Altes Geld, neues Geld. In China stehen diese Begriffe für zwei unterschiedliche Lebensarten, gepflegt von Mitgliedern aufeinander folgender Generationen. Menschen, die über altes Geld verfügen, sind über 50 Jahre alt. Deren Nachgeborene zählen ab 20 Lenze. Sie verfügen über neues Geld – meistens durch Zugriff auf Bankkonten ihrer Eltern, doch auch durch eigene Arbeit oder Spekulationsgewinne. Beide vermögenden Gruppen sind leicht auseinander zu halten, weil man in China gerne zeigt, was man hat. Altes Geld fließt in Louis Vuitton, Rolex, Rolls-Royce, Bentley und Maybach. Neues Geld wird für Designerkleidung, Ferrari, Lamborghini, McLaren und Porsche verbrannt. Und zunehmend für Produkte made in China.
BYD hat dafür die Submarke Yangwang gegründet und baut den SUV U7 und den Sportwagen U9. NIO versucht es mit dem ET9. Doch die Krone für Luxus made in China beansprucht seit Mai 2025 Maextro. Eine Marke, die Rolls-Royce, Bentley und Maybach unverhohlen offensiv angreift. Sie geht auf Initiative des Konsumgüter-Herstellers Huawei zurück und wird gemeinsam mit der Anhui Jianghuai Automobile Group ( JAC) umgesetzt. Von Huawei stammen die KI gestützten, hochvernetzten intelligenten Assistenzsysteme, JAC steuert die Fahrwerkskomponenten sowie die überaus luxuriöse Innenausstattung bei. Gebaut wird der Luxusschlitten im JAC-Werk in Hefei.

Mit der Marke Maextro greift der Huawei-Konzern im Automobilgeschäft traditionelle Hersteller von Luxusautos wie Rolls-Royce an.
Fünf Jahre habe die technische Entwicklung seiner sogenannten Tuling-Plattform gedauert, sagt Huawei-Chef Yu Chengdong, der sich auch Richard Yu nennt. Eine Ewigkeit im chinesischen Automobilkosmos, wo in zwei Jahren oder gar weniger neue Pkw auf die Räder gestellt werden. Die Liebe zu Details sei der Grund dafür, sagt Huawei. Maextro ist das vierte von Huawei initiierte Auto-Projekt nach Seres, in Zusammenarbeit mit Aito, Stelato, in Kooperation mit BAIC und Luxeed mit Chery.
Huaweit treibt den Verkauf
Alle Kooperationspartner sind Staatskonzerne, die Autos werden über Huawei eigene, mit der blumigen Bezeichnung „HIMA“ Stores (Harmony Intelligent Mobility Auto) verkauft. Im Dezember lieferte HIMA 1.593 Einheiten des S800 aus, was eine Steigerung von 104 Prozent gegenüber dem Vormonat bedeutet. Damit verkauft er sich in der Preisklasse über (umgerechnet) 90.000 EUR aktuell besser als die entsprechend eingepreisten Modelle von BMW, Porsche und Maybach zusammen. Ganz zu schweigen von Rolls-Royce und Bentley. Kumuliert wurden bis zum 16. Dezember 11.453 Maextro S800 verkauft.

Der 5,48 Meter lange, 2,00 Meter breite und 1,54 Meter hohe S800 ist das erste Maextro-Modell und fährt als Highend-Luxuslimousine mit 3,37 Meter langen Radstand vor. Und einem Elektroantrieb, den ein Benziner als Reichweiten-Verlängerer unterstützt.
Die Tuling-Plattform des Maextro S800 sei modular aufgebaut, um Limousinen, SUV und Minivans bis 3,8 Tonnen zu tragen, sagt Huawei und signalisiert, dass man einen langen Atem besitze. Der 5,48 Meter lange, 2,00 Meter breite und 1,54 Meter hohe S800 ist das erste Maextro-Modell und fährt als Highend-Luxuslimousine mit 3,37 Meter langen Radstand vor. Als erster Ausländer bekommen wir Zugang und fahren in China die batterieelektrische Version mit Reichweitenverlängerer, die Topversion.
Vierzylinder von der Stange als Range Extender
Dass der Benziner weder als prestigeträchtiger V12, V8 oder zumindest Sechszylinder ICE-Block arbeitet, mag Kunden mit altem Geld frösteln lassen. Ihre Nachfolge-Generation dagegen stört es nicht im Mindesten, dass im Vorderwagen ein aufgeladener 1,5-Liter-Vierzylindermotor von der Stange wohnt. Er leistet 115 kW (156 PS) und lädt ausschließlich die NMC-Akkus nach. Den Vortrieb des S800 übernehmen ein 160 kW (218 PS) starker E-Motor an der Vorder- und zwei E-Motoren an der Hinterachse, die jeweils 237,5 kW (323 PS) leisten. Folglich beträgt die für den Vortrieb nutzbare Systemleistung würdige 635 kW (864 PS).

