Der entgegenkommende E-Biker hält das Gefährt für einen Augenblick vermutlich für eine außerirdische Erscheinung: Die Augen weit aufgerissen zischt er an mir vorbei und verpasst dabei fast den Schwenk, den der Radweg vor ihm macht. Erst im letzten Moment reiß er den Lenker herum und verhindert so, im Straßengraben zu landen. Andere schmunzeln bei unserem Anblick oder schütteln leicht den Kopf – auch Autofahrer auf der parallel verlaufenden Landstraße.
Ja, der Hopper bricht mit den Sehgewohnheiten auf unseren Straßen. Er sieht auf den ersten Blick aus wie ein Zwitter aus einem der elektrischen Seniorenmobile, mit denen gehbehinderte Menschen in Schrittgeschwindigkeit zum Einkauf rollen, und einem elektrischen Mopedauto der Klasse L6e, die sich unter Jugendlichen mit Mopedführerschein wachsender Beliebtheit erfreuen. Tatsächlich aber ist es ein dreirädriges Fahrrad mit elektrischer Trittunterstützung und einem Dach als Witterungs- und Überschlagschutz. Wohl um Stress mit den Ordnungsbehörden vorzubeugen, die sich am Anblick des unkonventionellen, inklusive Außenspiegel immerhin 1,05 Meter breiten Gefährts auf einem Radweg stören könnten, hat der Hersteller auf der Vorder- und der Rückseite der Kabine in fetten Lettern den Schriftzug „Ich bin ein Fahrrad“ aufgeklebt.
Fahrrad mit Unfall- und Wetterschutz
Hinter dem Hopper steckt ein Hamburger Start-up, das im Juni 2025 die Serienproduktion dieses ungewöhnlichen Mikromobils gestartet hat. Die Idee des dreiköpfigen Gründerteams, die 2020 in einer Garage in Augsburg entstand, ist so pragmatisch wie ambitioniert: Ein Fahrzeug zu schaffen, das die Umweltfreundlichkeit und Agilität eines E-Bikes mit dem Wetterschutz und dem Komfort eines Autos verbindet.

Radfahrer reagierten bei unserer Testfahrt erstaunt bis verschreckt bei der Entdeckung des Hopper auf dem Radweg.
Wer einsteigt, fühlt sich unweigerlich an einen Kleinstwagen erinnert. Man nimmt auf einem längs verstellbaren Autositz Platz, greift nach einem Lenkrad mit Zentraldisplay sowie Tasten für die Blinker und die Antriebssteuerung und hat obendrein einen kleinen, 125 Liter fassenden sowie verschließbaren Kofferraum sowie bei Bedarf auch zwei Sitzplätze für Kleinkinder im Rücken. Zur Not findet auch ein Erwachsener ohne Klaustrophobie auf der Rücksitzbank Platz. Ähnlich wie seinerzeit im Renault Twizy.
Technische Daten
Antrieb: Heinzmann-Motor mit 250 Watt Leistung (1350 Watt max.);
Akkukapazität: 1440 Wh (48 V, 30 Ah);
Reichweite: 60 Km, Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h;
Abmessungen (L/H/M) in mm: 2012/1490/1050;
Gewicht: ca. 140 kg ohne Akku, ca. 150 kg mit Akku;
Preise: 11.900 Euro (Passenger), 12.300 Euro (Cargo). Ersatzbatterie: 1790 Euro.
Doch der Hopper ist kein Leichtmobil, sondern ein Pedelec. Das bedeutet: Man darf auf Radwegen am Stau vorbeiziehen und die Parkplatzsuche verliert ihren Schrecken. Mit einer Länge von rund zwei Metern lässt er sich problemlos quer am Straßenrand oder auf Fahrradstellplätzen abstellen. Der herausnehmbare LFP-Akku unter dem Sitz mit einer Kapazität von 1440 Wattstunden soll für jeweils rund 60 Kilometer Reichweite sorgen – mehr als genug für die alltäglichen Pendelstrecken.
