Nach großen Finanzproblemen hat sich Nio in den vergangenen Monaten prächtiger denn je gemacht. Erst ging der Aktienkurs innerhalb weniger Monate durch die Decke, dann konnten die Chinesen Ende 2020 Rekordzulassungen feiern mit den Modellen, die sie bisher auf den Markt gebracht haben: Dem siebensitzigen Elektro-SUV ES8 und dem kompakteren Schwestermodell ES6, den es unter der Modellbezeichnung EC6 auch als coupehaften Sportback gibt. Insgesamt hat Nio damit im vergangenen Jahr 43.728 Fahrzeuge abgesetzt, wie der chinesische Autohersteller dieser Tage vermeldete.

Das sorgt für viel Rückenwind für den neuen Nio ET7, die erste Elektrolimousine der Chinesen. Das Design des Luxusmodells kann sich sehen lassen und die Reichweite wird der Konkurrenz durch eine neue Feststoffbatterie viel Kopfzerbrechen bereiten. Denn der sehenswerte Viertürer ist als Allradler mit drei Batteriepaketen zu bekommen. Wie bei den anderen Modellen setzt Nio dabei auf ein Batteriewechselsystem. Bis Ende des Jahres sollen in China 500 solcher Wechselstationen entstehen, die einem die zähen Ladevorgänge im Alltag ersparen sollen. Pro Tag können an jeder der Ladestationen bis zu 321 Akkupakete gewechselt werden.

Angetrieben wird die 5,09 Meter lange und stattliche 1,98 Meter breite ET7-Luxuslimousine mit den gefälligen Formen von zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse. Der vordere Permanentmagnetmotor leistet 180 kW / 245 PS während am Heck ein zweiter E-Motor mit 300 kW / 407 PS arbeitet. Durch die insgesamt 480 kW / 648 PS sind sportliche Fahrleistungen garantiert. Und anders als bei den beiden Crossovern dürfte auch nicht bei 200 km/h Schluss mit dem dynamischen Vortrieb sein.

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Elegante Erscheinung

Über fünf Meter lang ist die neue Luxuslimousine von Nio. Die Topversion soll einen Feststoff-Akku mit einer Speicherkapazität von 150 Kilowattstunden (kWh) bekommen und damit bis zu 1000 Kilometer ohne Ladepause fahren können. Vorerst müssen sich die Kunden allerdings mit 100 kWh begnügen. Bild: Nio

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Von Tesla inspiriert

Über einen großen Touchscreen in der Mittelkonsole kann der Fahrer die meisten Funktionalitäten steuern. Eine Sprachsteuerung gibt es natürlich auch. Foto: Nio

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Blick in die Wolken

Knapp zwei Quadratmeter groß ist das Panoramadach, das sich über die beiden Sitzreihen erstreckt. Wie bei Tesla ist es allerdings nicht zu öffnen. Foto: NIO

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Einmal Wechseln bitte

Statt lange an Ladestationen Strom zu zapfen, sollen die leeren Akkus des ET7 in Nio-eigenen Stationen gegen voll ausgetauscht werden. „Better Place“ war mit dem Konzept vor zehn Jahren kläglich gescheitert.

Aus dem Stand geht es in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und aus der gleichen Geschwindigkeit soll der elektrische Allradler nach 33,5 Metern wieder zum Stehen kommen. Beeindruckend sind zumindest zwei der drei Akkupakete, die William Li, der Firmengründer und CEO von Nio, bei der Weltpremiere des Fahrzeugs auf dem „Nio Day“ in Chengdu vorstellte.

Schon das kleine Akkupaket mit 70 kWh soll Reichweiten von rund 500 Kilometern ermöglichen. Deutlich interessanter dürften für de meisten Kunden die beiden größeren Akkupakete mit 100 kWh und sogar 150 kWh sein, mit denen der Nio ET7 Reichweiten von 700 bzw. 1.000 Kilometern ohne Nachladen realisieren soll. Die erstmals bei einem Serienfahrzeug verbaute Feststoffbatterie des Topmodells hat angeblich eine Energiedichte von 360 Wh/kg. Zum Vergleich: Die im Tesla Model 3 verbauten Panasonic-Akku kommen auf eine Energiedichte von 260 Wattstaunden pro Kilogramm.  

Der neue Nio ET7 ist ab sofort in der Nio-App bestellbar. Ausgeliefert werden die ersten Fahrzeuge jedoch erst Anfang kommenden Jahres. Das Basismodell soll 448.000 Renminbi kosten, umgerechnet 56.000 Euro. Bei dem Preis ist der Wechselakku inbegriffen. Ohne Batteriemiete kostet das Fahrzeug 378.000 RMP, also umgerechnet 47.750 Euro. Die Batteriekosten bewegen sich dann bei um die 187 Euro pro Monat. Das besonders gut ausgestattete Modell der Premier Edition kostet 526.000 RMB (66.000 Euro).

Der ET7 ist auch das erste Modell von Nio, das mit einem Komplettangebot von Fahrerassistenzsystemen geordert werden kann. Das volle Paket an Assistenzsystemen kostet monatlich jedoch eine Gebühr von 680 RMB (86 Euro). Mit dem intelligent vernetzten Assistenzsystem will Nio den ET7 stufenweise autonom auf Autobahnen, in der Stadt und beim Parken fahren lassen und auch einen automatischen Batteriewechsel ermöglichen.

Bedient wird das Ganze über ein 12,8 Zoll großes Display in der Mitte der Armaturentafel sowie das bereits bekannte NOMI-Bediensystem mit künstlicher Intelligenz. Kürzeste Reaktionszeiten soll dabei ein neuer Hochleistungsrechner mit dem Namen Adam garantieren. In ihm arbeitet ein nagelneuer Nvidia SoC-Prozessor, der pro Sekunde gleichzeitig 1.016 Tensor-Operationen (TOPS) verarbeiten können soll.

Davon merken die Insassen natürlich nichts. Sie sitzen wahlweise auf klimatisieren Massage-Ledersitzen oder Sesseln aus erneuerbarem Rattan. Das Soundsystem tönt aus 23 Lautsprechern mit bis zu 1.000 Watt Leistung.

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