu die Erzeugung von grünem Strom um 70 Prozent auf 140 Terawattstunden pro Jahr steigen.

„Wir schaffen die Grundlage für eine industrielle Herstellung synthetischer Kraftstoffe in einem Maßstab, den Europa dringend benötigt“, sagt Juha Peltomäki, Head of Industry bei einer Vereinigung zur Förderung grüner Technologien. Finnland ist bereits Pionier bei der Herstellung von HVO100, einem Dieseltreibstoff aus alten Tier- und Pflanzenfetten, der seit 2024 auch an deutschen Tankstellen zugelassen ist .

Nische oder Rettung?

Ob synthetische Treibstoffe den Pkw-Verbrenner im großen Stil retten werden, bleibt allerdings umstritten. Kritiker wenden ein, dass die direkte Elektrifizierung per Batterie effizienter ist. Doch für Schiffe, Flugzeuge, den Schwerlastverkehr und viele Spezialfahrzeuge gibt es kaum Alternativen zum flüssigen Kraftstoff. Und solange weltweit Milliarden Bestandsfahrzeuge mit Verbrennungsmotor unterwegs sind, könnten die Projekte in der Wüste Omans, im Wind Chiles und in den Raffinerien Spaniens entscheidend sein, um die Klimaziele doch noch zu erreichen.

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1 Kommentar

  1. Florian Weiss

    Warum hält sich diese Falschaussage so hartnäckig? Es gab NIE ein Verbrennerverbot. Verbrenner ohne CO2 Ausstoß, als zb mit synthetischen Treibstoffen hätte man auch schon vor der kürzlichen Novelle weiter zulassen dürfen….

    Ich muss noch Text hinzufügen, beim Speichern gibt es die Fehlermeldung doppelter Kommentar.

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