Für Güterkraftverkehr und Speditionen stehen die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) an erster Stelle. Angesichts stark schwankender Kraftstoffpreise und der Lkw-Maut stößt der klassische Diesel-Lkw immer schneller an seine wirtschaftlichen Grenzen. Doch reine Elektro-Lkw sind auf der Langstrecke mangels flächendeckender Ladeinfrastruktur oft noch keine uneingeschränkte Alternative.

Eine praxistaugliche Antwort liefert der Autozulieferer Mahle mit einem neuen Range-Extender-System für schwere E-Trucks. Die Stuttgarter sehen in der startklaren Technologie einen echten „Game Changer“ für die Branche. Erste Komponenten werden bereits an Hersteller für Erprobungsfahrzeuge geliefert, das Gesamtsystem feiert im September auf der IAA Transportation 2026 (15.-20. September) seine Weltpremiere.

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Elektrifiziert, effizient, ökonomisch
Mahle-CEO Arnd Franz und Forschungschef Marco Warth (v.l.) präsentierten sehen verschiedene Wege, um den Straßengüterverkehr zu dekarbonisieren. Große Hoffnungen setzen sie dabei auf den Range Extender für batterieelektrische Lkw. Foto: Mahle

Das Herzstück der Einheit, die auf einer Technologieveranstaltung des Unternehmens in Stuttgart präsentiert wurde, bildet ein effizienter Hochvoltgenerator mit 110 kW Dauerleistung (130 kW Spitze), der von einem kompakten Verbrennungsmotor angetrieben wird. Der Verbrenner treibt dabei nicht die Räder an, sondern dient ausschließlich als Stromerzeuger. Marco Warth, Leiter Konzernforschung und Vorentwicklung bei Mahle, nennt das System treffend ein „intelligentes Notstromaggregat“.

800 Kilometer Reichweite und nahezu emissionsfrei

Das Prinzip des Reichweitenverlängerers vereint die Vorteile des Elektroantriebs mit der Reichweitensicherheit des Verbrenners:

  • Hohe E-Quote: Ein E-Truck mit Range Extender absolviert 80 bis 97 Prozent seiner Fahrleistungen rein elektrisch. Dadurch sinken die CO2-Emissionen im Realbetrieb um 80 Prozent gegenüber konventionellen Antrieben.
  • Klimaneutral mit E-Fuels: Wird der Generator-Verbrenner mit erneuerbaren Kraftstoffen wie Bio-Diesel (HVO100) betrieben, fährt der Lkw nahezu CO2-frei.
  • Massive Gewichtseinsparung: Da der Range Extender rund ein Drittel der sonst notwendigen Batteriekapazität ersetzt, sinkt das Fahrzeuggewicht im Vergleich zu reinen BEV-Trucks um etwa 600 Kilogramm.
  • Hohe Reichweite: Trotz geringerer Batteriegröße erzielt das Fahrzeug eine Reichweite von über 800 Kilometern – selbst bei voller Beladung und anspruchsvoller Topografie.
  • Kompakte Integration: Sämtliche Komponenten – Generator, Verbrennungsmotor, Tank, AdBlue, Abgasnachbehandlung sowie Thermo- und Fluidmanagement – sind bei Mahle in einer kompakten „Box“ vereint. Sie lässt sich vor der Hinterachse in bestehende E-Plattformen einbauen, ohne wertvollen Lade- oder Innenraum zu opfern.

Geopolitische Krisen treiben den Transformationsdruck

Der strategische Fokus auf Übergangstechnologien kommt nicht von ungefähr. Mahle-CEO Arnd Franz verweist auf die anhaltende Volatilität der Märkte. Geopolitische Spannungen an maritimen Nadelöhren wie der Straße von Hormus oder dem Bab al-Mandeb im Roten Meer treiben die Kraftstoffpreise, insbesondere beim Diesel, immer wieder in die Höhe.

Gleichzeitig verläuft die globale Transformation im Güterverkehr schleppend. Hochrechnungen zufolge werden bis 2035 weltweit maximal 25 Prozent aller Lkw rein batterieelektrisch oder mit Wasserstoff unterwegs sein. Nur rund zwei Prozent entfallen nach derzeitigen Prognosen auf Hybride und Range-Extender-Fahrzeuge (REEV).

Wasserstoff-Verbrenner als zweites Standbein für die Langstrecke

Neben dem Range Extender setzt Mahle auf den Wasserstoff-Verbrennungsmotor als weiteren Hebel zur Dekarbonisierung. CEO Arnd Franz bezeichnet den H2-Verbrenner als „Eingangstür zur Wasserstoffwirtschaft“. Der Motor ist technologisch einsatzbereit, erfordert keine teuren kritischen Rohstoffe und verursacht dank moderner Abgasnachbehandlung keine schädlichen Emissionen.

MAN hGTX 
In einer Kleinserie von 200 Exemplaren bietet der Nutzfahrzeughersteller aus München schon seit 2025 einen Lkw an, dessen Dieselmotor mit Wasserstoff betrieben wird. Die Kolbenbaugruppe des Sechszylinders stammt von Mahle. Foto: MAN
MAN hGTX
In einer Kleinserie von 200 Exemplaren bietet der Nutzfahrzeughersteller aus München schon seit 2025 einen Lkw an, dessen Dieselmotor mit Wasserstoff betrieben wird. Die Kolbenbaugruppe des Sechszylinders stammt von Mahle. Foto: MAN

Mahle ist nach eigenen Angaben an allen derzeit laufenden Wasserstoffmotor-Projekten der Branche beteiligt. Am Stammsitz in Stuttgart-Bad Cannstatt zeigte das Unternehmen unter anderem den MAN hGTX – einen Lkw mit 383 kW starkem Sechszylinder-Wasserstoffmotor, dessen Kolbenbaugruppe von Mahle entwickelt wurde.

Ergänzend engagiert sich Mahle in der Brennstoffzellentechnologie, die etwa im Mercedes-Benz Next GenH2-Truck von Daimler Truck Reichweiten von über 1.000 Kilometern ermöglicht. Abgerundet wird das Portfolio durch optimierte Kolben, ein integriertes Thermomanagement sowie einen neuen, magnetfreien E-Motor, der ohne seltene Erden auskommt. In den kommenden drei Jahren sollen mehr als 35 elektrifizierte Fahrzeugplattformen mit Mahle-Komponenten auf den Markt kommen.

Mahle-Appell an die Politik: Technologieoffenheit gefordert

Mahle mahnt angesichts der Ambitionen in Brüssel machbare und wirtschaftlich sinnvolle Rahmenbedingungen an. Franz teilt die Einschätzung von Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström (zugleich ACEA-Vorsitzende für Nutzfahrzeuge), die vor verfehlter CO2-Regulierung warnt: Ohne praxistaugliche Vorgaben stehe die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Nutzfahrzeugindustrie auf dem Spiel.

Eine erfolgreiche Dekarbonisierung, so Franz sei nur durch echte Technologieoffenheit erreichbar, die auch erneuerbare Kraftstoffe einbezieht. Denn der Verbrennungsmotor wird im Güterfernverkehr noch auf Jahre hinaus eine wichtige Rolle spielen – ob als Wasserstoffantrieb, E-Fuel-Verbrenner oder als intelligenter Range Extender.

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