Die Corona-Inzidenzen für München und Umgebung sehen derzeit noch ganz gut aus: Bliebe es bei einem Wert von unter 30, müssten die Organisatoren der IAA Mobility in der Zeit zwischen dem 7 und 12. September – abgesehen von der Maskenpflicht – keine größeren Beschränkungen befürchten. Etwas mehr Sorge bereitet dem Verband der Automobilindustrie (VDA), der Messe München und auch einigen Herstellern da schon Aktivitäten von linksextremen Kräften in den Sozialen Medien. Dort bereiten sie, wie man lesen kann, eine „Massenaktion zivilen Ungehorsams“ vor, um die „Klimakiller-Party“ zu stören und den „Autokapitalismus“ zu stoppen. Aber darum werden sich sicherlich beizeiten das bayerische Innenministerium und der Staatsschutz kümmern.

Nein, so leicht lassen sich die Veranstalter der „weltgrößten“ Auto- und Mobilitäts-Messe nicht „Sand ins Getriebe“ streuen. Weder vom Corona-Virus, noch von den geplanten Aktionen von Kapitalismuskritikern und Umweltschützern, die der Automobilclub von Deutschland (AvD) in einer Pressemitteilung schon in die Nähe von Terror rückte. VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel zeigte sich auf einer virtuellen Pressekonferenz jedenfalls ganz gelassen, als die Rede auf die Frage kam, ob die IAA im September tatsächlich wie geplant stattfinden könne: „In einer Demokratie sind Proteste legitim und wichtig – solange sie friedlich stattfinden. Wir werden damit jedenfalls umzugehen wissen.“

Und um die IAA nicht zu einem Superspreader-Ereignis werden zu lassen, habe sich der VDA zusammen mit der Messegeselschaft und dem Land Bayern ein umfassendes Corona-Konzept einfallen lassen, das für verschiedene Inzidenzien auch verschiedene Szenarien vorsieht . Aber eine Absage der IAA Mobility ist – bislang – nicht darunter. Es wird die erste große Messe und erste Großveranstaltung in Deutschland seit dem Lockdown 2020 sein – und die letzte Gelegenheit für die Autoindustrie vor den Bundestagswahlen am 26. September, um der Öffentlichkeit und der Politik zu demonstrieren, dass man den Klimaschutz nicht nur ernst nimmt, sondern auch bereits unterwegs ist in die Ära einer nicht nur emissionsfreien, sondern auch smarten Mobilität.

Der Verband der Autoindustrie richtet die IAA komplett neu aus, konzeptionell und räumlich. VDA-Geschäftsführer Martin Koers gibt Einblicke in den Prozess. Automesse

„What will move us next“, lautet das Motto der Messe. Zu Deutsch: Was uns als Nächstes bewegen wird. Und das werden nicht nur Elektroautos sein. Fahrräder und Roller, Busse und Bahnen werden, so die Vision, eine deutlich größere Rolle spielen als heute. „Wir laden mit der IAA zu einer Debatte über den richtigen Weg zu einer klimaneutralen Mobilität ein“, erläuterte Mindel das neue Konzept der IAA, die ausdrücklich keine Automesse mehr sein will, sondern ein „Mobilitätsevent“, mit einer Fahrzeugausstellung, ja, aber auch einer Konferenz, mit Möglichkeiten zum Testen und Probefahren auf vier so genannten „Blue Lanes“.

Probefahrten auf vier „Blue Lanes“ durch die Stadt

Auf der einen werden Auto mit Elektro- und Hybridantrieben pendeln, auf zwei anderen Fahrräder, E-Scooter und Roller. Und dann gibt es noch eine Blaue Spur, die mit der U-Bahn auf direktem Wege von der Messe in Riehm in die Münchner Innenstadt führt. Dort gibt es während der Messezeit noch zahlreiche „Open Spaces“, wo den Bewohnern der Stadt, Besuchern der Messe und Touristen Neuigkeiten aus der Welt des Verkehrs vorgestellt werden – auf unterhaltsame Art und Weise und mit der Möglichkeit zur Stärkung mit Speis‘ und Trank, wie Christine von Breitenbach erläuterte, die bei der Messe München das Projekt betreut. Und weil die Messe ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit steht, wird darauf geachtet, dass auch dort möglichst nur Grünstrom zum Einsatz kommt und kein Dieselgenerator brummt.

Auf blauen Linien durch die Stadt
Die IAA Mobility soll vom 7. bis 12. September ganz München in ihren Bann ziehen. Zwischen Innenstadt und Messe wurden „Blue Lanes“ eingerichtet, auf denen Fahrzeuge aller Art ausprobiert werden können. Diskutiert wird darüber in Fachkreisen auf der Messe, mit Laien in so genannten „Open Spaces“ im Stadtzentrum. Grafik: VDA

Fast könnte man meinen, die neue IAA werde zum Jahrmarkt für Mobilitätslösungen, einer Ersatzveranstaltung für das wegen Corona gestrichene Oktoberfest. Aber natürlich bleibt es eine Messe, ein Treffpunkt von Deutschlands wichtigsten Wirtschaftsbranche. Auch wenn zwei Hallen auf dem Messegeläde der Fahrradbranche vorbehalten sind. In den übrigen fünf Hallen aber werden Autohersteller und Zulieferer aus aller Welt insgesamt 100 Weltpremieren zelebrieren – zurückhaltender als bisher, auch auf weniger Ausstellungsfläche als noch beim letzten Mal in Frankfurt.

100 Weltpremieren – und jetzt schon ein Erfolg

Die Akquise läuft noch, aber VDA-Geschäftsführer Mindel zeigte sich mit den bisherigen Anmeldungen schon ganz zufrieden. Die deutschen Autobauer sind komplett da – die Mitglieder des VDA sind gewissermaßen gesetzt. Aber auch viele Fahrzeughersteller aus dem Ausland werden nach München kommen, auch aus Japan und China. Und auch Renault ist wieder dabei – die Franzosen waren der IAA vor zwei Jahren noch aus Kostengründen fern geblieben. Abgesagt haben nur General Motors, Toyota und die Marken der Stellantis-Gruppe – Peugeot-Citroen, DS, Fiat mit Chrysler, Dodge und Jeep und – schweren Herzens – Opel. Und obwohl Tesla bald auch in Deutschland ein Werk hat, verzichten die Kalifornier in diesem Jahr noch einmal auf eine Teilnahme.

Für VDA-Geschäftsführer Mindel ist das kein Beinbruch: „Wir gehen davon aus, dass die IAA auch so ein Erfolg werden wird.“

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