Mobileye, bisher vor allem als Technologielieferant für Fahrassistenzsysteme und autonomes Fahren (Mobileye Drive™) bekannt, weitet sein Geschäftsmodell massiv aus. Wie das israelische Unternehmen – mehrheitlich im Besitz von Intel – jetzt bekanntgab, wird es künftig nicht mehr nur die Technologie für andere Unternehmen wie Waymo in USA oder auch Moia in Deutschland bereitstellen, sondern selbst als Betreiber eines Robotaxi-Dienstes agieren, um an dem wachsenden Markt zu partizipieren.

Der Plan: Erst 100, dann 17.000 Fahrzeuge

Der Startschuss für die neue Initiative soll 2027 in einem großen US-Ballungsraum fallen. Zunächst ist eine Pilotflotte von rund 100 Fahrzeugen geplant, die unter vollständig fahrerlosen Bedingungen operieren sollen. Geht die Rechnung auf, will Mobileye massiv skalieren: Innerhalb von fünf Jahren sollen etwa 17.000 weitere Fahrzeuge hinzukommen.

Moia

Technologisch setzt Mobileye dabei auf Synergien im eigenen Konzern: Das System Mobileye Drive wird mit der Mobilitätsplattform der Tochtergesellschaft Moovit kombiniert. Dies umfasst neben der Fahrzeugsteuerung (AV Mission Control) auch Nutzeranwendungen und die Anbindung an Teleoperations-Infrastrukturen.

Ein hart umkämpfter Weltmarkt

Mit diesem Schritt begibt sich Mobileye in einen hochkompetitiven Markt, in dem sich bereits etablierte Akteure einen harten Kampf um die Vorherrschaft liefern:

  • USA (Waymo & Zoox): Alphabet-Tochter Waymo gilt derzeit als Pionier und betreibt bereits kommerzielle Robotaxi-Dienste in mehreren US-Städten, unter anderem in San Francisco und Austin, Texas. Auch die Amazon-Tochter Zoox arbeitet mit elektrischen Kleinbussen in San Francisco und Las Vegas an der Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs.
  • Tesla: Mit dem Fokus auf „Full Self-Driving“ (FSD) setzt Tesla inzwischen auch in verschiedenen Ländern Europas auf einen skalierbaren Ansatz über seine riesige Bestandsflotte. Das Unternehmen verfolgt dabei aber eine eigene, oft kontrovers diskutierte Strategie, rein kameragestützt und ohne Lidar-Sensoren. Die ersten zweisitzigen Cybercabs mit 48 kWh-Akku sind inzwischen in der Gigafactory in Texas produziert. Später sollen sie auch in Grünheide vom Band laufen.
  • China (Baidu & WeRide): China ist der weltweit am schnellsten wachsende Markt für autonome Taxis. Baidu (mit „Apollo Go“) und WeRide haben bereits Tausende Testkilometer und kommerzielle Fahrten in Metropolen wie Peking, Schanghai oder Guangzhou absolviert und genießen dabei oft weitreichende Unterstützung durch die lokale Regulierung.

Marktpotenziale vs. deutsche Realität

Studien verschiedener Beratungsunternehmen wie McKinsey prognostizieren dem Robotaxi-Markt für die kommenden Jahrzehnte ein rasantes Wachstum. Autonome Mobilität gilt als Schlüssel, um städtische Räume effizienter zu gestalten, die Transportkosten pro Kilometer zu senken und die Verkehrssicherheit durch den Wegfall menschlicher Fehler zu erhöhen.

Während in den USA und China die „Testlabore“ für fahrerlose Mobilität im Regelbetrieb längst im Vollgas-Modus laufen, präsentiert sich der deutsche Markt noch zögerlich. Hierzulande verhindern nicht primär die technologischen Möglichkeiten den Durchbruch, sondern regulatorische Hürden und ein vorsichtiger Ansatz bei der Zulassung von vollständig fahrerlosen Systemen ohne Sicherheitsfahrer. Zudem befürchten die Autohersteller, das bei einer wachsenden Verbreitung von Robotaxen der Kauf von Privatwagen zurückgehen könnte.

Frage des Vertrauens
„Mit Mobileye SuperVision Mobileye Chauffeur“ und Mobileye Drive – die drei Produkte, die ich verantworte – haben wir die ganze Spanne an Lösungen von Level 2plus bis zu Level 4/5 im Angebot“, erklärte der frühere VW-Manager und heutige Mobileye-Entwickler Johann Jungwirth schon vor zwei Jahren in einem Interview mit EDISON. Und seitdem hat sich die Technik noch weiter entwickelt.

Mobileye-CEO Amnon Shashua unterstreicht jedoch, dass die neue Initiative die bestehenden Partnerschaften mit Automobilherstellern nicht ersetzen, sondern ergänzen soll. „Wir sehen die Chance für einen neuen Ansatz“, so Shashua, der den direkten Betrieb als ergänzenden Weg in den Markt begreift, um operative Erfahrungen zu sammeln und die Leistungsfähigkeit der Plattform unter Beweis zu stellen.

Ob Mobileye mit diesem vertikalen Ansatz – also der Kombination aus Technologie, Flottenbetrieb und Nutzer-App aus einer Hand – die Dominanz der US- und chinesischen Vorreiter herausfordern kann, wird sich ab 2027 zeigen. Nähere Details zur Kommerzialisierung will das Unternehmen auf einem Capital Markets Day noch vor Ende des Jahres enthüllen.

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