[UPDATE] Die deutschen Renault-Händler nehmen seit Gründonnerstag, 14. April, wieder Bestellungen für den neuen vollelektrischen Mégane E-Tech wieder entgegen. Drei Wochen zuvor, am 25. März, hatte Renault Deutschland einen Verkaufsstopp für sämtliche Elektroautos der Marken Renault und Dacia verfügt. Wie es in einem internen Schreiben von Renault Deutschland an seine Händler hieß, reagierte das Unternehmen damit auf die „aktuelle Zulieferer-Situation“, sprich: die schleppende Versorgung der Renault-Werke mit Computerchips und Kabelbäumen. Auch die Logistik-Herausforderungen und die Preisschwankungen bei den Rohstoffen sowie Corona sollen bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben.

Betroffen von dem Bestellstopp waren neben dem neuen Renault Mégane E-Tech – der hierzulande offiziell erst im Juni in den Handel kommt – auch der Renault Twingo Z.E. , der Dacia Spring und der Transporter Master Z.E. sowie die Plug-in-Versionen des Mégane und des Kompakt-SUV Captur. Wann der Handel mit diesen Modellen wieder aufgenommen wird, steht derzeit noch nicht fest.

Denn die Versorgungsprobleme mit Computerchips und Kabelbäumen halten weiter an – auch im Renault-Werk Douai, wo der neue Mégane E-Tech produziert wird. Nach einem Bericht der französischen Fachzeitung „Automobile Propre“ wird die Fertigung in Douai vorerst bis zum 25. April eingestellt, die rund 2.300 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Auch im Renault-Werk Cleon, wo die Elektromotoren gebaut werden, ruht nach dem Bericht derzeit die Produktion.  

Die Versorgungsprobleme hatten sich in Douai schon Mitte März abgezeichnet. Wichtige Teile waren offenbar in nur so geringer Zahl verfügbar, dass die Produktion mitten in der Hochlaufphase gedrosselt werden musste. Und in anderen Werken sah es offenbar nicht besser aus.

Viel Zeit für die Qualitätskontrolle
Die Produktion des neuen Renault Mégane E-Tech im Werk Douai lief wegen der schwierigen Teileversorgung schon in der vergangenen Woche nur mit gedrosseltem Tempo. Hier ein Blick in die Montage des Antriebsstrangs. Foto: Renault

„Es handelt sich um eine vorübergehende Bestellpause für alle EV und PHEV-Fahrzeug“, hatte Renault-Marketing-Vorstand Ralf Benecke den Bestellstopp Ende März auf Anfrage von EDISON erklärt. „Die interne Information an den Handel ist mit Vorlauf erfolgt, um laufende Kundengespräche zum Abschluss bringen zu können. Ziel ist es, möglichst schnell die Verfügbarkeiten zu klären und dann mit einer neuen Sichtbarkeit wieder zu starten.“

Habeck will Förderung für E-Autos zurückfahren

Eine Rolle in dem Zusammenhang spielte aber offenbar auch die ungeklärte Zukunft der Innovationsprämie. Der Bundesanteil von bis zu 6000 Euro (bei Elektroautos mit einem Netto-Listenpreis von unter 40.000 Euro und von 5000 Euro bei einem Netto-Listenpreis zwischen 40.000 und 65.000 Euro) wird nur noch bis zum Jahresende gezahlt. Wie es danach weitergeht, will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck noch in diesem Jahr klären. Immerhin hat Habeck ebenfalls am Gründonnerstag erste Hinweise geliefert, wohin die Richtung geht: Der Grüne will die Förderung für Plug-in-Hybride zum Jahresende komplett einstellen, da diese inzwischen „marktgängig“ seien und keine Verkaufsunterstützung mehr benötigten. Bei den Batterieautos will er die Förderung im kommenden auf zunächst 4000 Euro absenken. In 2024 und 2025 sollen bei einer Neuanschaffung nur noch 3000 Euro gezahlt werden – und danach überhaupt nichts mehr. Allerdings muss die Neuregelung noch mit den übrigen Ressorts der Bundesregierung abgestimmt werden. Die Autoindustrie läuft bereits Sturm gegen die Vorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministeriums. Sie befürchtet, dass die Elektromobilität dadurch ausgebremst und die Erreichung der CO2-Flottenziele, die von der EU-Kommission ausgegeben wurden – damit unmöglich gemacht wird.

Garantie für Umweltprämie endet

Wegen der Produktionsunterbrechung und mit Blick auf die nach wie vor langen Lieferzeiten dürfte es für Renault Deutschland sehr schwierig werden, die Elektroautos noch vor Jahresende und zu den alten Förderbedingungen auszuliefern. Eine Garantie für die Auszahlung des Herstelleranteils (in Höhe von 3.000 bzw. 2.500 Euro bei Batterieautos) hatte das Unternehmen nur für Fahrzeuge gegeben, die vor dem 23. März bestellt wurden. „Ich gehe davon aus, dass wir mindestens einen Monat keine Elektroautos mehr bestellen können, diese im Anschluss teurer werden und auch nicht mehr dieses Jahr geliefert werden“, schrieb dazu im März ein Renault-Händler.

Das Ziel von Deutschland-Chef Markus Siebrecht, in diesem Jahr noch bis zu 10.000 Exemplare des neuen Mégane E-Tech auf die Straße zu bringen, dürfte damit aber schon einmal hinfällig sein. Es sei denn, im Werk Douai werden in den kommenden Monaten Sonderschichten gefahren.

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3 Kommentare

  1. Avatar

    Na hoffentlich hängt das nicht mit dem Absatzeinbruch bei Nissan zusammen, sprich die ersten Hersteller geraten schon in Schwierigkeiten.

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  2. Avatar

    Schön und gut? Musk baut in Gutsherrenmanier ohne Rücksicht auf den Wasserhaushalt und andere Umweltaspekte – wartet jedenfalls nicht ab, bis die Umweltverträglichkeit geklärt ist. Dass Teslas teuer, PS-affin und wahrscheinlich dem Klimawandel eher nicht zuträglich – weil wieder groß und protzig – sind. Da ist kein Grund zum Jubel.
    E

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      Ääh, Tesla Model 3 SR ist groß und protzig? Sie sollten sich besser mal informieren. Tesla baut die effizientesten Autos und verwendet gerade beim genannten Modell ökologisch LFP-Akkus…

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