Lange wurde das Fahrzeug als ID.2 gehandelt, doch nun ist es offiziell: Das neue Modell der „New Small Car Family“ knüpft an eine große Historie an und heißt VW ID.Polo. Bei einem exklusiven Workshop von Volkswagen in Hamburg haben wir uns das Fahrzeug im Detail angesehen. Das klare Ziel der Entwickler: Das Auto soll trotz des Elektroantriebs, mit dem manche Kunden noch fremdeln, zu 100 Prozent das vertraute, über Jahrzehnte gewachsene „Volkswagen-Feeling“ verbreiten. Im Interview erklärt Produktmanager Tim Bokker die Kernstrategie hinter dem Fahrzeug: Unter dem internen Motto „True Volkswagen“ soll die Elektromobilität endgültig in den Kern der Marke rücken. Mit technischer Perfektion, einem klaren Design, großzügigem Platzangebot und spürbarer Premium-Qualität greift VW an – und das zu einem Startpreis von knapp 25.000 Euro.

Zeitloses Design und ein neuer Antrieb

Produziert wird der ID. Polo als Teil der „New Small Car Family“ im Seat-Werk im spanischen Martorell – genau wie seine Schwestermodell, der kürzlich vorgestellte Cupra Raval und der Skoda Epiq. Doch die Ausrichtung ist eine völlig andere: Während der Cupra aggressiv und sportlich auftritt und der Epiq als City-SUV viel Nutzwert verspricht, punktet der ID. Polo mit einem zeitlos klaren Design. Schon von Weitem, so Bokker, sieht man dem Wagen auch ganz ohne Logo an, dass es sich um einen echten Volkswagen handelt.

VW ID.Polo
„Pure Positive“
Die Zeit der Experimente im VW-Design ist vorbei. Statt krampfhaft die Elektroautos von den konventionell angetriebenen Modellen zu differenzieren, werden wieder die alten Tugenden gepflegt: Der ID.Polo soll wieder sofort als Volkswagen erkannt werden.

Die größte technische Neuerung verbirgt sich unter dem Blech. Der ID. Polo basiert auf der weiterentwickelten MEB+ Plattform, setzt aber – anders als die bisherigen ID-Modelle – auf einen Frontantrieb. Das spart Bauraum und Gewicht, weil der Kabelbaum deutlich kürzer ausfallen kann. Herzstück des Antriebs ist der neue, hocheffiziente Elektromotor APP 350, der nicht nur für dynamischen Vortrieb sorgt, sondern auch extrem sparsam mit der Energie umgehen soll. VW-Techniker sprechen von einer um 30 Prozent höheren Effizienz als bei der Vorgängergeneration APP 310.

NMC-Einheitszellen von PowerCo aus Salzgitter

Die neue, ölgekühlte E-Maschine aus dem Audi-Motorenwerk in Györ wird es zunächst in drei Leistungsstufen mit Spitzenleistungen von 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS) angeboten. Im Laufe des kommenden Jahres kommt noch die „heiße“ GTI-Version des ID.Polo hinzu, die mit einer Leistung von 166 kW (226 PS) aufwarten wird.

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Technische Daten

Antrieb: Frontmotor mit 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS) Spitzenleistung;
Batteriekapazitäten (netto): 37 kWh und 52 kWh;
Ladeleistung DC (max.) 90 kW (bei 37 kWh-Akku), 105 kW (bei 52 kWh-Akku); AC: 11 kW;
Ladezeit DC 10-80 %: 27 Minuten (37 kWh-Akku) bzw. 24 Minuten (52 kWh-Akku);
Reichweiten: 329 km (37 kWh-Akku)/ 455 km (52 kWh-Akku;
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h;
Abmessungen (L/B/H): 4.053 / 1.816 / 1.530 mm;
Leergewicht (EU): ab 1.568 kg (37 kWh) / ab 1.576 kg (52 kWh).

Ein weiterer Meilenstein beim Antrieb ist die Antriebsbatterie: Volkswagen nutzt beim ID.Polo mit 52 kWh-Akku erstmals die neuen „Einheitszellen“ der Volkswagen-Tochter PowerCo aus Salzgitter. Diese standardisierten Batteriezellen mit NMC-Chemie und platzsparender Cell-to-Pack-Technologie senken nicht nur die Produktionskosten, um den attraktiven Startpreis zu ermöglichen, sondern bieten auch ein optimiertes Lade- und Thermomanagement. Laut Bokker bietet das neue Package entscheidende Vorteile: „Wir haben allen voran durch den Frontantrieb ein sehr, sehr effizientes Package und eine sehr gute Raumökonomie“.

Zukunft trifft Vergangenheit
Auf Knopfdruck zeigt das Fahrerdisplay ein nostalgisches Design, das an die Rundinstrumente der ersten VW Golf-Generation erinnert.
Zukunft trifft Vergangenheit
Auf Knopfdruck zeigt das Fahrerdisplay ein nostalgisches Design, das an die Rundinstrumente der ersten VW Golf-Generation erinnert.

Das Resultat ist ein erstaunlich geräumiger Innenraum sowie ein deutlich vergrößertes Kofferraumvolumen, bei dem unter dem Ladeboden ein riesiges, tiefes „Geheimfach“ verborgen ist. Bokker vergleicht das Platzangebot im Interieur sogar mit dem eines Golf IV oder Golf V. Das Fahrzeug wurde daher bewusst „Beyond Urban“ konzipiert – als voll alltagstaugliches Auto für Stadt, Vororte und das Umland.