Maextro verspricht eine nominelle E-Reichweite von 420 Kilometer nach der chinesischen Verbrauchsnorm CLTC. Mit 65 Liter Benzin an Bord und aufgeladenem Akku sogar bis zu 1.333 Kilometer. Im Alltagsverkehr dürften rund 1.000 Kilometer Reichweite realistisch sein.
Zu dem von CATL gelieferten Stromspeicher im Unterboden, macht Maextro keine Angaben. Wir vermuten eine Kapazität von 65 kWh und fahren 320 km weit elektrisch, bevor der Verbrenner bei 11 Prozent Restladung anspringt, um den Stromvorrat aufzufrischen. Er bleibt akustisch völlig im Hintergrund. Das geschulte Ohr nimmt nur ein leises Summen wahr. Maextro verspricht eine nominelle E-Reichweite von 420 Kilometer nach der chinesischen Verbrauchsnorm CLTC. Mit 65 Liter Benzin an Bord und aufgeladenen Akkus sogar bis zu 1.333 Kilometer. Im Alltagsverkehr halten wir rund 1.000 Kilometer Gesamtreichweite für realistisch.
Autonom fahren auf Level 3
Während die Antriebstechnik des S800 einen Spurt von 0 auf 100 km/h in 4,5 Sekunden erlaubt und damit auf dem Niveau anderer chinesischer Oberklasse-Limousinen liegt, stechen raffinierte ADAS-Funktionen hervor. Zudem eine Luxusausstattung, die auf so hohem Niveau liegt, dass sogar gekrönten Häuptern und Staatschefs der Schritt in die neue Welt der Elektromobilität schmackhaft gemacht werden könnte. Doch wen wundert’s: In China zählen zu den ersten Kunden junge Filmstars, Musiker und sogar Blogger. Innerhalb der ersten 30 Tage nach Bekanntgabe der Preise gingen 6.500 Bestellungen für den Luxusliner ein.

Ausgestattet mit ADS 4, der neusten teilautonomen Fahrfunktion von Huawei aus Level 3, chauffiert der S800 trotz seiner monströsen Länge sehr harmonisch durch den Stadtverkehr von Shanghai. Selbst bei Nacht und im Regen. Fotos: Zöllter
Ausgestattet mit ADS 4, der neusten teilautonomen Fahrfunktion von Huawei aus Level 3, chauffiert der S800 seine Passagiere sehr harmonisch nicht nur über Land, sondern trotz seiner monströsen Länge auch beeindruckend elegant durch den Stadtverkehr von Shanghai. Er wechselt Fahrspuren im fließenden Verkehr ohne ruckartige Manöver, nutzt dabei so kleine Lücken, wie wir es nicht einmal von Kleinwagen kennen. Er rollt vor roten Ampeln rekuperierend aus – unter Berücksichtigung der Ampelphasen, die in China sekundengenau ins Navi eingeblendet werden.
Automatisch einparken im Krebsgang-Modus
Die Wendigkeit des langen Lulatsch ist ein weiteres Highlight: U-Turns sind auf zweispurigen Straßen dank mitlenkender Hinterräder in einem Schwung vollbracht. Der Wendekreis des S800 liegt bei nur 10,1 Metern. Parkmuffel können überdies per Sprachsteuerung oder Fingertipp vollautomatisches Einparken aktivieren, bei dem die Hinterräder parallel sogar bis 16 Grad einschlagen. Im sogenannten Krebsgang ist kein Rangieren nötig. Zum Vergleich: Die Hinterräder des Rolls-Royce schlagen lediglich bis 5 Grad ein, die eines Maybach um 10 Grad.

Die große Stärke des S800 ist sänftenhaftes, nahezu lautloses, souveränes Dahingleiten. Ein Sensorsystem erkennt Straßenzustände vorausschauend und passt Dämpfer und die Lenkung vorausschauend an. Unser Autor war begeistert vom hohen Fahrtkomfort.
Selbstverständlich sind adaptive Luftfedern verbaut. Ein Sensorsystem erkennt Straßenzustände vorausschauend und passt Dämpfer, Lenkung vorausschauend an. Unverhoffte Änderungen von Fahrbahnbelägen, etwa durch Schnee oder Regen, passt die Drehmomentverteilung präventiv an. Aufbaubewegungen der Karosserie durch Lastwechsel und Lenkmanöver werden weitgehend unterdrückt. Die große Stärke des S800 ist sänftenhaftes, nahezu lautloses, souveränes Dahingleiten.
Ultra-Luxus fürs Zeitalter der Elektromobilität
Da Außenwirkung und hoher Fahrkomfort die Endorphine von Chinesen mit neuem Geld tanzen lassen, haben sich die Entwickler des S800 besonders für Design und Luxusanmutung ins Zeug gelegt. Das Ziel ist offensichtlich: Die europäischen Vorbilder Rolls-Royce Ghost, Bentley Flying Spur und Mercedes Maybach sollen alt aussehen. Dafür werden Karosserie-Proportionen, Zweiton-Lackierung, Felgen mit feststehendem Nabenemblem zwar unverhohlen kopiert, doch eine pompöse Kühlergrafik hat man sich zur Abgrenzung gegenüber den ICE-Vorbildern verkniffen. Das klare Statement lautet: Ultra-Luxus fürs Zeitalter der Elektromobilität. Während dessen glaubt man bei Porsche, dass es dafür in China keinen lukrativen Markt gebe und stellt die Entwicklung des rein elektrischen Flaggschiffs oberhalb vom neuen Cayenne EV ein.

Zum Einstieg ins Paradies laden Türgriffe mit integrierten Sternen aus Kristallglas ein. Ausgekleidet ist der Stromer mit veganem Leder.
Die eingeschränkte Sicht des S800-Fahrers nach hinten kompensieren Kamerabilder im Rückspiegel sowie als Aussenspiegel-Ersatz nur unzureichend. Auch der Schulterblick vorm Spurwechsel ist durch die seitlichen Führungselemente der riesigen Leinwand im Fond verbaut.
Chauffeurlimousine mit Satelliten-Verbindung
Der S800 ist eine Chauffeurlimousine par excellence. Zum Einstieg ins Paradies laden Türgriffe mit integrierten Sternen aus Kristallglas ein. Sternschnuppen passieren den Himmel. Fürs extraterrestrische Erlebnis sind zahlreise Szenarien vorprogrammiert. Selbstverständlich öffnen und schließen alle Türen elektromotorisch, von Sensoren gesteuert, um eine Berührung seitlicher Hindernisse zu vermeiden. Unterm motivreichen Sternenhimmel laden fein gesteppte, belüftete, beheizte Ledersitze mit Massage-Luftpolstern zum Entspannen ein. Selbstverständlich sind Liegepositionen vorgesehen.

Unter dem motivreichen Sternenhimmel laden fein gesteppte, belüftete, beheizte Ledersitze mit Massage-Luftpolstern zum Entspannen ein. Alle Türen öffnen und schließen elektromotorisch, von Sensoren gesteuert, um Kontakte mit seitlichen Hindernissen zu vermeiden.
Gesteuert werden alle Wohlfühlfunktionen über mobile Smartphone-Einheiten. Nur hochflorige Lammfell-Fußmatten wie in den britischen Vorbildern wurden vergessen. Dafür erlaubt ein satellitengestütztes System, mit dem Fahrzeug auch dann von außen zu kommunizieren, sollte ein Mobilfunk-Netz gerade nicht verfügbar sein. Ein Szenario, das in China nicht zutreffen wird und wohl eher für russische Oligarchen auf Reisen zu entlegenen Jagdschlösser gedacht ist.
Glitzerelemente aus echtem Kristallglas
Als besonderes Luxusmerkmal schätzen Chinesen die Heimkinoleinwand im Fond, die sich ähnlich wie im BMW i7 über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt, gepaart mit einer mächtigen Soundanlage. Und natürlich sind eine Bar sowie weitere Kühl- und Heizfächer verbaut. Die Verköstigung von Freunden und Geschäftspartner unterwegs ist immerhin ein zentraler Baustein chinesischer Geselligkeit.
Es würde diesen Rahmen sprengen, alle Ausstattungsmerkmale aufzuzählen. Nur soviel: Die verbauten Materialien gaukeln nichts vor. Chrom-Applikationen sind aus dem Vollen gefräst, edle Holzverkleidungen sind echt, Glitzerelemente aus geschliffenem Kristallglas. Die beeindruckende Vollausstattung ist im Grundpreis enthalten. Individualisierungen können zwar bestellt werden. Doch uns fällt spontan nichts ein, was man vermissen könnte.

