Mini lässt seinen Kunden zumeist die Wahl. Das gilt nicht allein für das Modellportfolio, die Größe oder die gewünschte Individualisierung, sondern nach wie vor auch für den Antrieb. Das ist beim Aceman allerdings etwas anders, denn der fünftürige Crossover ist ausschließlich als Stromer zu bekommen. Produziert wird er von Spotlight Automotive Limited in China, einem Joint Venture mit dem Entwicklungspartner Great Wall Motors (GWM). Die Plattform teilt er übrigens mit dem Ora 03 alias „Funky Cat“.

Der Mini Aceman SE soll jene Kunden ansprechen, denen der zweitürige Cooper zu kompakt und der Countryman eine Nummer zu groß geraten ist. Er ist zugeschnitten auf die urbane Kleinfamilie, die in einer Megacity wie Sydney wohnt. Die 5,5-Millionen-Einwohner-Stadt an der australischen Ostküste ist bekannt für ihre Lebensqualität, die Harbour Bridge mit Blick auf das Opernhaus oder den strahlend weißen Bondi Beach. Für den 4,10 Meter langen Mini Aceman SE ist es das perfekte Revier.

Linksverkehr 
In der früheren britischen Strafkolonie fährt man wie im Mutterland links - und selbst auf der Schnellstraße mit maximal 110 km/h.
Linksverkehr
In der früheren britischen Strafkolonie fährt man wie im Mutterland links – und selbst auf der Schnellstraße mit maximal 110 km/h.

Bei der Tour durch den lebendigen Stadtteil Darlinghurst, vorbei am Hyde Park und den dortigen Barracks wird uns auf dem Weg nach The Rocks bewusst, wie british die 184 Jahre alte Stadt an der Ostküste Australiens immer noch ist. Es geht vorbei am beeindruckend grünen Botanischen Garten zum Opernhaus von Sydney, das viele aus den Silvesternachrichten kennen. Das muschelförmige Gebäude sendet zur dortigen Mitternacht Bilder der Harbour Bridge vom ersten Jahreswechsel um die Welt.

Der Hafen von Sydney ist turbulent. Während die zahllosen Kleinfähren am Warrane Cove starten, läuft gerade eines der großen Kreuzfahrtschiffe am The Squire’s Landing ein. Hunderte von Passagieren wechseln hier von einem der Schiffe in die Hotels, um sich noch ein paar Tage Sydney zu gönnen, bevor es weiter nach Neuseeland oder zurück nach Singapur oder die Emirate geht.

Kontrastprogramm zu Geländewagen

Flott zieht der 160 kW / 218 PS starke Mini Aceman SE seine Bahnen durch den Stadtteil Barangoo ins turbulente Einkaufsviertel rund um Market-, Bathurst- oder Kent Street mit Blick auf Queen Victoria Building oder die sehenswerte Townhall. Die zahlreiche Sehenswürdigkeiten kündigen sich auf dem runden 24-cm-Zentraldisplay an, das in seiner Bedienung gerne etwas übersichtlicher sein könnte. 

Die Lenkung des kompakten Aceman ist leichtgängig, beeindruckend direkt und der niedrige Schwerpunkt macht bei schnellen Richtungswechseln gute Laune. 330 Nm maximales Drehmoment sorgen dafür, dass der Elektro-Brite schnell seinen Platz im rollenden Verkehr findet. Die Menschen vor Cafés und Shops drehen sich nach dem blauen Citykreuzer nicht allein wegen des gefälligen Designs und des geräuschlosen Antriebs um.

Brückenbauer
Der 4,10 Meter lange Mini Aceman SE soll jene Kunden ansprechen, denen der zweitürige Cooper zu kompakt und der Countryman eine Nummer zu groß geraten ist. Und kleine Familien, die sich hauptsächlich in der Stadt bewegen. Bilder: Mini
Brückenbauer
Der 4,10 Meter lange Mini Aceman SE soll jene Kunden ansprechen, denen der zweitürige Cooper zu kompakt und der Countryman eine Nummer zu groß geraten ist. Und kleine Familien, die sich hauptsächlich in der Stadt bewegen. Bilder: Mini

Die meisten Fahrzeuge in Sydney sind große Pick-Ups und Crossover mit umfangreichen Offroad-Modifikationen wie Winde, Stollenreifen, Funkantenne oder Zusatzscheinwerfern, denn außerhalb der Stadt, in den Outbacks, ist die Natur hart und unnachgiebig für Mensch und Auto. Das sieht hier in der City ganz anders aus. Hier gefallen der niedrige Schwerpunkt des 1,8 Tonnen schweren Fronttrieblers und die straffe Gesamtabstimmung.