Moderne Assistenzsysteme und V2L: Die rollende Powerbank

Dass der ID. Polo in puncto Technik in der ersten Liga spielt, zeigen auch die umfangreichen Assistenzsysteme. Von der automatischen Distanzregelung bis hin zum Spurhalteassistenten bringt der Polo modernste Features mit, die den Fahrer im Alltag entlasten und das Sicherheitsniveau hochhalten.

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Weitere Informationen

Ein echtes Highlight für den praktischen Nutzen ist das neue V2L-Angebot (Vehicle-to-Load). Damit verwandelt sich das Auto bei Bedarf in eine riesige Powerbank: Über eine integrierte Steckdose lassen sich externe Geräte wie E-Bikes, Laptops oder sogar Campingausrüstung ganz bequem mit Strom aus der Fahrzeugbatterie versorgen.

Zurück zur Premium-Qualität – inklusive witziger Retro-Anzeige

Volkswagen hat sich das Kundenfeedback der letzten Jahre zu Herzen genommen. Der Innenraum überzeugt mit fühl- und sichtbarer Premium-Qualität. Hochwertige Stoffbezüge an den Türen und dem Armaturenbrett sorgen für eine angenehme Wohlfühlatmosphäre. Auch in der Bedienung kehrt VW zu bewährten Stärken zurück: Die klassischen, vier physischen Tasten für die elektrischen Fensterheber sind wieder da. Und die Lautstärke des Infotainmentsystems wird wieder ganz klassisch mit einem Drehknopf reguliert: Hier muss nichts mehr „geslidert“ werden.

Alles zur Hand 
Bedienerfreundlichkeit ist wieder Trumpf. Unter dem 13 Zoll großen Touchscreen des ID.Polo sitzt eine Leiste mit griffigen Tasten für die Steuerung der Klimafunktionen und der Warnblinkanlage. Und auf der Mittelkonsole ein Drehregler für die Audio-Anlage.
Alles zur Hand
Bedienerfreundlichkeit ist wieder Trumpf. Unter dem 13 Zoll großen Touchscreen des ID.Polo sitzt eine Leiste mit griffigen Tasten für die Steuerung der Klimafunktionen und der Warnblinkanlage. Und auf der Mittelkonsole ein Drehregler für die Audio-Anlage.

Ein besonders charmantes Gimmick für VW-Fans verbirgt sich im digitalen Cockpit: eine witzige Retro-Anzeige. Auf Wunsch lässt sich das Fahrerdisplay in ein nostalgisches Design verwandeln, das an die klassischen Rundinstrumente der ersten VW Golf-Generation erinnert – eine spielerische Hommage an die große Historie der Marke. „Man möchte nicht eine billige Lösung anbieten, sondern im Prinzip die Qualitäten, die Volkswagen schon immer ausgezeichnet haben, bringen“, fasst Bokker zusammen.

Preisparität zum Verbrenner

Beim Antrieb stehen zum Start zwei Batteriegrößen zur Wahl. Die Einstiegsversion mit 37 kWh-Akku liefert laut aktueller Prognose – die Homologation steht noch aus – eine Reichweite von soliden 315 Kilometern. Für längere Strecken gibt es die „Long Range“-Variante mit 52 kWh, die bis zu 455 Kilometer Reichweite schaffen soll. Damit ist der ID. Polo voll alltagstauglich.

Das wohl stärkste Verkaufsargument liefert Volkswagen aber wohl beim Thema Preis: Der Preis für das Basismodell „Trend“ in Deutschland liegt bei exakt 24.995 Euro. Damit erreicht VW Preisparität zu vergleichbaren verbrennungsmotorisch angetriebenen Modellen und macht den ID. Polo für die breite Masse erschwinglich. Erst recht, wenn man die E-Auto-Prämie der Bundesregierung einrechnet. Zur Einordnung: Für den 85 kW starken VW Polo der „Edition 50“ mit Benzinmotor und Doppelkupplungsgetriebe ruft Volkswagen aktuell 32.715 Euro auf, in der vergleichsweise magereren Ausführung „Life“ immerhin noch 27.975 Euro.

Sympathische Erscheinung
Aggressivität liegt dem vollelektrischen ID.Polo im Unterschied zum Cupra Raval fern, stellt der Autor erfreut fest. Die Lichtleiste in der Front zaubert dem kompakten Stromer ein Lächeln ins Gesicht. Das dürfte beim Publikum gut ankommen. Fotos: Volkswagen
Sympathische Erscheinung
Aggressivität liegt dem vollelektrischen ID.Polo im Unterschied zum Cupra Raval fern, stellt der Autor erfreut fest. Die Lichtleiste in der Front zaubert dem kompakten Stromer ein Lächeln ins Gesicht. Das dürfte beim Publikum gut ankommen. Fotos: Volkswagen

Unser Fazit: Der ID. Polo sieht nicht nur richtig gut aus, er macht auch technisch und konzeptionell alles richtig. Die Rückbesinnung auf alte Tugenden, kombiniert mit den neuen Einheitszellen und sparsamen Motoren, V2X-Fähigkeiten, dem Platzangebot eines Golfs und einem fairen Preis, ist extrem vielversprechend. Mit diesem Modell beweist Volkswagen, dass ein kompaktes Elektroauto alltagstauglich, hochwertig und massenkompatibel zugleich sein kann. Die Konkurrenz wird sich anstrengen müssen, um dieses Angebot noch zu toppen. Weder Stellantis, noch Renault haben derzeit Vergleichbares im Angebot. Nicht einmal der neue Hyundai Ioniq 3 kann da mithalten – der Startpreis soll hier bei knapp unter 30.000 Euro liegen.

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