„Eigentlich bauen wir das erste wirkliche Automobil“, sagt Martin Lischka von Holon in Anspielung auf die Bedeutung des Wortes. Als vor rund 140 Jahren der Benz Patent-Motorwagen seine ersten Ausfahrten unternahm, wurde die Fahrzeuggattung Automobil getauft. Doch vom automatischen oder autonomen Fahren war das Gefährt, das lediglich ohne Pferde auskam, weit entfernt.

Bei Holons 5 m langem und 2,79 m hohem Shuttle mit dem Namen Urban ist das anders. Es wechselt im Sommer 2026 vom geschlossenen Testbetrieb in eine halb-öffentliche Erprobung in der Hamburger Innenstadt. „Dann starten wir mit einer geschlossenen Testgruppe. Es ist weiterhin ein Sicherheitsfahrer mit an Bord,“ sagt Lischka, der als Vice President Sales und Marketing den Marktstart in Deutschland sowie die Expansion in den USA sowie im Nahen Osten verantwortet.

Geschlossene Nutzergruppe

Anfänglich können nur angemeldete Teilnehmer der geschlossenen Nutzergruppe die Moia- und Holon-Fahrzeuge nutzen. Sobald die Fahrzeuge serienreif sind, wird sich das ändern. „Wir fahren dann als Teil des ÖPNV. Den Urban kann man mit der HVV-App nutzen“, sagt Lischka. Im Projektverlauf werden bis zu zehn Holon-Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Die Hamburger Hochbahn hat im Hamburger Stadtteil Barmbek einen Betriebshof mit Ladesäulen eingerichtet.

Designed by Pininfarina 
Der fünf Meter lange Holon Urban sieht auf den ersten Blick aus wie eine große Kiste auf Rädern. Dadurch wird der Raum perfekt genutzt, um bis zu 15 Passagiere transportieren zu können. Auch eine Rampe für Rollstuhlfahrer ist vorgesehen. Foto: Benteler
Designed by Pininfarina
Der fünf Meter lange Holon Urban sieht auf den ersten Blick aus wie eine große Kiste auf Rädern. Dadurch wird der Raum perfekt genutzt, um bis zu 15 Passagiere transportieren zu können. Auch eine Rampe für Rollstuhlfahrer ist vorgesehen. Foto: Benteler

Langfristig kommt der Urban ohne Lenkrad, Fahrersitz und menschlichen Fahrer aus. Dann steht der Innenraum vollständig den bis zu 15 Fahrgästen zur Verfügung. Über eine ausfahrbare Rampe kommen Rollstuhlfahrer ins Fahrzeug.

Lischka dürfte es kaum gefallen, dass der Urban hier als rollende Kiste bezeichnet wird. Der Unternehmen aus dem westfälischen Paderborn hat immerhin das renommierte italienische Designstudio Pininfarina mit der Gestaltung des Shuttles beauftragt.

Hamburger Projekt „Alike“ fährt zweigleisig

Es wird nicht als einziges autonomes Fahrzeug in der Hansestadt unterwegs sein. Die Volkswagen-Tochter Moia ist mit ihrem ID.Buzz AD ebenfalls Teil des Projekts „Alike“. Das Akronym steht für den sperrigen Titel „Autonomes Linienintegriertes KI-gestütztes E-Shuttle“. Während Moia Ride-Pooling betreibt, also Fahrgäste mit ähnlichem Ziel entlang der Strecke aufnimmt, wird Urban seine Runden im Liniendienst der Hamburger Hochbahn drehen.

Demofahrt in München 
Auf der IAA 2025 in München präsentierte Volkswagen den ID.Buzz AD, der im Rahmen des Hamburger Projekts "Alike" ab Sommer in Hamburg bei einen Ride-Pooling-Dienst eingesetzt wird. Aus Sicherheitsgründen zunächst noch mit einem Menschen nah am Lenkrad.
Demofahrt in München
Auf der IAA 2025 in München präsentierte Volkswagen den ID.Buzz AD, der im Rahmen des Hamburger Projekts „Alike“ ab Sommer in Hamburg bei einen Ride-Pooling-Dienst eingesetzt wird. Aus Sicherheitsgründen zunächst noch mit einem Menschen nah am Lenkrad.

Anfänglich können nur angemeldete Teilnehmer einer geschlossenen Nutzergruppe die Moia- und Holon-Fahrzeuge nutzen. Im Laufe des kommenden Jahres soll sich das ändern. „Wir fahren dann als Teil des ÖPNV. Den Urban kann man mit der HVV-App nutzen“, sagt Lischka. Die genaue Linienführung steht noch nicht fest. Doch Holon testet bereits zehn Vorserienfahrzeuge und hat im Hamburger Stadtteil Barmbek einen Betriebshof mit Ladesäulen eingerichtet.

Technik von Mobileye

Der elektrische Kleinbus hat eine Reichweite von etwas über 200 km. „Das reicht für eine Schicht bei der Durchschnittsgeschwindigkeit in der Stadt“, sagt Lischka. Hier spielen Wetterlage und Topografie der Strecke, Häufigkeit der Türöffnungen und Energieaufwand fürs Klimatisieren der Kabine eine Rolle.

Der „Urban“ kann bis zu 60 km/h erreichen. Damit er sich im Straßenverkehr zurechtfindet, nutzt er, wie auch Moia, die Technologie des israelischen Unternehmens Mobileye. Zum Einsatz kommt das Selbstfahrsystem Mobileye Drive mit vier Eye-Q6-Chips (SoC), die jeweils 34 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde verarbeiten können. Die Daten der Umgebung liefern 13 Kameras, fünf Radare sowie sechs Nahbereichs-Lidare und drei in die Ferne gerichtete Lidare.

(Hier geht es weiter zum zweiten Teil)

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert