Früher war es deutlich leichter, ein AMG-Modell von seinen zahmeren Brüdern zu unterscheiden. Abgesehen von den sportlicheren Felgen und der kleinen Spoilerlippe am Heckdeckel – der EQE 53er sieht nicht viel anders als ein „braver“ Mercedes EQE 350 oder 500. Fette Schürzen, ausgestellte Kotflügel oder die dicken Endrohre – nichts findet sich am stärksten Elektromodell der Affalterbacher Tuningschmiede. Dabei ist er mit seiner angedeuteten Lamellenfront und dem treuen LED-Blick ein Kraftprotz – und was für einer.

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Technische Daten
Mercedes AMG EQE 53 4matic


Antriebsleistung: 460 kW / 625 PS
Max. Drehmoment: 950 Nm
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h (240 km/h optional)
Normverbrauch: 20,2 kWh / 100 km
Basispreis: 109.777 Euro

Doch die Zeiten einer ungezähmten PS-Bolzerei beim AMG scheinen vorbei. Während so mancher Konkurrent in der elektrischen Oberklasseliga mit 600 und mehr Kilowatt unterwegs ist, hält sich AMG zurück – ohne dabei auch nur eine Spur zu enttäuschen. Schließlich schlägt der Mercedes AMG EQS 53 4matic mit einer Spitzenleistung von 460 kW (625 PS) und einem Drehmoment von 950 Newtonmetern sogar den Achtzylinder AMG E 63 (612 PS und 850 Nm) deutlich. Im Boost-Modus kommt der neue elektrische Sternenträger kurzzeitig sogar auf 505 kW (687 PS) und 1.000 Nm Drehmoment – da bleibt einem die Spucke weg.

Dünne Lippe statt dickem Spoiler
Mit dem Wechsel auf den Elektroantrieb hat sich bei AMG auch eine andere Designphilosophie durchgesetzt. Protzen war gestern – der Mercedes AMG EQE pflegt eher das Understatement und tritt optisch ganz dezent auf. Fotos: Mercedes-Benz

Deshalb ist es allemal eine sinnvolle Lösung, der elektrischen E-Klasse mit ihrer Länge von stattlichen 4,94 Metern serienmäßig drei wichtige Details mitzugeben: Allradantrieb, Luftfederung und eine variable Allradlenkung. Es sind feine Dreingaben, die sich sowohl beim Komfortcruisen als auch beim Tiefflug auf Landstraße und Autobahn angenehm bemerkbar machen. So harmlos der AMG 53 auch aussieht – sein Schub ist mächtig, nein gewaltig.

90,6 kWh-Akku an Bord

Auf dem allzu verspielten Instrumentenkluster fliegen die Ziffern bei einem Spurt nur so vorbei und der Fahrer wird ebenso wie die anderen Insassen heftig in den Sitz gepresst. Die Sitze sind gut, werden trotz der hochpreisigen Angebotsstruktur jedoch nur noch auf Wunsch mit edlem Rindsleder bezogen – schade.

Das Fahrwerk ist auch im Komfortmodus stramm und auf jedem Meter merkt man dem Mercedes AMG EQE 53 die straffe Karosseriestruktur an, die ihren Grund nicht zuletzt im Akkupaket im Unterboden hat. Denn das 90,6-kWh-Akkupaket ist fester Teil der Karosseriestruktur, bringt den Schwerpunkt herunter und strafft das Gesamtpaket imposant. Gerade an der Vorderachse federt die gigantische 2,5 Tonnen schwere Elektrolimousine betont straff – unabhängig vom angewählte Fahrmodus. Die Lenkung hingegen ist gut und präzise, aber keine Referenzklasse.

Leder nur auf ausdrücklichen Wunsch
Auch im Innenraum des Mercedes AMG werden die neuen Markenwerte deutlich: Nachhaltigkeit ist auch bei der Materialwahl Trumpf. Was nicht heißt, dass die Sportlichkeit verloren ginge.

Die Fahrleistungen sind so, wie es sich der Fahrer einer Sportlimousine wünscht. Aus dem Stand beschleunigt der Stromer auf Tempo 100 in 3,5 Sekunden. Serienmäßig liegt eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h an, gegen Aufpreis darf – wo immer das noch möglich ist und Sinn macht – mit Tempo 240 gefahren werden.

Maximale Ladeleistung 170 kW

Für viele der Kunden dürfte das zugegeben keine besondere Rolle spielen. Sie interessiert neben dem Grundpreis von stattlichen 109.777 Euro insbesondere die Reichweite – abhängig vom entsprechenden Verbrauch. Mercedes stellt einen Normverbrauch von 20,2 kWh pro 100 Kilometern in Aussicht, was bedeuten würde, dass es nach spätestens 525 Kilometern wieder an die Ladesäule geht. Realistischerweise dürften es jedoch etliche Kilometer weniger sein. Erst recht, wenn man den Mercedes EQE im AMG-Trim sportlich bewegt.

Mach mal Pause
Wer mit dem Mercedes AMG EQS auf der Autobahn flott unterwegs ist, hat an der Ladesäule ausreichend Zeit zum Verschnaufen. Denn die maximale Ladeleistung beträgt nur 170 Kilowatt – sportlich sind derartige Werte schon längst nicht mehr.

Apropos schnell: In Sachen Schnellladung haben die Schwaben auf jeden Fall Nachholbedarf. Denn die DC-Ladegeschwindigkeit von maximal 170 Kilowatt ist alles andere imposant. Porsche Taycan und Audi e-tron GT schaffen bei leerem Akkupaket – dank 800-Volt-Technologie – bis zu 270 kW. Und das macht bei den Ladepausen einen gewaltiger Unterschied aus. Auch die Elektroautos von Tesla, Kia, Hyundai und Genesis ziehen da dem Mercedes AMG davon.

Und auch wenn die Akkus mittlerweile flach eingebaut werden – unsichtbar sind diese nicht. Das macht sich auch im Innenraum des Mercedes EQE bemerkbar. Großzügig ist das Platzangebot der Oberklasselimousine trotzdem. An den übergroßen Bildschirm hat man sich längst gewöhnt und hinten sitzt es sich kaum schlechter als in der ersten Reihe. Und mit dem Kofferraumvolumen von 430 Litern sollten die meisten Kunden – egal in welchem Tempo sie unterwegs sind – ebenfalls gut hinkommen.

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