Er gibt den Stilisten unter den kleinen Elektro-SUV für die große Stadt, gefällt mit seinem kantigen Design, mutigen Farben und einem Auftritt, der förmlich nach Eisdiesel und Straßencafé schreit. Im Dreck dagegen würde den Opel Mokka keiner erwarten. Umso größer ist die Überraschung, wenn derselbe GSE plötzlich Startnummern einer Rallye-Meisterschaft trägt, seine Slicks in Schotter krallt und bei Grün in einer mächtigen Staubwolke davon schießt, als gäbe es kein Morgen mehr.
Giftgelber Lack, Schnellverschlüsse auf den Hauben und breite Rennreifen verraten zwar, dass dieser Opel Mokka kein gewöhnlicher GSE ist. Genau übrigens wie das Preisschild von 70.000 statt normalerweise 47.300 Euro – plus jeweils rund 10.000 Euro pro Rennwochenende. Trotzdem bleibt die Verwandtschaft zum Serienauto unverkennbar. Erst drinnen wird deshalb deutlich, wie radikal der Umbau tatsächlich ausgefallen ist.

Wo im Opel Mokka GSE sonst Displays, Stoffe und Komfort den Ton angeben, herrscht in der Rallye-Version nackter Zweck. Der Fahrer blickt auf blankes Blech, man sitzt in Überrollkäfig, Schalensitz und Sechspunktgurt. Fotos: Opel
Wo sonst Displays, Stoffe und Komfort den Ton angeben, herrscht nackter Zweck. Blankes Blech, Überrollkäfig, Schalensitze und Sechspunktgurte. Von Rückbank ist hier keine Rede mehr, genauso wenig wie vom Kofferraum. Vor allem aber ist das Cockpit auf das reduziert, was wirklich zählt. Vor dem Fahrer flimmert ein kleines Display, daneben eine schlichte Schalterleiste und zwischen den Sitzen ragt der lange Hebel der Fly-off-Handbremse in den Innenraum. Sie ist das vielleicht deutlichste Symbol dafür, dass aus dem City-SUV ein Arbeitsgerät für den ADAC Opel GSE Rally Cup geworden ist – und eine vollelektrische Spaßgranate.
Antrieb bleibt unangetastet
Erstaunlich ist allerdings, was nicht verändert wurde. Unter der Karosserie arbeitet derselbe Elektroantrieb wie im zivilen Opel Mokka GSE für die Straße. 207 kW oder 281 PS Spitzenleistung, 345 Newtonmeter Drehmoment und seine 54-kWh-Batterie bleiben unangetastet. Hinzu kommen ein Motorsport-Fahrwerk mit Dämpfern, die auch bei 20 Meter weiten Sprüngen nicht in die Knie gehen und ein deutlich schärfer abgestimmtes Sperrdifferenzial. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 175 km/h sogar niedriger als beim Serienmodell, das immerhin 200 km/h schafft. Doch auf einer Wertungsprüfung interessiert ohnehin niemanden die Endgeschwindigkeit. Entscheidend ist, wie schnell ein Auto aus der nächsten Kehre schießt.

Ohne Anlauf und ohne Gedenksekunde schießt der Opel los. Die Kraft steht augenblicklich bereit, das Sperrdifferenzial zerrt die Vorderachse sauber durch die Kurve und schon nach wenigen Metern ist vergessen, dass hier kein Verbrenner arbeitet.
Und das tut der Elektro-Mokka mit Nachdruck. Ein Druck auf den Startknopf – und zunächst herrscht beinahe Stille. Nur ein leises Surren der Hochvolttechnik ist zu hören. Wer jetzt noch Zweifel hat, ob ein Elektroauto in den Rallyesport passt, verliert sie spätestens mit dem ersten Tritt aufs Fahrpedal. Ohne Anlauf und ohne Gedenksekunde schießt der Opel los. Die Kraft steht augenblicklich bereit, das Sperrdifferenzial zerrt die Vorderachse sauber durch die Kurve und schon nach wenigen Metern ist vergessen, dass hier kein Verbrenner arbeitet. Spätestens jetzt macht der Mokka seinem Namen alle Ehre. Allerdings sorgt diesmal nicht Koffein für erhöhten Puls, sondern das Fahrpedal.
Soundgenerator simuliert Motorenlärm
Überhaupt spielt die Technik nach kurzer Zeit nur noch eine Nebenrolle. Viel eindrucksvoller ist, wie direkt sich der Sport-Stromer anfühlt. Das kleine Lenkrad setzt jede Bewegung ohne Verzögerung um, das straffe Fahrwerk reicht jede Bodenwelle ungefiltert weiter und die Slicks kleben derart entschlossen auf dem Asphalt, dass man dem vergleichsweise hohen Aufbau seine SUV-Gene kaum noch abnimmt. Statt Wanken gibt es Präzision, statt Komfort unmittelbare Rückmeldung.