40 Cent pro Kilowattstunde

Das Batteriepaket im Unterboden bietet noch eine Reichweite von 154 Kilometern. Und da es morgen raus aus der Stadt gehen soll, steht Nachladen an. Die Zahl der Ladesäulen ist in Australien und selbst in einer Millionenstadt wie Sydney nicht mit Europa zu vergleichen. Wer ein Elektroauto bewegt, lädt zumeist zu Hause. So gibt es kaum mehr als zwei Handvoll Schnelllader in den überteuerten Tiefgaragen (die pro Stunde schnell umgerechnet 15 Euro an Parkkosten pro Stunde kosten) oder an einigen Tankstellen.

Beyond Petroleum 
Schnellladesäulen sind im Großraum Sydney immer noch Mangelware: Die meisten Besitzer von Elektroautos laden daheim.
Beyond Petroleum
Schnellladesäulen sind im Großraum Sydney immer noch Mangelware: Die meisten Besitzer von Elektroautos laden daheim.

Da es ohnehin nach North Sydney gehen soll wird hier an einer BP-Tankstelle Strom nachgezapft. Die Kilowattstunde Gleichstrom kostet hier 0,64 australische Dollar – umgerechnet nicht einmal 40 Cent, zahlbar per Kreditkarte. Das passt. Die überschaubare maximale Ladegeschwindigkeit des Mini Aceman SE von gerade einmal 95 kW stört hier wenig. Denn die Ladesäule gibt gerade einmal 75 kW her, weil parallel ein silberner Mercedes EQC Strom zapft.

400 Kilometer Reichweite bei maximal 110 km/h

Das Citycruisen wirkt sich positiv auf Gesamtverbrauch und Reichweite aus, denn so schafft der Aceman trotz seines gerade einmal 54 kWh großen Batteriepakets auch die in Aussicht gestellten 400 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp. Wer an der australischen Ostküste auf große Fahrt gehen will, sollte nicht nur einen Blick auf die zahllosen Geschwindigkeitsüberwachungen werfen, sondern auch die geringe Anzahl Schnelllader im Blick haben. Zumindest kommt man auf der Tour Richtung Gold Coast und Brisbane im Norden kaum auf die Idee, sich über die Höchstgeschwindigkeit des Aceman von 170 km/h zu beschweren. Mehr als 110 km/h sind in Australien ohnehin verboten.

Die Welt ist eine Scheibe 
Das runde Zentraldisplay über der Mittelkonsole ist die einzige Informationsquelle im Mini Aceman. Ein Head-up-Display gibt es nicht.
Die Welt ist eine Scheibe
Das runde Zentraldisplay über der Mittelkonsole ist die einzige Informationsquelle im Mini Aceman. Ein Head-up-Display gibt es nicht.

Die Kunden in Down Under ficht das kaum an, denn ihnen geht es um das Design des Aceman, das gute Platzangebot und den hohen Alltagsnutzen. Da bietet das neueste Mini-Modell etwas mehr als der kleinere Cooper ohne gleich in die adipösen Dimensionen eines Countryman zu verfallen. Was Insassen im Mini Aceman allenfalls vermissen, sind Komfortdetails wie eine Sitzheizung im Fond, ein echtes Head-Up-Display oder zumindest eine zusätzliche Anzeige hinter dem Lenkrad. Dafür lassen Projektoren im bei uns mindestens 34.450 Euro teuren Mini Aceman SE spezielle Leuchtgrafiken in Form von verschiedenfarbigen Mustern auf dem textilen Armaturenbrett erstrahlen. Kinder haben sicher Spaß daran. Auch in Australien, wo der Aceman SE für umgerechnet 40.521 Euro startet.

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