Schlagzeilen machte Miltenyi Biotec in jüngerer Zeit mit der Forschung an einem passiven Impfstoff gegen das Corona-Virus und mit neuen Zelltherapien zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen. Mit Elektroantrieben und neuen Mobilitätskonzepten haben sich die 3000 Beschäftigten des in Bensberg bei Köln beheimateten und weltweit aktiven Biotech-Unternehmens (Jahresumsatz über 300 Millionen Euro) noch nie beschäftigt. Allenfalls mit einer magnetischen Zellsortierung von Antikörpern könnten sie dem Themenfeld theoretisch nahegekommen sein.

Trotzdem gehören Miltenyi Biotec seit kurzem Anteile an der e.Go Moove GmbH aus Aachen – dem Startup von Professor Günther Schuh, das sich zum Ziel gesetzt hat, den öffentlichen Nahverkehr mit elektrischen und vollautonom fahrenden Kleinbussen zu revolutionieren. Wie das Unternehmen dieser Tage bekannt gab, hat Miltenyi Biotech im Rahmen einer Finanzierungsrunde die Anteile des Autozulieferers ZF an e.Go Moove übernommen. Wie groß die Beteiligung ist und was sie kostet, bleibt vorerst ein Geheimnis.

ZF fokussiert sich auf 2getthere

ZF will sich in Zukunft auf die Zusammenarbeit mit dem niederländischen Mobilitätsanbieter 2getthere fokussieren. An dem „erfahrenen Anbieter autonomer elektrischer Personentransportsysteme“ aus Utrecht hatten die Friedrichshafener im Frühjahr 2019 für einen ebenfalls nicht näher bezifferten Betrag einen Anteil von 60 Prozent erworben. Damals hieß es, mit der Beteiligung an 2getthere ergänze ZF seine Beteiligung und Kooperation mit dem Joint Venture e.GO Moove.

Doch inzwischen haben sich offenbar die Schwerpunkte verschoben: Dem Aachener Unternehmen will ZF zwar weiterhin bei der Entwicklung der Systeme helfen und auch Komponenten liefern – gegen Rechnung, versteht sich. Doch von den Niederländern verspricht sich Konzernchef Wolf-Henning Scheider offenbar mehr. Immerhin laufen die fahrerlose Personen- und Lastentransportsysteme von 2getthere bereits in mehreren Großstädten wie Rotterdam, Singapur und Abu Dhabi sowie an den Flughäfen von Brüssel und Amsterdam.

Miltenyi Biotech bringt e.Go Moove voran

2getthere liefert bereits – e.GO Moove hingegen, Schwesterunternehmen des vorübergehend insolventen und inzwischen von einem niederländischen Private-Equity-Unternehmen geretteten Elektroautoherstellers Next e.Go Mobile, muss sich erst neu aufstellen. Die Beteiligung von Miltenyi Biotech an e.Go Moove ist ein erster Schritt dazu. Wie es in Aachen heißt, sei man aber offen für weitere Investoren. Immerhin soll das neue Montagewerk noch in diesem Jahr in Betrieb gehen, um die ersten Exemplare des elektrischen People Mover für den emissionsfreien Personennahverkehr in den Städten zu produzieren. Und wohl im Februar soll die Cargo-Version für den Transport von Gütern und Handwerkern vorgestellt werden.

Professor Günther Schuh, der Gründer von e.Go Mobile und e.Go Moove, vor dem Elektrokleinwagen Life und dem Konzeptauto Cross.
So wird ein Schuh daraus
Professor Günther Schuh, der Gründer von e.Go Mobile und e.Go Moove, vor dem Elektro-Kleinwagen Life und dem Konzeptauto Cross. Foto: e.Go Mobile

Eingesetzt werden die elektrischen Kleinbusse dann vielleicht ab kommendem Jahr auch in Bensberg: Stefan Miltenyi, der Gründer und Geschäftsführer von Miltenyi Biotec, bemüht sich seit längerem um eine bessere Anbindung seiner Firmenzentrale an den öffentlichen Nahverkehr. Die Pläne des Physikers für die Verlängerung einer Straßenbahnverbindung nach Köln fanden bei den Verkehrsbetrieben keine Unterstützung – nun könnten Minibusse aus Aachen für den ersehnten Lückenschluss sorgen und die Parkplatzprobleme in dem Gewerbepark lösen. Das Kraftfahrtbundesamt hat dem kleinen People Mover immerhin inzwischen eine Betriebszulassung erteilt.

e.Go Life kann wieder bestellt werden

Neues gab es in dem Zusammenhang auch vom e.Go Life zu berichten, dem Elektroauto der e.Go Mobile. So nimmt der Vertrieb des Unternehmens inzwischen per Mail wieder Bestellungen für den kleinen Stromer entgegen. Denn die Produktion des E-Mobils soll in Kürze wieder anlaufen. Das Unternehmen hatte nach der durch die Insolvenz verursachten Zwangspause zunächst seine Wiederzulassungen als Fahrzeughersteller beantragen müssen. Aktuell wird die Website neu aufgesetzt und bei der Gelegenheit um einen Auto-Konfigurator ergänzt. Es sieht also so aus, als ob die Flotte von 700 e.Go Life, die bislang ausgeliefert wurde, bald Zuwachs bekommen sollte.

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