Hand aufs Herz: Wer heute einen gebrauchten Kleinwagen sucht, achtet auf Kilometerstand und Zustand. Als die NASA 1971 bei der Apollo-15-Mission ihren ersten „Dienstwagen“ auf den Mond schickte, war die Planung etwas endgültiger. Das Lunar Roving Vehicle (LRV) war ein technologischer Paukenschlag – mit vier unabhängigen Elektromotoren und einer robusten Konstruktion. Und wenn man sich fragt, wo die drei Apollo-Rover heute abgeblieben sind? Die stehen immer noch genau da, wo die Astronauten sie vor Jahrzehnten geparkt haben. Ein One-Way-Ticket in die Ewigkeit, als stille Zeugen der ersten Mond-Roadtrips.
Vom Formel-E-Pionier zum Mond-Spezialisten
Doch jetzt bekommt das Rentner-Duo auf dem Erdtrabanten endlich Gesellschaft. Die NASA hat Venturi Astrolab ausgewählt, um eines der neuen Crewed Lunar Vehicle (CLV-1) für das Artemis-Programm zu bauen. Wer beim Namen des Lieferanten an einen klassischen Rüstungskonzern denkt, liegt falsch. Venturi ist ein von vom Milliardär Gildo Pastor gegründetes Powerhaus aus dem Fürstentum Monaco, das sich seit dem Jahr 2000 als Spezialist für Hochleistungs-Elektromobilität etabliert hat. Ob bei wahnwitzigen Weltrekordversuchen, Formel-E-Rennen oder Expeditionen in extremste Umgebungen – das Team weiß, wie man Strom effizient in Vortrieb verwandelt. Dieses Know-how fließt nun direkt in den CLV-1 (Einsatz 2028) und das für 2030 geplante europäische MONA LUNA-Projekt.
Unter der Haube: Hightech für den Südpol
Für Technik-Fans ist der CLV-1 ein wahres Fest, denn Venturi liefert hier drei entscheidende „Hard- & Software-Layer“, die den Rover am Südpol überlebensfähig machen:
- Hyper-deformierbare Räder: Diese Räder sind das Herzstück der Mobilität. Sie bestehen aus einem speziellen, von Venturi entwickelten Material, das sich extrem verformen kann, ohne an Stabilität zu verlieren. Das Ziel: maximale Traktion auf losem Regolith und das Überwinden von Felsen, bei gleichzeitiger Vermeidung des gefürchteten Einsinkens im Mondstaub.
- Hochleistungsbatterien: Da ein Rover am Südpol Temperaturen von –240 °C im Schatten bis +130 °C in der Sonne trotzen muss, ist das Batteriedesign hochkomplex. Die Packs sind auf extreme thermische Robustheit ausgelegt und verfügen über eine Architektur, die den „Energiespeicher“ vor dem Einfrieren schützt – eine Notwendigkeit, um die bis zu 14 Erdtage dauernden Mondnächte zu überstehen.
- Intelligentes Batteriemanagement (BMS): Das BMS fungiert als „zentrale Intelligenz“. Es überwacht jede Zelle einzeln, sorgt für ein aktives Balancing und stellt sicher, dass das System auch nach vielen Ladezyklen und harten Kaltstarts noch performt.
Die Mond-Roadtrips von morgen werden also nicht nur komfortabler als die wackeligen Ausflüge der 70er Jahre – sie sind ein echtes Paradebeispiel dafür, wie man automobile E-Kompetenz in den luftleeren Raum katapultiert.