Ein Soundgenerator sorgt dafür, dass Zuschauer während des Rennens den Rallye-Mokka nicht nur sehen, sondern auch hören können.
Dazu kommt eine Geräuschkulisse, die überraschend gut zur Atmosphäre passt. Ein Soundgenerator sorgt dafür, dass Zuschauer während des Rennens den Rallye-Mokka nicht nur sehen, sondern auch hören. Viel wichtiger sind jedoch die echten Geräusche: das Prasseln der Steine in den Radhäusern, das Kreischen der Reifen und das metallische Arbeiten des Fahrwerks. Zusammen ergibt das eine Klangkulisse, die erstaunlich viel Emotion erzeugt.
Er fährt sich wie ein echtes Rallyeauto
Und dann ist da ja noch die Handbremse. Ein kurzer Zug am langen Hebel genügt, und der Mokka dreht willig in die Spitzkehre ein. Was im Fernsehen spektakulär aussieht, fühlt sich hinter dem Lenkrad fast spielerisch an – vorausgesetzt, Mut und Talent halten sich die Waage. Plötzlich wirkt das SUV leichtfüßig, fast handlich wie ein deutlich kleineres Auto. Genau darin liegt sein größter Reiz: Der Mokka fährt nicht wie ein umgebautes Straßenauto. Er fährt wie ein echter Rallyewagen.

Mit der Fly-off-Handbremse kann ein versierter Fahrer den Opel Mokka Rally GSE blitzschnell um 90 Grad drehen. Das spart Zeit.
Mit dem Mokka GSE Rallye schlägt Opel zugleich das nächste Kapitel seines elektrischen Rallye-Projekts auf. Fünf Jahre lang hat der Corsa bewiesen, dass Elektromobilität im Rallyesport funktionieren kann. Der Mokka muss das nicht mehr erklären. Er nutzt die gewonnene Freiheit für den nächsten Schritt. Mehr als doppelt so viel Leistung, deutlich mehr Drehmoment und ein spürbar professionelleres Gesamtpaket machen aus dem Technologieträger von einst ein Sportgerät, das sich nicht mehr über seinen Antrieb definiert, sondern über seine Performance.
Maximal 60 Kilometer mit einer Akkuladung
Das gilt auch für die Infrastruktur. Zwischen den Wertungsprüfungen laden mobile Hochvoltstationen die Autos wieder auf, während Mechaniker Fahrwerk und Reifen kontrollieren. Strom gehört inzwischen genauso selbstverständlich zum Rallyeservice wie früher Benzinkanister und Druckluftschrauber.

Knapp zwei Dutzend Mokka Rally GSE haben die Ingenieure der Stellantis-Tochter für den ADAC Opel GSE Rally Cup umgebaut – und ein Team auf die Beine gestellt, das die Teilnehmer des Wettbewerbs an den Renntagen professionell begleitet.
Natürlich fordert das seinen Tribut. Während der Serien-Mokka mit einer Batterieladung mehr als 300 Kilometer schafft, reicht der Strom im Wettbewerb nur für rund 60 Kilometer unter Volllast. Deshalb fährt auf den Verbindungsetappen nicht nur der rechte Fuß mit, sondern auch der Taschenrechner. Energie sparen gehört heute ebenso zur Taktik wie die ideale Linie.
Echter Motorsport – nur elektrisch
Trotzdem denkt hinter dem Lenkrad schon nach wenigen Minuten niemand mehr an Akkus oder Kilowattstunden. Der Mokka vermittelt genau das, was ein guter Rallyewagen vermitteln muss: Vertrauen. Er lenkt präzise ein, beschleunigt explosiv aus engen Kurven und gibt seinem Fahrer das Gefühl, immer noch ein paar Reserven in der Hinterhand zu haben.

Mobile Schnellladestationen von Schall-E versorgen die Elektroautos während der Rennwochenenden mit Strom. Jede Ladestation verfügt über einen Speicher von 160 kWh und liefert bis zu 250 kW Ladeleistung, aufgeteilt auf zwei Anschlüsse mit je 125 kW.
Vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Der Opel Corsa war die Pionierarbeit. Der Mokka ist die Evolution. Was vor ein paar Jahren noch wie ein mutiges Experiment wirkte, fühlt sich heute nach ganz normalem Motorsport an – nur eben elektrisch. Ausgerechnet das Lifestyle-SUV entwickelt sich dabei zum überzeugenden Botschafter dieser Idee. Manchmal braucht es eben einen Dreckskerl im Maßanzug, um mit alten Vorurteilen aufzuräumen.
Und falls danach trotzdem noch jemand einen Mokka braucht – bitte keinen aus der Espressotasse. Dieser hier macht auch ohne Koffein hellwach.