Smart-Fans der ersten Stunde waren in den letzten Jahren arg gebeutelt. Denn erst hat Mercedes die Hälfte der Marke an die Chinesen verschachert, dann haben sie den früher mal 2,50 Meter kurzen Bonsai-Benz mit dem Smart #5 auf bis dato unvorstellbare 4,70 Meter aufgeblasen. Und zu guter Letzt haben sie auch noch das Original eingestellt: Im März 2024 endete in Hambach die Produktion des City-Coupès. Die Idee von minimalen Abmessungen für maximale Mobilität im urbanen Raum war damit Geschichte. Dachte zumindest jeder. 

Doch jetzt belehrt uns Dirk Adelmann eines Besseren. Er ist Europachef des Joint Ventures von Mercedes-Benz AG mit der chinesischen Geely Holding Group und verspricht uns fürs neue Jahr einen neuen Fortwo. Der folgt zwar der aktuellen Nomenklatur und wird deshalb #2 heißen, soll sich aber sonst soweit als möglich am Original orientieren. „Zwei Sitze, minimale Abmessungen, erschwingliche Preise“, fasst Adelmann die Eckpunkte zusammen.

Computerretusche Smart #2
Zwei Sitze, Elektroantrieb, erschwingliche Preise
Bislang hat Smart nur eine Silhouette des #2 veröffentlicht. Designer haben sich aber schon im vergangenen Jahr Gedanken darüber gemacht, wie der neue Zweisitzer aussehen könnte. Aber vielleicht kommt er auch ganz anders. Computergrafik: Reichel Car Design

Die kennt er gut. „Denn wir haben den Fortwo nie vergessen, sondern vom Beginn des Joint Ventures an auf dem Zettel gehabt.“ Nur hätten sie sich in der neuen Konstellation erst einmal neu aufstellen und das nötige Geld für so ein Projekt verdienen müssen. Und vor allem mussten sie lange rechnen und entwickeln, um die Idee zum Fliegen zu bringen.

Schließlich mag der Vorgänger zwar weltweit viele Liebhaber gehabt haben. Doch er hat nie Gewinne eingefahren, sondern gilt als eines der großen Millionengräber in der Mercedes-Geschichte. „Wir haben in der Vergangenheit gelernt, wie klein und spitz das Segment ist“, sagt Adelmann diplomatisch. „Und vor allem haben wir hier in Europa nie aufgegeben. Schließlich sind wir der mit Abstand größte Markt für so ein kleines Auto.“

Reichweite soll sich verdoppeln

Dass es jetzt doch noch einmal klappt mit dem Bonsai-Benz, hat viele Gründe: Es gibt neue Geldgeber in China und neue Entscheidungsträger in Stuttgart. Und obendrein ist offenbar auch die Entwicklungsmannschaft weiter gekommen. Dabei lag die Last vor allem in China. Denn das Design dürften sie in Stuttgart aus dem Ärmel geschüttelt haben, nachdem sie schon drei Generationen des Fortwo im Block hatten. Aber eine passende Plattform zu finden oder zu bauen und den richtigen Antrieb für so ein kleines Auto zu definieren, das dürfte eine große Aufgabe gewesen sein. 

Da fehlt noch was
Die Joint Venture-Partner Mercedes-Benz und Geely haben doch noch Mittel und Wege gefunden, die Lücke im Modellportfolio zu stopfen und einen Nachfolger des Smart Fortwo City-Coupé auf die Räder zu stellen. Mit Elektroantrieb, versteht sich.

Wie sie die gelöst haben, will Adelmann noch nicht verraten. Doch mit dem Hinweis auf die eigene Architektur dürfte sich die 800 Volt-Technik von #1, #3 und #5 erledigt haben. Und womöglich auch die Lithium-Ionen-Zellen, die sonst bei Smart zum Einsatz kommen. Dennoch können sich die Freunde der elektrischen Minimalmobilität über großen Fortschritt freuen: „Die Reichweite wollen wir mindestens verdoppeln,“ verspricht der Europa-Chef. Statt 130 sind also mindestens 260 Kilometer drin und als #2 muss der Fortwo endlich elektrischen Kleinwagen wie einem Dacia Spring, einem Leapmotor T.03 oder bald einem VW ID.1 nicht mehr neidisch hinterher schauen. 

Einstiegspreis „in den unteren 20.000ern“

Bleibt zum Schluss noch die große Frage nach der Größe: Selbst wenn der Schattenriss, den Smart jetzt zur Ankündigung veröffentlicht hat, eine vertraute Silhouette zeigt, sollte man nicht mehr auf die anfangs 2,50 und zuletzt 2,70 Meter hoffen, betreibt Adelmann Erwartungsmanagement. „Schließlich haben sich die gesetzlichen Vorgaben und die Crashnormen in den vergangenen Jahren weiter entwickelt.“ Aber Smart will so nah wie möglich am Original bleiben und Adelmann verspricht zumindest „eine Zwei an erster Stelle“, was den Fortwo noch immer zum kürzesten Serienauto am Markt machen würde.

Der Letzte der alten Art 
Kurz vor Ostern 2024 lief in Hambach das letzte Exemplar des Smart Fortwo vom Band. Ersatz-Akkus gibt es inzwischen nicht mehr.
Der Letzte der alten Art
Kurz vor Ostern 2024 lief in Hambach das letzte Exemplar des Smart Fortwo vom Band. Ersatz-Akkus gibt es inzwischen nicht mehr.

Beim Preis, der beim Smart EQ am Ende in der Basisausführung 21.490 Euro betrug, wollen sie dagegen keinen so großen Sprung machen. Nicht umsonst wird der #2 genau wie seine großen Geschwister künftig in China gebaut. Den genauen Preis will Adelmann natürlich noch nicht verraten. Aber er verspricht, dass der kleinste Smart auch der günstigste wird und plant mit einem Einstiegspreis in den „unteren 20.000ern“. Damit läge er zwar auf dem Niveau von Viersitzern wie dem Hyundai Inster und dann auch VW ID.1 und Renault Twingo. Doch der #2 wäre dann nur halb so teuer wie ein Smart #1. Damit wäre es in seinem Segment weitgehend konkurrenzlos und könnte so zumindest in Europa zum meistverkauften Modell und zu einer echten Größe im Smart-Portfolio aufsteigen. Warten wir es ab.

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