Lenkung wie beim Gabelstapler
Aber um in Schwung zu kommen, braucht es nach der Drehung des Schlüssels im Zündschloss Muskelkraft. Und das nicht zu wenig. Immerhin wiegt schon das Dreirad leer schon 150 Kilogramm. Und der Fahrer sowie sein Gepäck wollen ebenfalls bewegt werden. Die ersten drei, vier Umdrehungen der Tretkurbel – welche einen Generator antreibt, der den Fahrstrom produziert – fallen bei unseren kleinen Ausfahrt schwer. Aber dann nimmt der Hopper dank des 250 Watt starken Elektromotors im Hinterrad rasch Geschwindigkeit auf. Mit der elektrischen Anfahrhilfe – die wir erst später entdecken – wäre es noch einfacher gewesen. Anfängerfehler.

1440 Wattstunden fasst der LFP-Akku. Zum Laden kann er leicht entnommen werden. Ein Ladestecker ist in Vorbereitung.
Ohnehin gilt es zunächst einmal, sich mit den Besonderheiten des Hopper vertraut zu machen. Vertriebsmann Arnd Aelmanns hatte uns zwar dankenswerterweise eine Einweisung in die Technik gegeben. Aber es braucht ein paar Minuten, um sich beispielsweise mit der Lenkung vertraut zu machen. Denn bewegt werden beim Hopper nicht die beiden Vorderräder. Für Richtungswechsel sorgt wie bei Gabelstapler statt dessen das Rad einer Schubkarre im Heck. Und eingeschlagen werden kann dieses über eine Kette bis zu 90 Grad.
Das sorgt zwar für eine ungeheure Wendigkeit und einen Wendekreis von gerade einmal zwei Meter. Aber ein abruptes Drehen am Lenkrad in voller Fahrt, so hatte uns Aelmanns gewarnt, könne zum Kippen des Gefährts führen. Denn über ein elektronisches Stabilitätsprogramm, wie es Mercedes 1997 nach dem legendären Elchtest bei seiner A-Klasse einführte, verfügt der Hopper natürlich nicht. Ebenso wenig über eine Neigetechnik.
Hopper-Fahren will gelernt sein
Also erst mal bremsen – und dann vorsichtig den U-Turn einleiten. Wobei das Bremsen auch gelernt sein will: Verzögert wird während der Fahrt nicht wie bei einem Fahrrad über zwei Hebel am Lenker, sondern hauptsächlich über einen Ring am Lenkrad. Zieht man den mit den Fingern an den Lenkradkranz heran, werden die Scheibenbremsen per Zugbremse (eine hydraulische Bremse, hören wir später, ist in Vorbereitung) vorne betätigt. Zusätzlich lässt sich mit der Ferse des rechten Fußes und über ein Pedal im Kabinenboden das Hinterrad abbremsen. Die Koordination will gelernt sein, das System erschließt sich aber schnell.

In der Kunststoffkabine des Hopper Passenger ist Platz für zwei Menschen. Der 125 Liter große Kofferraum fasst ihre Einkäufe.
Die Fahrt durch den Ort zeigt schnell die praktischen Vorzüge des Hopper. Wo Pkws sich auf der engen Landstraße drängeln, gleite ich auf dem kombinierten Fuß-/Radweg entspannt vorbei. Dank der geschlossenen Kabinenstruktur und den optionalen Seitentüren sitzt man bei Wind und Wetter trocken, ganz ohne lästige Regenkleidung. Ok, der Heinzmann-Motor im Heck summt etwas lauter und mit einer höheren Frequenz als bei einem hochwertigen E-Bike etwa mit Bosch-Antrieb. Und auch die Federung könnte etwas weicher sein. Unebenheiten im Fahrweg – von denen es auf deutschen Radwegen mehr als reichlich gibt teilen sich dem Rückgrat unvermittelt mit. Aber als leichter Regen einsetzt, bin ich froh, unter einem Dach zu sitzen, statt mit Helm auf dem Sattel eines konventionellen E-Bikes.
Markt für überdachte Mikromobile wächst
Genau hier setzt das Konzept an: Bei der dringend notwendigen Suche nach einer alltagstauglichen, preiswerten Alternative zum Auto. Unsere Städte ersticken im Verkehr, die Feinstaubbelastung ist hoch und der klassische Pkw steht im Schnitt 23 Stunden am Tag ungenutzt auf versiegelten Flächen herum. Für viele Menschen ist das herkömmliche Fahrrad und auch ein E-Bike bestenfalls nur an Sommertagen eine echte Alternative. Die meiste Zeit des Jahres bleibt das hochwertige Jobbike aus Angst vor Regen, Kälte oder mangelndem Fahrkomfort im Keller oder der Garage stehe. Der Hopper schlägt hier eine smarte Brücke.
