Vom Stahlrohr zum Shuttle

Doch es ist mehr Software notwendig, um autonom zu fahren. Derzeit schaut ein Busfahrer, ob Gepäck die Türen versperrt oder ein Fahrgast ohnmächtig geworden ist. Das wird in Zukunft die Bilderkennung der Kameras im Innenraum übernehmen. Im Notfall können Fahrgäste auch eine Sprachverbindung mit der Leitstelle aufnehmen.

Holon mit Sitz in Paderborn ist Teil der Benteler-Gruppe, die bereits auf 150 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblickt. In ihren Anfangstagen gab es noch keine Autos. Anfänglich wurden Stahlrohre produziert, bevor schrittweise der Automobilbereich hinzukam. Heute ist Benteler einer der großen Zulieferer der Autoindustrie.

Neue Holon-Fabrik in Florida

Die Vorserienfertigung läuft am Firmensitz in Paderborn sowie in Fulda. Doch das Unternehmen plant groß. Ab dem dritten Quartal 2027 startet die Serienfertigung in einer neu errichteten Fabrik in Jacksonville, Florida. „Wir wollen vierstellige Stückzahlen pro Jahr an unsere Kunden liefern“, sagt Lischka.

Die Abnehmer sind Verkehrsbetriebe in aller Welt. „Allein in Europa werden pro Jahr 40.000 Busse im öffentlichen Nahverkehr durch Neuzulassungen ersetzt. Davon wollen wir uns einen Teil erobern“, sagt Lischka.

Chinesisches Sammeltaxi für die USA
Waymo setzt in seiner Robotaxi-Flotte in den USA neben dem Jaguar i-Pace neuerdings auch ein „Ojai“ genanntes Modell mit drei Schiebetüren ein, das auf dem Elektro-Van Zeekr RT ("Robo-Taxi") aus dem chinesischen Geely-Konzern basiert. Foto: Waymo
Chinesisches Sammeltaxi für die USA
Waymo setzt in seiner Robotaxi-Flotte in den USA neben dem Jaguar i-Pace neuerdings auch ein „Ojai“ genanntes Modell mit drei Schiebetüren ein, das auf dem Elektro-Van Zeekr RT („Robo-Taxi“) aus dem chinesischen Geely-Konzern basiert. Foto: Waymo

Klimaziele und Fahrermangel ließen immer mehr Verkehrsbetriebe umdenken, erklärt er. „Große Busse kosten bis zu 150 Euro pro Betriebsstunde. Unser Ziel ist, ein Drittel dieser Summe zu erreichen“, sagt Lischka. Auf vielen Strecken sind große Linienbusse nur zweimal am Tag ausgelastet, den Rest des Tages fahren sie fast leer.

Wettbewerb mit Robotaxi

Mit einer Produktion in den USA hat Holon bereits eine wesentliche Bedingung für den Verkauf elektrischer Fahrzeuge in dem Land erfüllt. Die Erfolge von Waymo machen anderen Betreibern Mut, dass Robotaxis ein gutes Geschäft sein können.

Den Einwand, dass Waymo wie ein klassisches Taxi Einzelfahrten biete und der Holon Shuttle eher ÖPNV sei, der in den USA nicht sonderlich beliebt sei, lässt Lischka nicht gelten. „Wenn das Erlebnis vergleichbar ist, aber der Preis deutlich unter einem Robotaxi liegt, werden viele Leute umdenken“, sagt er.

Als weitere Exportmärkte nennt der Manager Dubai, Abu Dhabi und Saudi-Arabien. Zum einen sind warme Regionen für batteriebetriebene Fahrzeuge vorteilhaft, zum anderen hat der Holon-Investor Tasaru Mobility Investment seinen Sitz in Riad. Über die genaue Höhe der Beteiligung schweigen beide Seiten.

Neue Anbieter drängen auf den Markt

Holon gehört in diesem Segment zu den wenigen Überlebenden. Das autonome E-Shuttle hatte seinen Durchbruch 2019 bei der CES in Las Vegas. Die Autohalle glich in dem Jahr einem Shuttle-Parkplatz. Continental taufte sein Modell Cube, bei Easymile hieß es EZ 10. Bosch hatte ebenfalls ein Shuttle und ZF kooperierte mit e.Go aus Aachen für sein Fahrzeug. Viele dieser Projekte existieren heute nicht mehr.

Gestatten: SUE
Im Februar feierte das 4,60 Meter lange Self-driving Urban E-Shuttle in bayerischen Gaimersheim Premiere. In Kelheim soll es schon bald bis zu acht Kurgäste und Pendler emissionsfrei zum Bahnhof transportieren. Foto: Studio Uedelhoven

Heute drängen neue Anbieter auf den Markt. Ein Beispiel ist SUE der UE Studios. Bei der Wiederbelebung der rollenden Kisten sind Akronyme hoch im Kurs. Sue steht für Self-Driving Urban E-Shuttle. Die UE Studios in Gaimersheim bei Ingolstadt sind Design- und Ingenieursdienstleister. „SUE ist unser Beitrag zu einer autonomen und nachhaltigen Mobilität, die die Bedürfnisse der Nutzer sowie der Kommunen und Betreiber in den Fokus rückt“, sagte Projektleiter Alexander Uedelhoven bei der Premiere im Februar.

Das deutsche Projekt wird von zehn Partnern getragen, darunter sind Elring Klinger, Fraunhofer EMFT, TÜV Nord, DB Regio sowie die Technische Hochschule Ingolstadt. Fördermittel kommen von der EU und dem Bundeswirtschaftsministerium.

Die Ingenieure setzen bei SUE auf ein Skateboard-Konzept mit 48-Volt-Architektur. Die Niedervoltspannung senkt Betriebs- und Wartungskosten, dennoch schafft der Shuttle bis zu 50 km/h. Eine erste geplante Teststrecke verläuft über drei Kilometer zwischen dem bayrischen Neustadt an der Donau und Bad Göggingen.

Heat und Bahnhofs-Shuttle

Dabei sind autonome Shuttles nicht neu. Bis Ende 2021 fuhr in der Hamburger Hafencity ein Fahrzeug mit dem Namen „Heat“. Auf dem 1,8 km langen Rundkurs vorbei an der Elbphilharmonie machten sich Passanten den Spaß, auf die Straße zu treten, um zu sehen, ob der autonome Shuttle stoppt.

Dadurch war der Bus als Transportmittel kaum brauchbar, hinzu kam eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Länger war ein Easymile-Shuttle im Bad Birnbach im Dienst. Von 2017 bis 2024 transportierte ein autonom fahrender Kleinbus Passagiere im Auftrag der DB vom Bahnhof des bayrischen Kurorts in die Innenstadt.

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