Karosserie-Proportionen, Zweiton-Lackierung sowie Felgen mit feststehendem Nabenemblem kopieren Rolls-Royce und Maybach. Doch eine pompöse Kühlergrafik hat man sich zur Abgrenzung gegenüber den Vorbildern aus der alten Auto-Welt aber verkniffen.
So adelt die Mischung aus pompösem Luxus und hochinnovativer Technik den Maextro S800 zu einem mobilen Palast, der seine europäischen Vorbilder nicht verleugnet. Vielmehr interpretiert er sie auf chinesische Weise, die manchem Europäer zu Barock erscheinen mag. Tatsächlich wird tradierter Luxus mit viel „Lametta“ angereichert und gehobenes Reisens mit Hilfe beispiellos innovativer hochvernetzter Technik in die Moderne katapultiert.
Preise für das Topmodell ab umgerechnet 125.868 Euro
Nun das Beste zum Schluss: In China wird das von uns gefahrene Fahrzeug für 1.018.000 Renminbi Yuan angeboten – nach aktuellem Wechselkurs wären das 125.868,68 Euro. Die Maextro-Versionen mit identischer Luxusausstattung, jedoch ohne Reichweitenverlängerer und mit wahlweise drei oder zwei E-Motoren liegen preislich deutlich darunter. Huawei wird den S800 auch exportieren und dürfte insbesondere in arabischen Ländern sicher zahlreiche Interessenten finden.
Auch liebäugelt das Maextro-Management damit, den Maextro S800 nach Europa zu bringen, wo er wegen der geplanten EU-Mindestpreisregelung zwar deutlich teurer vermarktet werden müsste als im Heimatland, am Ende aber trotzdem deutlich preiswerter wäre als die britisch-deutschen Wettbewerber. Abzuwarten bleibt, ob Europäer bereit sind, für den Preis eines Audi A8 TFSI e-Plug-in (ab 122.060 Euro), einer Mercedes S-Klasse Langversion mit EQ-Hybridtechnologie (ab 131.602 Euro) oder auch eines BMW i7 (ab 115.700 Euro) auf einen glitzernden Hightech-Schmuckkasten aus China ohne das Markenimage eines Rolls-Royce oder Bentley umzusteigen.
Das autonome Fahren ist tatsächlich der absolute Hit, auch wenn es noch nicht perfekt an jeder Kreuzung klappt, aber im wesentlichen fährt das Ding nach Navi von A nach B egal wie der Verkehr ist! Wow, einfach mega!
Der Rest des Autos ist etwas seltsam. Wenn ich einen Roboter habe, der fährt, dann sind doch eigentlich die guten Sitze vorne, nicht hinten, weil einen Fahrer brauche ich nicht mehr. Die Size vorne aber sind weniger bequem und für großere Fahrer nicht richtig einstellbar weil vom Leinwandrahmen für die hinteren Sitze blockiert. Seltsam…
Auch ist das Auto zu lang für den Altag und dafür der Kofferraum zu klein, weil sich längere Fahrten schon anbieten mit dem Ding. Mein Frau liebt den Roboterfahrer, weil er besser ist als sie, und sie jetzt ganz entspannt am Handy während der Fahrt von und zur Arbeit chatten kann!
Ergo, jeder Pfenning wert, aber noch nicht der Hit. Ich warte jetzt mal auf das SUV, wenn das dann bessere Sitze vorne hat und die gleiche Software zum autonomen Fahren, dann sortiere ich meinen Taycan aus!