Wobei der Hopper mit diesem Ansatz nicht allein auf weiter Flur ist. Die Fahrzeuggattung der überdachten Mikromobile wächst, doch die technischen Philosophien unterscheiden sich deutlich. Während der Hopper rechtlich ein E-Bike ist und deshalb weder einen Führerschein noch einen speziellen Versicherungsschutz benötigt, ist beispielsweise der ebenfalls dreirädrige Xyte One ein ausgewachsener Elektroroller, mit einem 19 kW starken Elektromotor und einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h – treten muss hier niemand mehr. Am ehesten kommt das Podbike TwoZero Classic aus Norwegen – der als Fricar lange Furore machte – konzeptionell dem Hopper nahe. Es verfügt ebenfalls über einen vollverkleidete Kabine und eine Wechselakku, verfügt aber nur über einen Sitzplatz und rollt auf vier Rädern, weshalb es bei weitem nicht so wendig wie der inzwischen in Hamburg beheimatete Hopper.

Die Mikromobilität hat in der Stadt großes Potenzial. Die Dimensionen der beiden Fahrzeuge sind ähnlich, aber Hopper glänzt mit wesentlich höherer Wendigkeit, dafür wird beim L6-Stromer für den Betrieb keine Muskelkraft benötigt. Fotos: Rother
Billig sind alle drei Fahrzeuge nicht. Die Norwegen rufen 8.310 Euro nur für das E-Quad auf, der 833 Wattstunden fassende Akku sowie das Ladegerät wollen mit 865 Euro bezahlt sein. Das Xyte One wird im Herbst zu einem Preis von 12.900 Euro starten. Und für einen Hopper in Passenger-Ausführung wie auf unserer Testfahrt ruft das Startup wenigstens 11.500 Euro auf. Radkappen in Wagenfarbe kosten 290 Euro Aufpreis, Seitenverkleidungen zum Schutz vor Seitenwind und schräg einfallendem Regen weiter 690 Euro. Das kommt schnell ein Betrag von rund 14.000 Euro zusammen. Ein vollelektrisches Mopedauto mit festen Türen gibt es bereits für etwas mehr als 10.000 Euro, einen Opel Rocks Electric oder Citroen Amibereits für weniger als 8000 Euro. Und da muss nicht pedaliert werden und mit einer Spitzengeschwindigkeit von 45 Km/h ist man auch schneller am Ziel. Einziges Handicap: Fahrradwege dürfen damit nicht benutzt werden.
Auto-Alternative für Pflegedienste
Als ich den Hopper nach meiner Testfahrt wieder abstelle, bin ich auch deshalb hin und hergerissen. Die Kombination aus Wetterschutz, der unkomplizierten Radwegnutzung und dem Pkw-ähnlichen Bedienkonzept hat großen Reiz und findet bei uns viel Sympathie. Wenn wir die Verkehrsprobleme in den Ballungsräumen ernsthaft lösen wollen, brauchen wir genau solche kreativen Ansätze – Fahrzeuge, die trocken und sicher ans Ziel bringen, ohne den Platzbedarf und die Emissionen eines klassischen Autos zu beanspruchen. Wie uns Vertriebler Aelmanns berichtet, stößt das E-Bike deshalb in der Cargo-Ausführung (mit 285 Liter fassendem Gepäckabteil) bei Betreibern von Pflegediensten auf großes Interesse: Viele der Beschäftigten dort besäßen keinen Führerschein.
Auf der anderen Seite scheint der Alltagsnutzen des Hopper für Privatleute außerhalb der Stadt durch den vergleichsweise schwachen Antrieb begrenzt. In den Städten könnte es auch zu Reibereien mit anderen Radfahrern und Fußgängern sorgen, denen breite Lastenräder schon heute ein Dorn im Auge sind. Es braucht vielerorts sicher auch eine Garage zum sicheren Abstellen des Fahrzeugs. Und die hohen Anschaffungskosten für ein Zweitfahrzeug muss man sich leisten können. Die Idee ist pfiffig, braucht auch noch ein wenig Zeit beim Publikum und auch an der technischen Reife.